Bleiweiß
Bleiweiß Pb(OH)2•2 PbCO3 ist ein basisches Bleicarbonat, das lange Zeit das einzige weiße Pigment war. Da es giftig ist, ist seine Verwendung heute außer für Restaurierungszwecke verboten. Trotz seiner bekannten Giftigkeit wurde es noch lange Zeit verwendet, da es lange Zeit unter allen weißen Pigmenten die größte Deckkraft und den schönsten Glanz zeigte. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde Bleiweiß aufgrund seiner Giftigkeit zunehmend abgelöst, erst durch Zinkweiß und Barytweiß, heutzutage durch Titanweiß.
Bleiweiß wird hergestellt, in dem in der Wärme eine Pb(II)-Salzlösung mit CO32- umgesetzt wird. Technisch wurden dazu mehrere Verfahren benutzt, die im Meyers (erster Weblink) nachgelesen werden können. Beispielsweise werden Bleiplatten in einem Fass über Essig aufgehängt, die Essigdämpfe bilden das Bleisalz. Das Fass ist in Mist eingegraben, welcher durch seine Fäulnis Wärme und Kohlendioxid liefert.
Das Bleiweiß kam unter verschiedenen Bezeichnungen in den Handel, teilweise auch in unterschiedlichen Qualitäten. Die Qualitäten unterschieden sich hauptsächlich in der Zusammensetzung, beispielsweise wurde mit Barytweiß gestreckt. Namen für Bleiweiß sind: Kremser Weiß, Schieferweiß, Holländer Weiß, Venezianer Weiß, Hamburger Weiß, Perlweiß.
In der Antike und bis ins Mittelalter wurde Bleiweiß außerdem als Schminke gebraucht. Aber spätestens im 18. Jahrhundert war bekannt, dass diese Verwendung Gesundheitsprobleme (Zahnschmerzen, schlechter Atem) verursacht.
Aufgrund seiner Giftigkeit war Bleiweiß auch ein hervorragender Holzanstrich.
Unterschiede von altem und modernem Bleiweiß, Nachweis von Gemäldefälschungen
Während das Bleiweiß, das Maler der niederländischen Gemälde des 17. Jahrhunderts (beispielsweise Johannes Vermeer) gebrauchten, aus Blei-Lagerstätten im europäischen Mittelgebirge gewonnen wurde, kam das Bleiweiß, das in süddeutschen Gemälden des 17. Jahrhunderts eingesetzt wurde, aus Blei-Lagerstätten in den europäischen Alpen. Seit dem 19. Jahrhundert werden Bleierze aus Amerika und Australien eingeführt. Das moderne Bleiweiß unterscheidet sich deshalb vom alten Bleiweiß, und zwar erstens im Gehalt von Spurenelementen, zweitens in der Isotopenzusammensetzung des Bleis.
Niederländisches Bleiweiß zeichnete sich durch hohe Silber- und Antimongehalte aus (siehe R. Strauß), während modernes Bleiweiß, das der Vermer-Fälscher Han van Meegeren verwendete, weder Silber noch Kupfer enthält, da diese Elemente bei der Verhüttung von modernem Blei abgetrennt werden (siehe Fälschung und Forschung p. 195-196).
Moderne Fälschungen, zu denen modernes Blei oder moderne Bleiverbindungen wie die Bleipigmente verwendet wurden, können mit Hilfe der Blei-210-Methode erkannt werden (siehe B. Keisch: Discriminating...). Das Blei-210 ist ein Blei-Isotop der Uran-238-Zerfallsreihe, in der es aus Radium-226 entsteht und mit einer Halbwertszeit von 22 Jahren weiter zerfällt. Diese kurze Halbwertszeit kann man zur Erkennung von Fälschungen aus jüngster Zeit verwenden (siehe Fälschung und Forschung p.191).
Die Werte des Bildes Christus und die Jünger in Emmaus des Vermeer-Fälschers Han van Meegeren (Polonium-210: 8.5 +- 1.4, Radium-226: 0.8 +- 0.3) entsprechen nicht den Werten, die in den Gemälden der Niederländer der Jahre 1600/1660 (Polonium-210: 0.23 +- 0.27, Radium-226: 0.40 +- 0.47) vorkommen (siehe B. Keisch: Dating...).
Literatur
- Ausstellungskatalog Essen und Berlin: Fälschung und Forschung, p.191, p.195f. Hrsg.: Museum Folkwang, Essen, und Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1976. ISBN 3-7759-0201-5.
- Keisch, B., Feller, R. L., Levine, A. S., and Edwards, R. R.: Dating and Authenticating Works of Art by Measurement of Natural Alpha Emitters. In: Science, 155, No. 3767, p. 1238-1242, 1967.
- Keisch, B: Dating Works of Art Trough their Natural Radioactivity: Improvements and Applications. In: Science, 160, p. 413-415, 1968.
- Keisch, B: Discriminating Radioactivity Measurements of Lead: New Tool for Authentication. In: Curator, 11, No. 1., p. 41-52, 1968.
- Strauß, R.: Aktivierungsanalytische Untersuchungen von Pigmenten aus Gemälden süddeutscher Maler des 17. und 18. Jahrhunderts. Dissertation, Technische Hochschule München, 1968, 62 Seiten.
Weblinks
- Bleiweiß-Herstellung, in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl., 1885-90, Bd. 3, S. 25f
- Bleiweiß: jüngere Geschichte und Anwendung
- Bleiweiß: frühe Geschichte, Herstellung und Anwendung
- Internationale Arbeitsorganisation: Übereinkommen über die Verwendung von Bleiweiß zum Anstrich von 1921
Kategorie:Chemische Verbindung
Kategorie:Gift
Kategorie:Fälschung
Kategorie:Malerei
