Blechblasinstrument

Die Blechblasinstrumente gehören zur Gruppe der Aerophone, der Luftklinger. Sie werden zumeist aus Messing oder Neusilber hergestellt. Allerdings ist nicht jedes Blasinstrument, das aus Blech hergestellt wird, auch ein Blechblasinstrument im engeren Sinn. Definiert wird die Zugehörigkeit über die Art der Klangerzeugung. So gehören z.B. die Saxophone, obwohl aus Blech, zu den Holzblasinstrumenten, wogegen Alphörner, obwohl aus Holz, zu den Blechblasinstrumenten zu zählen sind.

Die Tonhöhe wird durch die Rohrlänge des Instruments sowie die Lippenspannung des Bläsers bestimmt, der tiefste spielbare Naturton (Ton der gespielt werden kann ohne dass ein Ventil oder der Zug betätigt wird) liegt meist eine Oktave über dem eigentlichen, sich aus der Rohrlänge ergebenden Grundton. Der höchste spielbare Ton ist letztendlich vom Ansatz des Bläsers abhängig, das Mundstück hat allerdings einen starken Einfluss darauf. Kleinere Mundstücke mit engerer Bohrung erlauben höhere Töne, auf Kosten der Klangfülle in den tieferen Lagen.

Um eine chromatische Spielweise zu ermöglichen, stattet man die Instrumente mit Grifflöchern und Klappen (Klappenhorn, Ophikleide) oder mit der Möglichkeit, die Rohrlänge durch einen Zug oder die Kombination verschiedener Ventile zu verändern aus. So kann man zum Beispiel beim einfachen dreiventiligen B-Horn ab einer Quinte über dem Grundton (Frequenz ≈ 68 Hz) eine durchgehende chromatische Tonleiter spielen. Heutzutage werden nur noch die meisten Posaunen mit einem Zug (teilweise ergänzt durch ein oder zwei Ventile) gespielt, ansonsten kommen ausschließlich Ventil- und Klappeninstrumente zum Einsatz.

Klassischerweise sind Blechblasinstrumente mit drei Ventilen oder Klappen ausgestattet:

Die Instrumente Tuba, Sousaphon, Bariton, Horn und Piccolotrompete sind in der Regel mit einem vierten Ventil ausgestattet, um eine Tonerniedrigung um fünf Halbtöne herbeiführen zu können ( fünf HT = eine Quarte ). Dieses Ventil wird Quartventil genannt. Sein Gebrauch ist wärmstens zu empfehlen, um die äusserst unsauber intonierenende Kombinationsgriffe 1+3 ( => 4 ) und 1+2+3 ( => 2+4 ) zu ersetzen. Zudem erweitert das Quartventil den Tonumfang nach unten hin um eine Quarte, womit annähernd der Grundton des Instruments erreicht werden kann.

Beim Horn gibt es oft noch ein viertes/fünftes Ventil, das sogenannte Stopfventil. Es vertieft das Instrument um fast einen Ganzton und gleicht damit den Frequenzunterschied, der beim Stopfen entsteht, wieder aus, sodass der Ton erklingt, der ohne Stopfen und Betätigen des Ventils ertönen würde.

Tuben haben teilweise noch ein fünftes, z.T. sogar sechstes Ventil. Diese entsprechen von der Funktion dem 1. bzw. 2. Ventil. Die Länge der Züge richtet sich hierbei nach dem den Grundton, der bei Betätigung des 4. Ventils entsteht. Dieses ermöglicht eine reinere Stimmung in den sehr tiefen Lagen.

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Prinzip der Tonerzeugung

Das Prinzip der Tonerzeugung von Blechblasinstrumenten unterscheidet sich grundsätzlich von allen anderen Instrumenten: jedes Musikinstrument besteht vereinfacht gesagt stets aus einem Schwingungserzeuger (Generator) und einem Schwingungsverstärker (Resonator). Die Besonderheit der Blechblasinstrumente liegt darin, dass die Schwingungserzeugung durch die Lippen des Spielers erfolgt und so gesehen der menschliche Körper Teil des Instruments wird.

Physik der Tonerzeugung

Physikalisch/akustisch gesehen basiert die Tonerzeugung in einer Trompete auf folgendem Prinzip: Das Rohr zwischen Mundstück und Trichter ist ein Hohlleiter, in welchem durch Reflexionen an beiden Enden eine stehende Welle entsteht. Die Frequenz ist von der Rohrlänge abhängig. Die verschiedenen Obertöne stellen sich ein, wenn beeinflusst durch die Mundstellung 2, 3, 4 oder mehr halbe Wellenlängen im Rohr Platz finden. Die Ventile verlängern durch weitere Windungen die Rohrlänge. Der Trichter ist einem Exponentialtrichter nur angeglichen, um die Schall-Energie in die Umgebung abzugeben, aber auch die für die Entstehung der stehenden Welle notwendigen Reflexionen noch zu ermöglichen.

Flachere Trichter, wie sie bei allen Bügelhörnern und den Tuben angewendet werden, führen dazu, dass relativ weniger Schallenergie abgegeben wird, d.h. der Trichter verstärkt die Schwingung weniger stark. Gleichzeitig wird mehr Energie reflektiert, um die Bildung der stehenden Welle zu unterstützen. Diese Instrumente sprechen deshalb besser an als die Trompete.

Steilere Trichter, verwendet für Trompete, Posaune und Waldhorn, verstärken zwar den Ton, d.h. geben mehr Schallenergie ab, verringern aber gleichzeitig die reflektierte Energie. Aus diesem Grund sprechen diese Instrumente weniger gut an, d.h. man muss mehr Energie aufwenden, um die stehende Welle beim Anblasen entstehen zu lassen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte der Effekt der variablen akustischen Rohrlänge. Die Form des Trichters bestimmt auch den Punkt in der Nähe des Trichters, an dem die Reflexion der stehenden Welle stattfindet. Steile Trichter bilden für die Luftsäule am Trichterbeginn eine scharfe Abrisskante, an welcher die Welle reflekiert wird Diese Kante lässt sich nur sehr geringfügig durch Ansatztechnik verschieben, da eine scharfe Kante den Reflexionspunkt sehr präzise festsetzt. Ein flacher Trichter stellt für den Luftstrom eine ungenauere Abrisskante dar. Der Reflexionspunkt kann mit Hilfe des Ansatzes verschoben werden, im Prinzip wird also die akustische (=klingende) Rohrlänge verändert.


Praktische Auswirkungen der Trichterform : Steile Trichter ergeben lautere Instrumente mit schärferem Klang ( mehr Oberwellen ), die mässig gut ansprechen, aber eine hohe Genauigkeit beim Treffen des Tones ermöglichen. Intonationskorrekturen sind aber nur in sehr begrenztem Umfang möglich ( erzwingt u.a. auch den Einsatz des Triggerzugs bei der Trompete ). Flachere Trichter sind bei leiseren Instrumenten mit dumpferem Klang im Einsatz. Diese Instrumente sprechen sehr leicht an ( z.B. Tenorhorn ), erfordern aber mehr Präzision bei der Tonbildung durch den Ansatz. Die Tonhöhe kann dafür aber gut variiert werden ( +/- 50 Cent sind für den Laienbläser zu errreichen ). Last, but not least, warum haben nur wenige Flügelhörner einen Triggerzug ?

Instrumente

Moderne Bauformen geordnet in aufsteigender Tonhöhe

Hersteller

Weblinks

See also: Blechblasinstrument, Aerophone, Akustik, Alphorn, Althorn, Ansatz (Blasinstrument), Baritonhorn, Blasinstrument, Bügelhorn, Chromatische Tonleiter