Bhikkhuni
Der buddhistische Nonnenorden ist zwar fast ebenso alt, wie der Mönchsorden, steht aber dennoch in dessen Schatten. Das Wort Bhikkhuni stammt aus dem Pali (Sanskrit: Bhikshuni), und ist die weibliche Form von Bhikkhu/Bhikshu). Der vorbereitende Stand der Novizin ist der der Samaneri. Der Nonnenorden, durch Buddha selbst begründet, stellt die 2. Säule des Sangha dar, bzw. einen Zweig der „Vierfachen Gemeinschaft“ von Mönchen, Nonnen, Laienanhängern und Laienanhängerinnen. Die Regeln für Bhikkunis nach dem Vinayapitaka weisen einige Besonderheiten auf.
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Besondere Regeln für Bhikkunis
Um zur Bhikkhuni ordiniert zu werden muss ein Lebensalter von 20 Jahren erreicht sein. Die Nonne, die die Ordination leitet (Pavattini), muss ihrerseits seit 12 Jahren Bhikkhuni sein. 5 weitere Nonnen müssen der Ordination beiwohnen, 5 Mönche müssen sie bestätigen. Während Mönche 227 Regeln nach dem Vinaya befolgen, gelten für Bikkhunis 311. Die etwas andere Kapitel Einteilung der Pattimokkha Regeln für Bikkhunis ist weitgehend dafür verantwortlich. Die 8 Garudharmas unterstellen den Nonnenorden unter den Mönchsorden, sodass eine Bhikkunki auch einen bedeutend jüngeren Bhikkhu ehrerbietig zu grüßen hat. Während männliche Ordensangehörige 3 Gewänder besitzen, sind es für die weiblichen deren 5. Während es für Männer 2 Ordinationen gibt, die Novizenordination als Samanera und die Vollordination (Upasampada) als Bhikkhu, gibt es für Frauen den Stand der Samaneri (ebenfalls mit 10 Verpflichtungen), dann eine zweijährige Übungsperiode als Sikkhamana (mit nur 6 Verpflichtungen) und ursprünglich bei Einhaltung aller Regeln die volle Ordination zur Bhikkuni. Die „6 Regel Nonnen“ der Neuzeit, wie die „Maeji“ in Thailand (kahl geschorener Kopf, weisse Gewänder, 5-8 Regeln), waren in einigen Ländern Asiens bekannt, aber kaum geachtet, da sie weder Gelegenheit für ein intensiveres Dhamma-Training noch für eine Vollordination hatten und manchmal auch als echte Bettlerinnen am Rand der Gesellschaft betrachtet wurden. Auch die ab 1903 als „DSM Nonnen“ in Sri Lanka auftretenden Samaneris (10 Regeln) hatten keine Aussicht auf Vollordination und waren somit weder Upasika (Laienanhängerinnen) noch Bhikkuni.
Theravada
Heute gibt es Bhikkhunis, also vollordinierte weibliche Ordensangehörige wieder in den meisten buddhistischen Traditionen. Während der Nonnenorden in der Mahayana-Tradition, insbesondere in der chinesischen und koreanischen seit seinen Anfängen im 5. Jahrhundert eine ununterbrochene Tradition aufweisen kann, ist er insbesondere in den Theravada-Ländern (Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha) nach wie vor ein ungewöhnliches Phänomen bzw. eine Quelle des Ärgers und der Ablehnung für konservative buddhistische Kreise. Tatsächlich war Sri Lanka das einzige Gebiet der Theravada Tradition, das einen Bhikkhuni Orden kannte, der dort mehr als 1000 Jahre Bestand hatte. Seit 1996 gilt der Bhikkhuni Sangha als wiederhergestellt. Ausgehend von Sri Lanka kann nun der Bhikkhuni Orden auch in anderen Theravadaländern, allen voran Thailand, Fuß fassen.
Mahayana
Auch in Ländern des Mahayana, namentlich Tibet, war es nie zur Ausprägung eines Ordens voll ordinierter Nonnen gekommen. Erst S.H. der 14. Dalai Lama setzte sich dafür sehr nachdrücklich ein, da insbesondere westliche Frauen, die in tibetischen Linien praktizierten, den Schritt zu einer vertieften Praxis als voll Ordinierte ebenso machen wollten, wie westlichen Männern dies ohne weiteres möglich war. Den unüberwindlich scheinenden Knoten, dass eine gültige Ordination von Frauen auch der Anwesenheit von Bhikkunis bedürfte – die es ja weder in Sri Lanka noch in Tibet und schon gar nicht in Amerika oder Europa gab – löste der Dalai Lama mit dem Hinweis auf die voll ordinierten Bhikkunis in Hong Kong und Taiwan.
