Bandkeramische Kultur
Als die Bandkeramische Kultur oder Linearbandkeramische Kultur wird die älteste bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit in Mitteleuropa bezeichnet.
[[Bild:BandkeramischeGefaeße.jpg|thumb|300px|Bandkeramische Gefäße aus Mitteldeutschland im Bestand der ur- und frühgeschichtliche Sammlung der Universität Jena, die Friedrich Klopfleisch 1882 zur Definition der bandkeramischen Kultur benutzte.]]
Der älteste Ackerbau entstand im Nahen Osten (Mesopotamien) und in Anatolien (Fruchtbarer Halbmond). Die seit etwa 6500 v. Chr. im heutigen Griechenland und auf dem Balkan bestehenden ackerbauenden Kulturen gaben entlang der Donau-Achse wichtige Kultureinflüsse nach Mitteleuropa. Traditionellerweise wird die mitteleuropäische Bandkeramik aus dem Starcevo-Körös-Komplex des nördlichen Alföld abgeleitet, vielleicht mit einem Einfluß der Endneolithischen Vinča-Kultur. Zugleich scheinen aber auch über den westlichen Mittelmeerraum und die Rhône-Achse neolithische Einflüsse nach Mitteleuropa vorzudringen. Belege dafür ist vor allem das Vorkommen des Borstenmohns in der Bandkeramik, der aus dem westlichen Mittelmeerraum stammt. In den vergangenen Jahren ist dieser Prozess der Neolithisierung Mitteleuropas erneut in die Diskussion geraten. Traditionell hat die Archäologie eine Verdrängung der Jäger und Sammler durch die Bandkeramiker angenommen, wobei die frühere Theorie einer Einwanderung donauländischer Bauern zunehmend in Zweifel gezogen wird und mesolithische Traditionen und westmediterrane Einflüsse immer deutlicher herausgearbeitet werden. Heute wird, insbesondere aufgrund der mittleren Ausbreitungsgeschwindigkeit von einem Kilometer pro Jahr, auch eine allmähliche Übernahme neuer Techniken durch die alteingesessenen Völker diskutiert.
Um 5500 v. Chr. ist die älteste Bandkeramik zu fassen. Etwa 5000 v. Chr. erreichte die Kultur über den Rhein auch das Gebiet der Niederlande und Nordfrankreichs. Die Bezeichnung Bandkeramik leitet sich von der charakteristischen Verzierung der keramischen Gefäße mit einem Bandmuster aus runden und eckigen Spirallinien ab. Charakteristisch sind weiterhin große Häuser, deren Pfostenstandspuren bei vielen Grabungen nachgewiesen werden konnten.
Zur gleichen Zeit, als die Bandkeramik entlang der Donau und des Rheins vordrang, fand eine entsprechende Ausbreitung von Ackerbau und Töpferei von den Küsten Griechenlands nach Italien und von dort nach Südfrankreich und Spanien statt. Der Beginn dieser Ausbreitung wird auf 6500 v. Chr. datiert; um 5000 v. Chr. war auch diese Bewegung abgeschlossen.
Mit der weitläufigen Einführung des Ackerbaus in Europa begann eine umfangreiche Rodung des Waldes, sowohl durch Feuer als auch durch geschliffene Steinäxte.
Die Bandkeramikkultur wurde in ihrem westlichen Verbreitungsgebiet über die Zwischenschritte Hinkelstein und Großgartach von der Rössener Kultur, im Osten (Bayern, Tschechien, Polen, Österreich) von der Stichbandkeramik abgelöst.
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Bauweise
Die Bandkeramische Kultur zeichnet sich durch charakteristische Langhäuser aus. Diese Häuser mit einer Grundfläche von bis zu 40 m x 8 m (kleinere Bauten etwa 20 m x 5 m) bestanden aus einem tragenden Gerüst von 5 parallelen Pfostenreihen (zwei für die Längswände, eine unter dem Dachfirst, zwei als zusätzliche Stütze dazwischen). Die äußeren Pfostenreihen waren vermutlich mit lehmverputzen Rutengeflechten zu Wänden gearbeitet, das auf den Pfosten sitzende Satteldach vermutlich mit Stroh, Schilf oder Rinde gedeckt. Die Häuser waren in der Regel in einer norwest-/südöstlichen Orientierung aufgebaut, wobei die Wände des nordöstliche Teils zum Teil durch nebeneinandergesetzte Holzpfähle verstärkt waren; im südöstlichen Teil befand sich möglicherweise eine Zwischendecke eingezogen.
