Begriff

Unter Begriff oder Konzept (v. lat.: conceptus = zusammengefasst) versteht man die Vorstellung eines komplexen Sachverhaltes. Als diesen nimmt man unter anderem in der Philosophie die Begriffe als elementare Einheiten des Denkens an.

Unter einer Begrifflichkeit versteht man die Menge der Begriffe, die im Zusammenhang mit einem konkreten Thema, in einem bestimmten Kontext oder in einer bestimmten Theorie verwendet werden. Die Begriffe innerhalb einer Begrifflichkeit stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang und können häufig nur relativ aufeinander bezogen erläutert und definiert werden.

In der Alltagssprache versteht man unter Begriff meist auch einfach ein Wort oder eine Bezeichnung.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsumfang, Begriffsdefinition und Begriffsinhalt

Einige Theorien unterscheiden Begriffsumfang und Begriffsinhalt.

Der Begriffsumfang (= Extension) ist die Menge (oder Klasse) aller Gegenstände, die der gegebene Begriff umfasst. Beispielsweise ist der Begriffsumfang des Begriffes „weiß“ die Menge aller weißen Gegenstände. Begriffe, die denselben Begriffsumfang haben, heißen äquipollent, umfangsgleich oder extensional gleich und gelten bei logischen Untersuchungen, insbesondere in der mathematischen Logik, häufig als identisch (siehe auch: Extensionalitätsprinzip).

Wird ein Begriff weiter unterteilt, ist auf Dichotomie bei der Einteilung des Begriffsumfangs zu achten, um Fehlschlüsse zu vermeiden. Siehe Pseudodichotomische Einteilung eines Begriffsumfangs.

Die Definition eines Begriffes wird in der Logik als angemessen bezeichnet, wenn Definiendum und Definiens, d.h. der zu definierende Begriff und der Ausdruck, der diesen definiert, gleichen Umfang besitzen. Zum Beispiel ist in der Definition

Ein Quadrat ist ein Rechteck mit vier gleich langen Seiten.

diese Bedingung erfüllt: Die Begriffsumfänge von Quadrat, dem Definiendum, und Rechteck mit vier gleich langen Seiten, dem Definiens, decken sich völlig.

Der Begriffsinhalt (= Intension) bezeichnet die Gesamtheit derjenigen im Bewusstsein vorhandenen Eigenschaften und Beziehungen von Gegenständen, die zur Begriffsbildung dienen. Zum Inhalt des Begriffes Zootechnik gehören z.B. alles, was als Eigenschaft dieser Technik verstanden wird. Wenn er aber kurz definiert werden soll, wenn die Grenzen des Begriffes festgestellt werden sollen, wählt man nur die wesentlichen Eigenschaften aus, und definiert z.B. "Zootechnik als die Technik von der Aufzucht, Fütterung, Haltung und richtigen Nutzung landwirtschaftlichen Nutzviehs zur Gewinnung hochwertiger Produkte".

Historische Definitionen

Nach der klassischen auf der Antike fußenden Definition wird ein Begriff durch Abstraktion und Unterscheidung gewonnen.

Im Mittelalter wurden Begriffe auch als Universalia post res (lat.: post = nach + res = Sache) bezeichnet, da im Begriff die Gemeinsamkeiten aller Exemplare der Sache, aus welcher der Begriff abstrahiert ist, enthalten sind.

Für Descartes und Leibniz sind Klarheit und Deutlichkeit hinreichende Merkmale eines Begriffs.

Immanuel Kant unterscheidet zwischen der Anschauung und dem Begriff. Die Anschauung ist eine Vorstellung, die auf einen einzelnen Gegenstand bezogen ist. Der Begriff ist als eine „allgemeine Vorstellung dessen, was mehreren Objekten gemein ist“ zu verstehen.

Streitpunkte

Die Auffassung, dass es neben den Bezeichnungen als sprachlichen (gesprochenen, geschriebenen, gedachten) Entitäten und den von ihnen bezeichneten Gegenständen noch weitere mentale, geistige oder abstrakte Entitäten wie „Denkeinheiten“, Intensionen oder Extensionen gibt, ist philosophisch umstritten. Der Extensionalismus verzichtet im Sinne einer ontologischen Sparsamkeit (Ockhams Rasiermesser) auf die Annahme der Existenz von Intensionen. Der Nominalismus geht weiter und verzichtet auf die Annahme der Existenz von Intensionen wie von Extensionen.

Einigen Erkenntnistheorien gilt der Begriff als „Widerspiegelung“ der objektiv, d.h. unabhängig vom Menschen existierenden wesentlichen Eigenschaften der realen Gegenstände. Erweiterung und Änderung von Begriffen seien Ausdruck von tieferem Wissen über die Welt und damit fortschreitender Erkenntnis.

Definition nach DIN

DIN 2342 definiert Begriff als eine „Denkeinheit, die aus einer Menge von Gegenständen unter Ermittlung der diesen Gegenständen gemeinsamen Eigenschaften mittels Abstraktion gebildet wird“

Modell der Kognitionswissenschaft

Die Idee des Begriffs dient auch in der Kognitionswissenschaft und Künstlichen Intelligenz zur Modellierung der menschlichen Vorstellung und allgemein von Wissen - siehe dazu unter Begriff (Kognitionswissenschaft).

Klassifikation

Begriffen lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterteilen:

Zitat

SCHÜLER:
Doch ein Begriff muß bei dem Worte sein.
MEPHISTOPHELES:
Schon gut! Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen
Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
(aus Faust I von Goethe)

Siehe auch

Universalienproblem, Wort, Merkmal, Bedeutung, Definition, Thesaurus, Glossar, Name, Benennung, Onomasiologie und Semasiologie (Teilgebiete der Semantik), Semiotisches Dreieck, Notiones inter se convenientes

Weblinks

See also: Begriff, Abstrakter Begriff, Abstraktion, Alltagssprache, Anschauung, Artbegriff, Bedeutung, Begriff (Kognitionswissenschaft), Begriffsbildung, Benennung