Benchmarking
In der Wirtschaft bezeichnet man das Benchmarking als das systematische Vergleichen von Dienstleistungen, Prozessen, Methoden und Praktiken zur Auffindung von Stärken und Schwächen. Es handelt sich um ein wettbewerbswirtschaftliches Analyseinstrument. Ursprünglich kommt der Begriff "Benchmark" aus dem Vermessungswesen, und bezeichnet eine Vermessungsmarkierung oder einen Bezugspunkt, von dem aus die Vermessung begonnen und beurteilt wird.
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Einleitung
Benchmarking wird von uns allen regelmäßig angewendet. Wenn wir andere Menschen beobachten und bewundern, und versuchen, von den Besten zu lernen oder sie nachzuahmen, üben wir Benchmarking aus. Der erste natürliche Schritt ist es, herauszufinden, wie dieser Mensch das macht. Durch Nachahmung und Weiterentwicklung gilt es, sich schrittweise dessen Niveau anzunähern.
Als bestes Beispiel eignet sich der Sport, wo alle immer bessere, schnellere und größere Leistungen erbringen müssen. Rekorde werden aufgestellt, um wieder gebrochen zu werden. Sportler trainieren miteinander, und nutzen Leistungsvergleiche untereinander, um sich selbst im Training und im Wettbewerb zu neuen Höchstleistungen zu motivieren. Dieser ständige Leistungsvergleich findet auch in der Wirtschaft Anwendung, da auch dort ein permanenter Konkurrenzkampf herrscht.
Benchmarking ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem verschiedene Kenngrößen über mehrere Geschäftsbereiche eines oder mehrerer Unternehmen miteinander verglichen werden. Es werden daher die Unterschiede offen gelegt, deren Ursachen ermittelt, und Möglichkeiten zur Verbesserung aufgezeigt. Die Ergebnisse sind Ansporn, zu den Besten der Besten (best practice) zu avancieren.
Formen des Benchmarking
Es gibt verschiedene Formen des Benchmarking als wettbewerbswirtschafliches Analyseinstrument:
- internes Benchmarking: Das ist die erste und einfachste Form, da sie im eigenen Unternehmen stattfindet, wo alle internen Abläufe analysiert, und verschieden Geschäfsbereiche miteinander verglichen werden. Einfach ist diese Form des Benchmarking, da alle Beteiligten für das selbe Unternehmen arbeiten. Schwierigkeiten können dann auftreten, wenn sich ein Konkurrenzkampf zwischen den Abteilungen entwickelt.
- wettbewerbsorientiertes Benchmarking: Diese Form beinhaltet spezifische Konkurrenzvergleiche, vor allem bei Schlüsselprodukten oder - prozessen, d.h. es wird das eigene Unternehmen mit anderen verglichen. Viele Unternehmen zögern jedoch Geschäftsgeheimnisse mit den größten Konkurrenten zu teilen, und geben daher absichtlich Falschinformationen preis.
- funktionales Benchmarking: Hier werden betriebliche Abläufe, sowie Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse, aber nicht identische, in anderen Branchen mit den eigenen verglichen. Es werden Ideen gesucht, die auf vergleichbaren Gebieten bereits erfolgreich waren, d.h. jedoch nicht, dass diese dann auch auf das eigene Unternehmen anwendbar sind.
- generisches Benchmarking: Diese Form des Benchmarking ist geeignet, wenn nur Statistiken mit anderen Firmen verglichen werden. Das Ergebnis werden jedoch keine qualitativen Resultate sein, aber es kann in Verbindung mit den anderen Benchmarking Formen nützlich sein, und es können neue Ideen oder Trends kreiert werden.
Das Benchmarking schlägt eine Brücke von der reinen Leistungsanalyse hin zu selbständigen Lern- und eigenständigen Veränderungsprozessen. Das Aufzeigen von besseren Leistungsstandards, die andere Unternehmen bereits erreicht haben, erleichtert das Aufbrechen bestehender, ineffizienter Prozesse und Strukturen im Unternehmen.
Vorgehen
1. Problembereiche aufdecken: Da Benchmarking überall angewendet werden kann, ist es wichtig, vor Beginn des Benchmarking den Objektbereich genau abzugrenzen.
