Baum-Frick-Regierung
Frick-Regierung (richtiger: Baum-Frick-Regierung) bezeichnet die erste Landesregierung der Weimarer Republik, an der die Nationalsozialisten beteiligt wurden.
Sie wurde in Thüringen am 23. Januar 1930 von der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei, dem Thüringer Landbund, der Wirtschaftspartei und der NSDAP gebildet, nachdem die NSDAP in der Landtagswahl vom 8. Dezember 1929 11,3% der abgegebenen Stimmen erhalten und damit ihren Stimmanteil verdreifacht hatte.
Die wichtigsten Posten in der Baum-Frick-Regierung hatten Erwin Baum (Landbund) als Vorsitzender des Staatsministeriums (entspricht in etwa dem heutigen Ministerpräsidenten) und Staatsminister für Finanzen, der spätere Reichsinnenminister Wilhelm Frick (NSDAP) als Staatsminister für Inneres und Volksbildung sowie Wilhelm Kästner (Wirtschaftspartei) als Staatsminister für Wirtschaft und Justiz inne. Die Bildung der Baum-Frick-Regierung war ein Ausdruck des zunehmenden Einflusses der NSDAP und eine Vorwegnahme der Harzburger Front.
Mit ihrer Regierungsbeteiligung wollten die Nationalsozialisten den Führern der Konzerne und Banken ihre absolute Ungefährlichkeit für die bestehende Wirtschaftsordnung demonstrieren. Die Tätigkeit der Frick-Regierung war durch restriktive Maßnahmen gegen die Arbeiterschaft, Einführung neuer Massensteuern, Säuberung der Polizei von republikanisch gesinnten Beamten sowie Durchsetzung der mit Anhängern der NSDAP, Säuberung der Lehrerschaft von linken Einflüssen und Einführung von "Schulgebeten" zur nationalistischen Erziehung geprägt.
Wegen ihrer verfassungswidrigen Maßnahmen geriet die Frick-Regierung auch zeitweise in Konflikt mit der Reichsregierung. Sie fand schließlich im Thüringer Landtag bei einer namentlichen Abstimmung am 1. April 1931 nicht mehr die erforderliche Mehrheit. Die beiden der NSDAP angehörenden Regierungsmitglieder, Wilhelm Frick und der Staatsrat Willy Marschler, mussten daraufhin aus der Regierung ausscheiden.
Bereits nach der folgenden Landtagswahl im Sommer 1932 allerdings war die NSDAP in der Lage, eine Alleinregierung (mit Fritz Sauckel an der Spitze) zu bilden.
Siehe auch: Geschichte Thüringens
