Bauhütte
Die Bauhütte ist eine historische, zunftmäßige Organisation der an einem Kirchenbau Beteiligten, von Steinmetzen, Bildhauern, Maurern, Wand- und Glasmalern.
Ihr oblag im Mittelalter die Pflege und Weiterentwicklung der künstlerischen Bautraditionen und die Überlieferung der Hüttengeheimnisse. Ihre Bauhüttenbücher, von denen einige erhalten sind, enthalten Baupläne, typisierte Figuren, Ornamente und andere Zeichnungen, die als Vorlage für die Arbeiten dienten.
Diese Hütten entstanden als Nachfolge von mönchischen Traditionen im 13. Jahrhundert und erlebten ihre Blüte im 14. Jahrhundert. Sie gelten als Vorläufer der städtischen Zünfte. 1459 schlossen sich die Bauhütten auf der Grundlage der Straßburger Ordnung der Straßburger Bauhütte zusammen.
Die Mitglieder einer Bauhütte verpflichteten sich einer bestimmten Hüttenordnung, die ein ganzes Spektrum von Gesetzen beinhaltete. So auch Glaubens- und Sittenangelegenheiten und die Pflege menschlicher Tugenden wie Duldsamkeit, Bruderliebe, Treue, Verschwiegenheit und Wahrhaftigkeit. Die Bauhütte hatte aber auch einen anderen sozialen Zweck: Sie war eine Versicherung, unterstützte die alten und verarmten Mitglieder. Wer in eine Bauhütte treten wollte, brauchte einen Bürgen jener Hütte. Die Aufnahmebedingungen waren eine eheliche Geburt und ein guter Ruf. Wer sich gegen die Hüttenverordnung auflehnte, wurde als ehrlos erklärt, sein Name an den Schelmenpfahl geheftet.
An der Spitze einer solchen Vereinigung stand ein Aldermann. Unter ihm herrschte die Gliederung der bis heute aufrecht erhaltenen Meisterschaft:
- der leitende Baumeister, lat.: magister fabricae, sowie der Kaufmann, lat.: gubernator fabricae, Geldverwalter
- Geselle, Knecht
- Lehrling
Jede dieser Zunftgilden hatte ihre eigene Innung, ihre Zeichen und Geheimsymbole. Diese waren auch sozusagen ihr Mitgliedsausweis/-nachweis, da die Schrift zu jener Zeit das Privileg weniger war.
Jeder dieser weltlichen Gildenverbände schloss einen Geistlichen ein (Geistige Bruderschaft). Beispiel: Die Bauhütte aus K. genoss freundschaftliche Beziehungen zu den Augustinern, etc. Bauhütten hatten im Allgemeinen innige Beziehungen zu Kirchen und Klöstern. Was sie für das Volk mystisch machte, war, dass man als Mitglied einer Bauhütte über umfangreiche Bibelkenntnisse verfügte, was dem gemeinen Bürger nicht zur Verfügung stand, da die Messen zu jener Zeit in Latein abgehalten wurden.
Mit ihrem Schatz (= umfangreiche Baukenntnisse) wanderten die Hüttenmitglieder an Orte, an welchen große Bauwerke, wie etwa ein Dom oder ein Kloster, geplant waren, und solche Vorhaben gab es zu jener Zeit viele. Dort angekommen, bauten sie ihre Hütte und boten ihre Dienste an.
Der Klerus stand solchen Gemeinschaften wie den Bauhütten oft hemmend gegenüber. Durch die Inquisition wurden gar Ausrottungsversuche unternommen. In Frankreich war ihr Tun stets ketzerisch. Mit der Reformation verfielen auch die Bauhütten, 1731 wurden sie zwangsweise aufgelöst. Einige ihrer Bräuche und Sinnbilder tauchen in der Freimaurerei wieder auf.
Heutiger Stand
Heutzutage sind die Dombauhütten Eigenbetriebe einer Diözese mit spezialisierten Aufgaben und Arbeitsinhalten zur Renovierung, Sanierung und Erhaltung der Substanz von Bauten, die im Kircheneigentum stehen, insbesondere der Bischofskirche. Mittlerweile sind auch Frauen aufgenommen in die Dombauhütten: die Kölner Dombauhütte steht z.B. unter der Leitung einer diplomierten Bauingenieurin.
Weblinks
Entwicklung des Handwerks - Interessante Seite zur Entwicklung des Handwerks, Begriffe und Berufe. U.a. eben auch zu Bauhütten
Siehe auch: Hütte, Hütte (Gebäude), Portal Architektur und Bauwesen