2. Spitzenunternehmen identifizieren: Mittels Befragung von Kunden, Lieferanten, Banken, Beratern, Medien und Interessensvertretungen werden die in das Benchmarking einzubeziehende Unternehmen eingegrenzt. Sehr oft dient eine Universität oder ein Beratungsunternehmen als neutraler Ansprechpartner und Datenerheber, so dass die Teilnahmebereitschaft steigt.
3. Best Practice ermitteln: Nach eingehender Literaturrecherche und Erarbeitung einer Checkliste bzw. eines Fragenkatalogs sollten die relevanten Daten vor Ort erhoben werden. Diese Erhebung sollte von zwei bis fünf Experten durchgeführt werden, da nur ihnen die "kleinen Dinge" auffallen werden, die oft den Erfolg ausmachen. Je nach Umfang der Studie gilt es die Daten zu analysieren, vergleichen und Zielgrößen abzuleiten.
4. Best Practice umsetzen: Die Umsetzungsverantwortung sollte an Personen oder interdisziplinäre Teams aus der Basis delegiert werden, damit die Verbesserungen ins Tagesgeschäft einfließen. Klare Ziele und entsprechende Belohnungen bei Zielerreichung spornen die Leistungssteigerung an.
5. Wiederholen - Benchmarking sollte der kontinuierlichen Weiterentwicklung dienen.
Der Erfolg ist in erster Linie abhängig von der Festlegung geeigneter Beurteilungskriterien und der Wahl vorbildlicher Referenzunternehmen (beides ist nur situationsspezifisch zu lösen). Weitere kritische Erfolgsfaktoren sind die notwendige hierachieübergreifende Unterstützung des Projektes durch das (Top-)Management und die jeweiligen Prozessverantwortlichen sowie die Veränderungsbereitschaft der Betroffenen und die Machbarkeit im Implementierungsprozess.
Historische Entwicklung
Xerox führte 1979 das Benchmarking ein, um in kürzester Zeit Verbesserungen erzielen zu können, indem die besten Methoden von anderen Unternehmen gesammelt und adaptiert werden. So wurde eine neue Art der "Qualitätswissenschaft" entwickelt. Mittels Analyse und Vergleich der Produkte und Abläufe von Mitbewerbern zu lernen, wie jene des eigenen Unternehmens verbessert werden können. 1989 bekam das Unternehmen in den Vereinigten Staaten den angesehen Malcolm Baldrige Quality Award.
Berühmt geworden ist auch die MIT-Benchmarking-Studie der Automobilindustrie im Jahre 1990 von James P. Womack, wo der drastische Vorsprung der japanischen Automobilhersteller gegenüber den amerikanischen detailliert an Benchmarking-Kenngrößen aufgezeigt wurde. So betrug die Lagerreichweite der Japaner bloss 1,4 Tage, diejenige der Amerikaner 8,1 Tage und jene der Europäer sogar 16,3 Tage mit entsprechenden Konsequenzen für das gebundene Kapital.
In der Europäischen Union wird das Benchmarking seit Ende 1996 als eine Methode angewandt, um die Leistungskraft der einzelnen Arbeitsmärkte der EU-Länder zu vergleichen. Dabei sollen Schwächen einzelner Mitgliedstaaten offen gelegt und die jeweiligen Regierungen in die Lage versetzt werden, dringend benötigte Reformen durchzuführen.
Siehe auch
- Benchmark als genormtes Testverfahren zur Performancemessung von Geräten.
- Total Quality Management
Literatur
- Gunnar Siebert, Stefan Kempf: Benchmarking, Hanser Wirtschaft, München 2002, ISBN 3446218505.
- James G. Patterson: Grundlagen des Benchmarking, die Suche nach der besten Lösung, Wien 1996, ISBN 3706402513.
- Xerox Corporation: Leadership through quality: Implementing competitive benchmarking, Stamford CT, 1987.
- James P. Womack, Daniel T. Jones, Daniel Roos: Die zweite Revolution in der Autoindustrie, Frankfurt/Main 1994, ISBN 359335120X.
Weblinks
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