Das charakteristische Langhaus war jedoch nicht der einzige Haustyp. Es gab insgesamt drei verschiedene Grundpläne von Häusern, die aus drei verschiedenen Modulen zusammengesetzt waren. Als Ausgangspunkt gilt hier ein zentrales Modul (Kleinbau). Dieses konnte als einziges der drei Module alleine existieren. Die möglichen Variationen der Zusammenstellung der Module beschränkte sich auf zwei weitere Arten. Zum einen das zentrale Modul mit einem zumeist nordwestlichen Anbau (Bau) und zuletzt der Anbau des nordwestlichen Moduls und eines zumeist südöstlichen Moduls an das zentrale Modul (Grossbau oder Langhaus) (Modderman 1988, van de Velde 1990).
Die Häuser dienten trotz ihrer Größe meist angeblich nur einer Kleinfamilie von 6-8 Personen als Unterkunft, hatten jedoch wahrscheinlich neben der Wohn- auch Speicherfunktion (eingezogene Zwischendecke im SE-Teil, nur über die Art der Pfosten belegt). Eine Verwendung als Stallung ist unwahrscheinlich (in Bodenuntersuchungen müssten sonst Phosphate aus Tiermist nachweisbar sein, was aber nicht der Fall ist).
Wie die Inneneinrichtung aussah, ist weitgehend unbekannt. Der Lehm zum Verputzen der Wände wurde direkt neben dem Haus entnommen, die dabei entstandenen Gruben wurden wahrscheinlich als Keller genutzt, wenn sie ihre Speicherfunktion verloren, als Mülldeponie; in der frühen Forschung über die Bandkeramikkultur führte dies zur irrigen Annahme, dass diese Gruben die eigentlichen Behausungen darstellten ("Kurvenkomplexbauten").
Die Häuser standen zumeist alleine, stellenweise in Gruppen von bis zu drei Häusern. Früher wurden größere Siedlungen angenommen, eng beieinanderliegende Funde von Hausgrundrissen scheinen jedoch zu unterschiedlichen Perioden zu gehören, diese Häuser standen also nacheinander, aber nicht gleichzeitig auf dem jeweiligen Areal; es steht zu vermuten, dass die Häuser, wenn sie unbrauchbar geworden waren, in unmittelbarer Nähe neu aufgebaut wurden.
Kult und Religion
Über die religiösen Vorstellungen der Menschen der Linearbandkeramik ist nicht viel bekannt, da schriftliche Überlieferungen naturgemäß fehlen. Archäologisch lassen sich jedoch die so genannten Erdwerke nachweisen. Hierbei handelt es sich um groß angelegte Anlagen mit Gräben, Wällen und Palisaden, die manchmal, aber nicht immer, nach den Haupthimmelsrichtungen orientiert sind. Ihr Inneres ist oft immer fundleer. In früherer Zeit wurden sie als Verteidigungsanlagen oder Viehgehege gedeutet, aber in den Gräben und Wällen finden sich zahlreiche Lücken und Unterbrechungen, die diese Funktionen weitgehend ausschließen. Bisweilen finden sich in den Gräben Skelette oder Teile von Skeletten, typische Keramik, Tierknochen, Silex und andere Funde, die auf eine religiöse Bedeutung hinweisen, besonders religiös motiviert wirkt z.B. die Grubenanlage in Herxheim. Manche der Anlagen sind kreisrund, andere haben eine elliptische Form, wieder andere sind unregelmäßig kreisrund geformt. Erdwerke gibt es seit der Ältesten Linearbandkeramik (z.B. in Eilsleben, Bördekreis), sie sind jedoch in der jüngeren LBK häufiger.
Einen weiteren Hinweis auf religiöses Leben liefern die so genannten Idole. Hierbei handelt es sich um meist aus Ton gefertigte menschen- und tierähnliche Statuetten, die nahezu immer zerbrochen wurden. Diese Tatsache wird als kultisch motiviert gedeutet. Ob es sich bei den Idolen um Götterbilder, Ahnen, Dämonen oder anderes handelt, ist unbekannt. Idole kommen im gesamten Verbreitungsgebiet der Linearbandkeramik vor. Dabei stellt das Bruchstück des rund 7000 Jahre alten so genannten "Adonis von Zschernitz" die bisher älteste männliche bandkeramische Tonfigur Deutschlands dar.
wichtige Fundorte
- Eilsleben
- Bylany
- Langweiler 8
- Herxheim
Literatur
- Modderman, P.J.R. 1988. The Linear Pottery Culture: Diversity in Uniformity. Berichten van de Rijksdienst voor her Oudheidkundig Bodemonderzoek, 38, 1988.
- Van de Velde, P. 1990. Bandkeramik social inequality – a case study. Germania 68, 19-38.
- Zimmermann, A. 1995. Austauschsysteme von Silexartefakten in der Bandkeramik Mitteleuropas (= Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 26) (Bonn 1995).
Weblinks
- Porta praehistorica et antiqua. In diesem Diskussionsforum werden in erster Linie Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike behandelt. Dabei spielen natürlich die ersten neolithischen Kulturen bereits eine große Rolle.
- Übersicht zur Bandkeramik in Oberfranken. Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach.