Der Buddha zögerte
Die Geschichte der Gründung des buddhistischen Nonnenordens ist voll Dramatik. Als die verwitwete Fürstin Maha Pajapati (die Ziehmutter des Siddhattha Gotama), mit 500 Frauen in ihrem Gefolge an den Buddha herantritt, auch den Frauen den Zugang zum Ordensleben zu ermöglichen, damit sie ihr Leben ebenfalls dem Studium des Dhamma und der vollkommenen Befreiung widmen könnten, zögert der Buddha und lässt die Bitte nicht zu. Erst auf mehrmaliges Drängen seines Jüngers Ananda, der sich zum Fürsprecher der Frauen gemacht hatte, sagte der Buddha die Gründung zu. Tatsächlich ist die damit verbundene Anerkennung, dass Frauen ebenso wie Männer die vollkommene Befreiung, also das Ziel aller spirituellen Wege erreichen können, erstmalig in der Menscheitsgeschichte und dem im vedischen Indien stark ausgeprägten Patriarchalismus diametral und radikal entgegengesetzt. Es gibt die Vermutung, dass der Buddha nach bereits 2 radikalen Brüchen (Söhne ihren Familien entziehen, die Gesetze des Kastenwesens ignorieren) mit den tradierten Werten der zeitgenössischen Kultur diesen dritten, noch unakzeptableren Bruch erst nach einigem Bedenken riskieren wollte. Auch die Prüfung der Ernsthaftigkeit des Wunsches der Frauen wird für sein Zögern ins Treffen geführt.
Der Bhikkuni Orden floriert
Dass die Therigata, die ‚Lieder der Nonnen’ Eingang in den Pali-Kanon, die hochgeschätzten (nicht „heiligen“) Schriften des Buddhismus gefunden haben, wird als ein Indiz dafür genommen, wie akzeptiert der Bhikkhuni Orden in der Frühzeit des Buddhismus war. Auch die namentliche Wertschätzung von 13 Bhikkunis durch den Buddha, die Erwähnung von mehr als 500 erleuchteten Frauen im Tipitaka und zahlreiche andere Passagen im Sutta Pitaka, die über die herausragende Rolle von Nonnen bei der Verbreitung der Buddhalehre handeln, beleuchten die Stellung des Nonnenordens in der Frühzeit.
Der Bhikkhuni Sangha in Sri Lanka
Zwei Bhikkhunis der Frühzeit spielen eine herausragende Rolle für die weitere Ausbreitung des Nonnenordens. Zum einen ist dies Sanghamitta Theri, die Tochter des großen buddhistischen Kaisers Asoka, die im 3. Jahrhundert v.u.Z. mit einer Anzahl indischer Bhikkhunis nach Sri Lanka kam, um auch dort den Nonnenorden zu errichten. Zum anderen ist dies die srilankische Prinzessin Anula, die mit einer Anzahl von Frauen des königlichen Hofes zu den Mitbegründerinnen des Nonnenordens in Sri Lanka zählt. Im Jahr 434 wird eine Gruppe von 10 Bhikkhunis aus Sri Lanka unter der Leitung von Bhikkuni Davasara eingeladen, um den Nonnenorden in China zu begründen. 300 chinesische Frauen werden in Nanjing ordiniert. Von dort breitet sich der Orden alsbald nach Korea und Vietnam aus. Die kriegerischen Ereignisse um die Jahrtausendwende bringt auch in Sri Lanka die Auslöschung der beiden buddhistischen Orden um 1050. Während der Mönchsorden durch Bhikkhus aus Siam wiedererrichtet wurde, gelang dies für den Orden der Bhikkhunis erst gegen Ende des 20.Jahrhunderts.
Bhikkhunis im 21. Jahrhundert
Während der buddhistische Nonnenorden im 20. Jahrhundert fast auf Taiwan, Hongkong und Südkorea beschränkt war, wo er allerdings in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen bemerkenswerten Aufschwung erlebte (In Orden, wie Tzuchi und Foguangshan übersteigt die Anzahl der Nonnen, die der Mönche um ein Mehrfaches), kam es insbesondere unter dem Einfluss von westlich gebildeten Buddhistinnen und Buddhisten in Asien und von westlichen AnhängerInnen des Buddhismus zu einer beispiellosen Belebung des Bhikkhuni Ordens. Neben den Pionierinnen, der Thailänderin Voramai Kabilsingh, sowie deren Tochter, Dr. Chatsumarn Kabilsingh (Bhikkhuni Dhammananda), gehören zu den Wegbereiterinnen des Bhikkuni Sangha in aller Welt, unter vielen anderen die deutsche Nonne Ayya Khema, die amerikanische Nonne Pema Chödrön und die aus England stammende Tenzin Palmo. Mit der 1987 in Bodhgaya gegründeten Organisation ‚Sakyadhita’ („Töchter des Buddha“), haben sowohl Frauen, die den Ordensweg beschreiten wollen, als auch Frauen, die dem mittleren Weg im Alltag folgen möchten eine starke, weltweit hörbare Stimme erhalten. Die 8. Sakyadhita Konferenz in Seoul 2004 wurde von hunderten Frauen aus 30 Ländern besucht und hat dieses Netzwerk buddhistischer Frauen zu einer einmaligen Organisation in der buddhistischen Welt gemacht, nicht nur wegen der Wiederherstellung der gleichwertigen Rolle der Frauen im Buddhismus, sondern auch wegen ihres alle buddhistischen Traditionslinien transzendierenden kommunikativen Charakters.
Weblinks
- http://www.sakyadhita-europe.de/
- http://www.sakyadhita.org/
- http://www.buddhanet.net/e-learning/history/women.htm
- http://www.buddhanetz.org/engaged/engaged2.htm#frauen
- http://www.tenzinpalmo.com/
- http://www.buddhanet.net/mag_nuns.htm
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