BMP-1
Der BMP 1 ist ein amphibischer Schützenpanzer aus sowjetischer Produktion.
Die Abkürzung steht für "Bojevaja Maschina Pechoty 1" (Kampfmaschine der Infanterie 1).
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Geschichte
Der BMP 1 wurde zu Beginn der 1960er Jahre entwickelt und 1967 offiziell in der Roten Armee in Dienst gestellt. Damals handelte es sich dabei um ein revolutionär neues Konzept. Zuvor hatten Schützenpanzer lediglich dazu gedient, Infanteristen unter Schutz vor gegnerischem Feuer in ihre Kampfposition zu bringen und mit ihren gering dimensionierten Bordwaffen zusätzliche Feuerkraft zu bieten. Der BMP 1 ermöglichte als erster Schützenpanzer den aufgesessenen Kampf: Die Insassen konnten ihre persönlichen Waffen während der Fahrt vom Fahrzeug aus abfeuern. Zudem war er kleiner und wendiger als vergleichbare westliche Waffensysteme seiner Zeit. Er verfügte über eine bis dahin für Schützenpanzer unerreichte Fähigkeit zum Kampf gegen andere gepanzerte Fahrzeuge.
Technische Daten
Das Fahrzeug ist rund 7 Meter lang, 2,70 Meter breit, 2,10 Meter hoch und hatte eine Gefechtsmasse von 13 Tonnen. Es verfügt über eine 73 mm-Glattrohrkanone im Turm, die 24 hochexplosive panzerbrechende Hohlladungsgranaten (mit Nachbeschleunigung und Flügelstabilisierung)(HEAT) und 16 Splitter-Geschosse (ohne Nachbeschleunigung) laden kann, die gleiche Munition, die auch von SPG-9-rückstossfreien Geschützen verschossen wird. Die Granaten werden, nach Vorauswahl, durch eine automatische Ladevorrichtung geladen. Die Feuerfrequenz beträgt 10 Geschosse pro Minute. Die effektive Reichweite beträgt 800, die maximale Reichweite 1300 Meter. Zudem ist eine Vorrichtung zum Abschuß für die AT-3 "Sagger"-Panzerabwehrrakete oberhalb der Kanone montiert. Vier weitere Geschosse AT-3 werden in speziellen Halterungen im Turm mitgeführt. Koaxial zur Kanone ist ein schweres, 7,62 mm-Maschinengewehr angeordnet.
Die Höchstgeschwindigkeit des BMP 1 beträgt 70 km/h auf der Straße, 45 km/h im Gelände und 8 km/h schwimmend. Die Reichweite liegt bei maximal 600 Kilometern. Das Fahrzeug kann Gräben bis zu einer Breite von 2,50 m und Geländestufen von bis zu 80 cm Höhe überwinden.
Der BMP 1 ist amphibisch einsetzbar und flach gebaut, um wenig Zielfläche zu bieten. Die Besatzung besteht aus drei Mann:
- Kommandant (sitz vorn links hinter dem Fahrer, neben dem Triebwerksraum, Höhe Motor - ist zugleich Gruppenführer der aufgesessenen Infanterie)
- Fahrer (sitzt vorn links neben dem Triebwerksraum, Höhe Getriebe)
- Richt-Lenkschütze (befindet sich im Turm)
Im Mannschaftsraum können acht Soldaten der Infanterie aufsitzen. Fahrer, Kommandant und Richt-Lenkschütze verfügen über jeweils eine eigene Luke. Vier weitere Luken befinden sich auf dem Dach des Fahrzeugs (die s.g. Paradeluken) und zwei große Hecktüren, die gleichzeitig als Kraftstofftanks verwendet werden, dienen zum Ein- und Aussteigen der aufgesessenen Infanterie. Auf jeder Seite des Infanterie-Laderaums befinden sich vier Klappen, in die die Waffen der Infanteristen verankert und aus dem geschlossenen Fahrzeug abgefeuert werden können.
Das Fahrzeug ist mit Infrarotscheinwerfer, Periskop und einem Nebelwerfer ausgestattet, der durch die Einspritzung von Diesel in den Auspuff funktioniert.
Sein Abdichtungssystem macht das Fahrzeug auch auf dem ABC-Schlachtfeld einsatzfähig.
Zahlreiche Varianten des BMP 1 wurden gebaut, unter anderem in Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien. Es gibt Führungs-, Fernmelde-, Pionier- und Aufklärungs-Versionen des Waffensystems, sowie zahlreiche modernisierte Varianten, unter anderem den BMP 2.
Vorzüge
- Extrem hohe Wendigkeit durch ein sehr gutes Masse-Leistungverhältnis. Der schnellaufende 6-Zylinder-Dieselmotor mit einem V-Winkel von 120 Grad, einer rollengelagerten Kurbelwelle und einem gleichmäßigen Hub der linken und rechten Zylinderbank läuft durch eine Ausgleichswelle unterhalb der Kurbelwelle sehr ruhig.
- Eine niedrige Silhouette erschwerte die Bekämpfung des Fahrzeuges mit anderen Waffensystemen.
- Die geringe Gefechtsmasse wurde durch den konsequenten Leichtbau in vielen Bereichen des Fahrzeuges und der hohe Anteil von Aluminium ermöglicht. Das wiederum erlaubte es dem Fahrzeug, ohne Zusatzausrüstung, Wasserhindernisse schwimmend zu überwinden.
Kompromisse
- Durch den fehlenden ballistischen Rechner mußte die Kanone nach dem Laden mit dem Ladeautomat erneut manuell auf das Ziel gerichtet werden, die diese für den Ladevorgang in einen bestimmten Ladewinkel einnahm. Der Ladevorgang an sich ging sehr schnell über ein Hebelsystem von statten.
Schwachstellen
- Größte Schwachstelle des BMP 1 ist seine geringe Panzerung, welche aber wegen der Gewichtsersparnis Voraussetzung für die hohe Wendigkeit ist. Die Wandstärke der Hülle beträgt 19 mm, die des Turmes 23 mm.
- Die schlecht geschützten Tanks in den Türen des Fahrzeughecks führten bei entsprechenden Treffern im Regelfall zum Komplettverlust von Fahrzeug und Insassen.
- Die Kanone lässt sich nur eingeschränkt vertikal schwenken.
- Seine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h kann der Panzer nur kurze Zeit aufrecht erhalten, da der Motor unter Volllast schnell ausfällt.
- Die Sagger-Abschussvorrichtung kann nur bei Stillstand des Fahrzeugs abgefeuert und unter ABC-Bedingungen nicht nachgeladen werden.
- Das Fahrzeug bietet sehr wenig Innenraum, was zu schneller Ermüdung der Besatzung führt. Insgesamt spielt die Ergonomie wie bei allen russischen Panzern praktisch keine Rolle.
- Die 73-mm-Waffe, die nachbeschleunigte Geschosse mit niedriger Mündungsgeschwindigkeit verfeuert, hat sich als wenig wirkungsvoll erwiesen. Deshalb wurde die zweite Ausführung des BMP mit einer 30-mm-Maschinenkanone ausgerüstet.
