Baumeister
Baumeister ist eine alte Berufsbezeichnung für einen Planer und Leiter von Bauarbeiten aller Art. Baumeister ist die Bezeichnung für einen Beruf, der in dieser Form heute nicht mehr existiert. Bis in das 20. Jahrhundert hinein bezeichnete man so diejenigen Personen, die bei öffentlichen Neubauten sowohl die künstlerische als auch die technische und administrative Projektleitung hatten.
Bis in das 19. Jahrhundert waren die Fähigkeiten des Baumeisters für die Errichtung von Bauten ausreichend. Durch die zunehmende Komplexität des Bauwesens und die immer größer werdenden Ansprüche hinsichtlich Statik und Architektur entwickelten sich daneben die akademischen Berufe des Architekten und Bauingenieurs. Das Aufgabengebiet eines Baumeisters umfasste die heutigen Berufsfelder des Architekten, des Bauingenieurs als auch die eines Projektmanagers. Die Baumeister hatten auch verschiedene Bezeichnungen, in Berlin war Stadtbaurat üblich.
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Hofbaumeister
Ein Hofbaumeister ist ein an den Sitz eines regierenden Fürsten oder Herrschers (Hof) berufener, also ein von einem Landesherren mit der Planung und Durchführung öffentlicher Bauvorhaben betrauter Baumeister.
Bedeutende Träger dieses Titels und die hauptsächlichen Stätten ihres Schaffens waren:
- Henrico Zuccalli (München, 1642 - 1724)
- Antonio Giovanni Viscardi (München, 1645 - 1713)
- Eosander von Göthe (Berlin, 1669 - 1728)
- Philipp Gerlach (1679 - 1748), Hofbaumeister des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I.
- Johann Michael Ludwig Rohrer (Rastatt, 1683 - 1732)
- François de Cuvilliés (München, 1695 - 1768)
- Franz Ignaz Krohmer (Baden-Baden, 1714 - 1789)
- Philippe de La Guêpière (Stuttgart, 1725 - 1773)
- Leopoldo Retty (Ansbach, 18. Jahrhundert)
- Georg Greggenhofer (Eutin, † 1779)
- Karl Friedrich Schinkel (Berlin, 1781 - 1841)
- Franz Karl Leo von Klenze (Kassel, 1784 - 1864)
- Friedrich Weinbrenner (Karlsruhe, 1766 - 1826)
- Georg Adolph Demmler (Schwerin, 1804 - 1886)
- Paul Fröhlich, (Dresden)
Der Begriff Baumeister heute in Deutschland
In der Bundesrepublik ist der Begriff des Baumeisters inzwischen nicht mehr klar definiert und auch keine Berufsbezeichnung mehr. Er wird höchstens noch benutzt, um einen übergreifenden Begriff für Architekten und Bauingenieure zu haben. (vgl. den Berufsverband BDB = Bund deutscher Baumeister)
Der Begriff Baumeister heute in Österreich und der Schweiz
In Österreich und der Schweiz handelt es sich bei dem Begriff Baumeister immer noch um eine konkrete Berufbezeichnung. Während Architekten und Bauingenieure nur im planenden und kontrollierenden Bereich tätig sein dürfen, stellt der Baumeister den einzigen universell einsetzbaren Baufachmann dar.
Der Baumeister ist berechtigt:
- die unterschiedlichsten Bauwerke zu planen,
- das statische Gefüge zu berechnen,
- Kosten zu ermitteln,
- Bauarbeiten auszuführen, zu leiten und zu kontrollieren.
Er ist weiters zur Projektentwicklung, -leitung und Projektsteuerung, zum Projektmanagement sowie zur Übernahme der Bauführung und im Rahmen seiner Gewerbeberechtigung zur Vertretung seines Auftraggebers vor Behörden und Körperschaften öffentlichen Rechts berechtigt.
Berühmte Baumeister
- Peter Parler (1330-1399)
- Michael Knab (um 1340/50-nach 1399)
- Matthäus Böblinger (1450-1505)
- Albrecht Altdorfer (um 1480-1538)
- Baldassare Peruzzi (1481-1536)
- Heinrich Tussmann (16. Jahrhundert)
- Wolf Blechschmidt (um 1510-1577)
- Bartolomeo Ammanati (1511-1592)
- Heinrich Schickhardt (1558-1635)
- Pietro da Cortona (1596-1669)
- Die Baumeister-Familie Gumpp (ab 1600)
- Johann Gregor Memhardt (1607-1678)
- Pietro Francesco Carlone (um 1610-1681 oder 1682)
- Louis Le Vau (1612-1670)
- Jacques François Blondel (1618-1686)
- Antonio della Porta (um 1631-1702)
- Johann Dientzenhofer (1663-1726)
- Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745)
- Johann Eosander von Göthe (1669-1728)
- Peter Thumb (1681-1766)
- Dominikus Zimmermann (1685-1766)
- Balthasar Neumann (1687-1753)
- Francois de Cuvillies der Ältere (1695-1786)
- Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753)
- Johann Boumann (1706-1766)
- Francois de Cuvillies der Jüngere (1731-1777)
- Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) - ab hier spricht man zunehmend nicht mehr von Baumeistern, sondern von Architekten
- August Soller (1805-1853)
- Paul Abadie der Jüngere (1812-1884)
- Ernst von Ihne (1848-1917)
