Bildungsgutschein
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Das klassische Gutscheinmodell von Milton Friedman
- Milton Friedman (geb. 1912) plädiert erstmals 1955 in einem Aufsatz für eine alternative Bildungsfinanzierung: er fordert bis heute die Einführung von Bildungsgutscheinen
- statt wie bisher kommt das Steuergeld nicht den Ausbildungsinstitutionen, sondern in Form von Gutscheinen direkt den Auszubildenden zu, die damit ihre Bildung kaufen können
- sie sind auf den Namen des Inhabers ausgestellt und nicht übertragbar
- der Inhaber löst den Bildungsgutschein an einer frei, gewählten staatlich akkreditierten Bildungseinrichtung ein
- alle Eltern erhalten einen staatlich fixierten Nennwert unabhängig vom elterlichen Einkommen
Intention
→ Subjektfinanzierung statt direkter Finanzierung von Institutionen
→ Eltern werden in die Lage versetzt, sich die Schule ihrer Wahl (öffentlich oder privat) auszusuchen („School Choice“)
→ Bildungsangebot gemäß den Konsumentenpräferenzen, es entsteht ein breiteres Bildungsangebot, das sich an den Wünschen der Nachfrager stärker orientiert
→ die Eltern haben direkten Einfluss auf Quantität und Qualität der Schulen
→ dadurch entsteht ein innovationsfördernder und effizienzsteigender Wettbewerb zwischen den einzelnen Schulen, auch zwischen den staatlichen und privaten Schulen
→ Schulen wären gezwungen, sich dem Wettbewerb zu stellen: die besten Schulen haben den größten Zulauf an Schülern und somit an Finanzressourcen
→ Verbesserung der gesamten Ausbildungsqualität→ nachfragegesteuertes Bildungsangebot
→ schlechte Schulen würden vom Markt verschwinden
→ gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Steuergelder und damit eine größere Verteilungsgerechtigkeit
Kritik an einer Marktorientierung des Bildungssystems
- bei einer Liberalisierung des Bildungsmonopols ergibt sich folgende Problematik:
a) Schulen versuchen, um ihm Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein, vor allem „leicht“ zu unterrichtende Schüler aufzunehmen; Schüler aus sozial benachteiligten Familien werden in „Restschulen“ aussortiert (v.a. Ausländer, Behinderte…) - der Schüler wird nur noch nach seiner ökonomischen Effizienz/ Brauchbarkeit bewertet
b) die Qualitätsschere öffnet sich weiter und dadurch werden Segregationseffekte statt abgebaut noch weiter verstärkt - d.h. gleichgesinnte Eltern können eine gemeinsame (Privat-)schule wählen und sich dadurch isolieren→ Homogenität der Klientel - das Schicksal der Hauptschule als Restschule würde zum Schicksal der staatlichen Schulen schlechthin
c) die rationale Entscheidungsfähigkeit der Nachfrager ist mangels Markttransparenz und sozialschichtabhängiger Informationsdefizite faktisch nicht gegeben - Eltern mit eigenem höherem Bildungsabschluss besitzen besseres Vermögen bei der Schulwahl
d) die Erfahrung zeigt, dass Eltern die Schule nicht nach dem pädagogischen Programm und der Leistung auswählen, sondern nach anderen Gesichtspunkten, z.B. nach Wohnort oder eben sozialem Milieu
e) auch Lehrer stehen nun unter Zugzwang: ihnen kann gekündigt werden→ der Unterricht orientiert sich an den besten Schülern; prüfungsorientierten Lernmethoden→ schwächere Schüler werden noch weniger gefördert
f) Schulen als gewinnorientierte Unternehmen→ Schulen suchen sich Sponsoren, die Lehrmittel, Gebäude, Lehrer usw. bezahlen (z.B. USA Edison Projekt→ Channel One strahlt täglich an ausgewählten Schulen Werbespots aus)
g) Problematik der Finanzierbarkeit→ flächendeckende Einführung von Bildungsgutscheinen nicht bezahlbar! → Mehrkosten durch : Transport der Schüler, Finanzierung der jetzigen Privatschüler, Aufbau eines Informationssystems, Administration und Evaluation des Gutscheinsystems
Empirische Verwendung von Bildungsgutscheinen
Der Bildungsgutschein ist seit dem 1. Januar 2003 ein Bestandteil des deutschen Systems von Umschulung und Weiterbildung.
Der Bildungsgutschein ist die schriftliche Zusage des Bundesagentur für Arbeit für die Kostenübernahme einer Teilnahme an einer Weiterbildung.
Ab Ausstellungsdatum des Bildugsgutscheins hat dieser eine Gültigkeit von maximal 3 Monaten. Er kann entweder sehr frei formuliert sein, sodass der Adressat des Bildungsgutscheins sich selbst eine geeignete Bildungsmaßnahme suchen kann, oder aber die geeigneten Bildungsträger können auch bereits schon vom Arbeitsvermittler vorgegeben sein.
Bei dem Bildugsgutschein handelt es sich um eine so genannte Kann-Leistung, d.h. der Arbeitsvermittler kann den Bildungsgutschein vergeben, muss aber nicht.
Weblinks
Kategorie:Berufsbildung
