Big Brother Awards

Die Big Brother Awards (BBA) werden jährlich in mehreren Ländern an Behörden, Firmen, Organisationen und Personen vergeben. Den ironisch gemeinten Preis erhalten sie dafür, in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Personen beeinträchtigt oder Dritten persönliche Daten zugänglich gemacht zu haben.

Die Preise sollen auf die Datenschutzproblematik aufmerksam machen und negative Entwicklungen aufzeigen. In Deutschland ist der Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V. (FoeBuD e.V.) Stifter und Ausrichter des "Negativpreis für Datenkraken". Ins Leben gerufen wurden die Big Brothers Awards 1998 von Privacy International.

Der Name dieser Auszeichnung stammt aus George Orwells Roman 1984, in dem alle Bürger vom Großen Bruder rund um die Uhr überwacht werden.

Die BBA wurden erstmals 1998 in Großbritannien verliehen, 1999 zum ersten Mal in Österreich und seit dem Jahr 2000 auch in Deutschland und in der Schweiz. 2003 gab es bereits in 14 verschiedenen Ländern BBA-Preisverleihungen.

Inhaltsverzeichnis

Die Gewinner des deutschen Big Brother Awards 2004

Kategorie Preisträger Begründung
Arbeitswelt Lidl Stiftung GmbH & Co. Umgang mit Mitarbeitern; in Tschechien Verbot von Toilettengängen außerhalb der Pausen, nur mit Stirnband gekennzeichnete, menstruierende Mitarbeiterinnen, ausgenommen
Behörden & Verwaltung Bundesagentur für Arbeit Hartz 4, 16-seitige Antragsformulare für ALG 2
Gesundheit & Soziales Ulla Schmidt GKV-Modernisierungsgesetz
Kommunikation Armex GmbH Track Your Kid, Standortüberwachung per Handy
Politik Brigitte Zypries Festhalten am Großen Lauschangriff als Mittel der Strafverfolgung
Regionalpreis Nikolaus Risch Überwachung von Hörsälen und Rechnerräumen mit Videokameras an der Universität Paderborn
Technik Canon Deutschland GmbH Einbetten einer unsichtbaren und einmaligen Geräte-Kennung in Farbkopien
Wirtschaft & Verbraucherschutz Tchibo direct GmbH Weitergabe von Kundendaten

Die Gewinner des österreichischen Big Brother Awards 2004

Kategorie Preisträger Begründung
Business und Finanzen Disco WON, Graz Installierung von Überwachungstechnologien in der Disko
Politik EU-Innen- und Justizminister von Schweden, Frankreich, Irland, England Richtlinien-Vorschlag zu "Data Retention"
Behördenden und Verwaltung Wiener Amtsärzte, stellvertretend für alle anderen Amtsärzte Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht
Kommunikation und Marketing Hutchison Austria ("3") Friendfinderfunktion (Geo-Dienst), Standortüberwachung per Handy
Lifetime Achievement (umbenannt in Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis für die nachhaltigste Annäherung an die Romanvorlage 1984) Elisabeth Gehrer Bildungsevidenz
People's Choice Linz Strom GmbH, Linz Die PR-Politik der Firma, im Zusammenhang mit festgestellten Funkstörungen, bei der von ihr verwendetet Technologie

Die Gewinner des deutschen Big Brother Awards 2003

Kategorie Preisträger Begründung
Arbeitswelt Deutsche Post-Shop-GmbH Arbeitsverträge mit Agentur-Nehmern
Behörden Regierung der USA Nötigung von Fluglinien auf Gewährung von Zugriff auf Buchungsdaten aller Passagiere
Kommunikation T-Online International AG Speichern von IP-Adressen von Flatrate-Kunden
Lifetime-Award GEZ Unermüdlicher Einsatz bei der Ermittlung von Schwarzsehern
Politik Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen Verschärfung ihrer Landespolizeigesetze
Regional Erhart Körting Fragwürdige Rechtfertigung der so genannten "stillen SMS" durch die Berliner Polizei
Verbraucherschutz Metro AG Projekt Future Store

siehe auch

Weblinks

See also: Big Brother Awards, 1984 (Roman), 1998, 1999, 2000, 2003, 2004, Bayern, Berlin, Bildungsevidenz