Berthold von Henneberg

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Berthold von Henneberg (1442-1504) war Erzbischof von Mainz und Reichsreformer.

Zur Person: Geboren 1442 als 12. Kind des Grafen Georg von Henneberg; bereits mit jungen Jahren Dompfründe in Straßburg, Köln, Bamberg. Danach Studium in Erfurt und Padua, Schüler des Nikolaus von Kues; ab 1467 Tätigkeit am Hof des Kaisers - ab 1464 erhält er eine Sacerdotalpfründe in Mainz, zunächst als Domcellar, dann ab 1472 im Domkapitel, ab 1475 als Nachfolger von Richard von Steins: Domdekan - diplomatische und kaiserliche Aufträge für Adolf II. von Nassau; während der zweiten Amtszeit des Isenburgers hält er sich als Parteigänger Adolfs II. v.a. in Rom auf; Rückkehr in das 8er-Kollegium zur Ausübung der Regierungsgeschäfte für den minderjährigen Administrator Adalbert von Sachsen - 20. Mai 1484 einstimmige Wahl zum Erzbischof, Konfirmation durch Innozenz VIII. am 20. September 1484, Weihe durch den Wormser Bischof Johann von Dalberg am 13. März 1485 in Mainz → Führer der deutschen Reichstände, juristisch gebildet, diplomatisch geschickt, ehrlicher und mutiger Repräsentant des aufstrebenden Adels mit Bewusstsein für reichspolitische Verantwortung

Die Reformtätigkeit Bertholds: 1. innerkirchlich und landesherrlich: „Mittelalterliche Denkweise ↔ Humanismus

- Förderer der herkömmlichen Frömmigkeit - Organisatorische Neustrukturierung: Zentralisierung und Kontrolle - Bücherzensur, Förderung der Universität - Provinzialsynoden 1487 u. 1499: vs. „Türkenzehnt“ Innozenz VIII, Gravamina, Klerusreform → Beharrung auf geltenden Rechtsgrundlagen: Restauration ↔ Modernisierung

2. reichspolitisch: „viel Verhandlung, wenig Ergebnis“ ? - Gefahr für das Reich (v.a. außenpolitisch) durch Zerstrittenheit der Stände → Fremdherrschaft - Stärkung des Reich durch Gültigkeit der Reichstagsbeschlüsse: Aufbau einer Exekutive als ständige Institution (Kurverein), Ausbau des Reichstag zu einer geschlossenen Organisation der ständischen Interessenvertretung gegenüber dem Kaiser → Schlüsselstellung des Mainzer Erzbischof als Erzkanzler

1484 Forderung nach Landfrieden

1486 Reformpläne vor Reichstag, zwar vertagt aber: 10-jähriger Landfriede, Bestätigung der Reichskanzlei, Belehung mit der Stadt Mainz → Mitwirkung an der Krönung Maximilians I.

1493 nach dem Tode Friedrich III.: Übernahme der Reichskanzlei, Gegensatz der Reformziele: Mitwirkung der Stände ↔ Zentralgewalt

1495 Reichstag Worms - Erneute Forderung nach Reichreform (als Bedingung für Reichshilfe), Reichsgericht, Landfriede → langwierige Verhandlungen: - Ergebnis: Reichskammergericht, Ewiger Landfriede und „Handhabung Friedens und Rechts“ als Vertrag zwischen König und Ständen

1497 Vereinigung der Stände zur Erhaltung der Wormser Beschlüsse wegen Missachtung durch Maximilian: Hofratsordnung, gemeiner Pfennig

1500 Reichsregiment - als ständische Regierungsform des Reich, Motive: Reichstag unbrauchbar und mangelndes Interesse des Kaisers - bestehend aus Kaiser und 20 Mitgliedern → alle Regierungsgewalt, Beschlüsse im Namen des Kaisers (inkl. Siegel), Majoritätsprinzip, kein Einspruchrecht des Kaisers → Position des Kaisers: nur noch Ehrenvorrang - Problematisch: Außenpolitik, Finanzierung, Interesse der Stände

1502 Reichsregiment in Auflösung, Abreise der Räte aus Augsburg → kgl. Reichsregiment und kgl. Partei unter den Ständen

1503 Wiederbelebung des Kurfürstenvereins als letzte Option, 1504 Tod Bertholds

1505 Reichstag Köln - Scheitern des kgl. Reichsregiments - Aufhebung des Augsburger Reichregiments

→ Problem: Gemeinsamkeit der Stände als Basis, fehlende Autorität des Kaisers, gegenseitige Behinderung von Erzkanzler und Kaiser → Prägung der Mainzer Rechtsposition durch maßgebliche Mitwirkung Bertholds an wichtigen verfassungspolitischen Errungenschaften: Ewiger Landfriede, Reichskammergericht, „Gemeiner Pfennig“, Reichsregiment → Kreisverfassung → Festigung der rechtlich-institutionellen Basis durch Reform der Reichsverfassung: Einfluss der kurfürstlichen Beratungen auf den Reichstag, Vermittlerrolle des Erzkanzlers


Literatur:

Henneberg, Berthold von Henneberg, Berthold von Henneberg, Berthold von

See also: Berthold von Henneberg, 1484, 1504, Adolf von Nassau, Innozenz VIII., Johann von Dalberg, Liste der Bischöfe von Mainz, Mainz