Boeing 787
Die Boeing 787 ist (Anfang 2005) ein in der Entwicklung befindliches Großraumflugzeug des US-Herstellers Boeing. Im Zuge einer Marketingkampagne bekam es den Beinamen Dreamliner (Traumschiff).
| Inhaltsverzeichnis |
Vorgeschichte
Boeing hatte mit der 777 zuletzt Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ein neues Flugzeug auf den Markt gebracht.
Seit Ende der 90er verfolgte Boeing unterschiedliche Strategien, um auf die Herausforderung durch Airbus und dessen Entwicklung des weltgrößten Passagierflugzeuges A380 zu reagieren: Zunächst wollte Boeing, die mit der jahrzehntealten 747 das derzeit noch größte Passagierflugzeug herstellt, durch eine extragroße Variante des "Jumbo-Jet" 747-X dem A380 direkt Konkurrenz machen. Dieser Plan wurde bald aufgegeben und durch die Ankündigung ersetzt, ein fast schallschnelles Großflugzeug "Sonic Cruiser" zu entwickeln.
Durch die Krise im Luftverkehr in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 war aber keine Fluggesellschaft mehr bereit, den zwar schnellen, aber relativ unökonomischen Sonic Cruiser zu bestellen. Aufgrund dieser Reaktionen machte sich Boeing daran, aus dem zunächst nur als Referenz gedachten Entwurf eines "Super Efficient Airplane" ein neues Flugzeug zu machen - eben die Boeing 787. (Zunächst firmierte das Flugzeug als "7E7", mit einem "E" für "efficient"; erst nach dem Programmstart wurde es offiziell im 787 umbenannt, um besser ins Ziffernschema der Firma zu passen und eine im asiatischen Raum Glück verheißende "8" im Namen zu haben.)
Die Entscheidung zum Bau der 787 fällte das Boeing-Management im Dezember 2003, womit im Vorfeld bereits gerechnet worden war: Allgemein herrschte die Auffassung vor, dass Boeing es sich nicht leisten könne, zum dritten Mal in Folge ein angekündigtes Modell nicht zu bauen.
Boeing will sich nach eigenen Angaben von der Strategie der Großflugzeuge wie der Weiterentwicklung der 747 (und dem neuen Airbus A380) abwenden, da die Zukunft eher in mittelgroßen Modellen liege, mit denen auch von weniger großen Flughäfen abseits der Luftfahrt-Drehkreuze nonstop und effizient Lang- und Mittelstrecken geflogen werden können.
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Programmstart
Der offizielle Programmstart der Boeing 787 Dreamliner erfolgte am 26. April 2004, nachdem All Nippon Airways (ANA) als Launch-Customer fünfzig Maschinen zur Auslieferung 2008 fest bestellte.
Technische Daten
787-3 (Mittelstreckenversion)
- Reichweite: 3.500 nm / 6.500 km
- Länge: 56 m
- Spannweite: 50-52 m
- Rumpfdurchmesser: 5,74 m
- Sitzplätze: 296 (in typischer zwei-Klassen-Konfiguration)
- Maximale Startmasse: nicht veröffentlicht
- Erste Kundenauslieferung: 2010
787-8
- Reichweite: 8.500nm / 15.700 km
- Länge: 56 m
- Spannweite: 60 m
- Rumpfdurchmesser: 5,74 m
- Sitzplätze: 223 (in typischer drei-Klassen-Konfiguration)
- Maximale Startmasse: 218.000 kg
- Erste Kundenauslieferung: 2008
787-9
- Reichweite: 8.300 nm / 15.400 km
- Länge: 62 m
- Spannweite: 60 m
- Rumpfdurchmesser: 5,74 m
- Sitzplätze: 259 (in typischer drei-Klassen-Konfiguration)
- Maximale Startmasse: 227.000 kg
- Erste Kundenauslieferung: 2012
Aufträge und Optionen
Stand 20. Juni 2005
| Airline | Bestellungen | Optionen |
| 20px| All Nippon Airways | 50 | 50 |
| Bild nicht gefunden Air New Zealand | 2 | 16 |
| 20px| Blue Panorama | 4 | 0 |
| 20px| Continental Airlines | 10 | 0 |
| 20px| Ethiopian Airlines | 10 | 0 |
| 20px| First Choice Airways | 6 | 0 |
| 20px| Primaris Airlines | 20 | 15 |
| 20px| Japan Airlines | 30 | 20 |
| Bild nicht gefunden Vietnam Airlines | 4 | 0 |
| 20px| Air China | 60 | 0 |
| 20px| China Eastern Airlines | ||
| 20px| China Southern Airlines | ||
| 20px| Hainan Airlines | ||
| 20px| Shanghai Airlines | ||
| 20px| Xiamen Airlines | ||
| 20px| Korean Airlines | 10 | 10 |
| 20px| Icelandair | 2 | 5 |
| 20px| Air India | 27 | 0 |
| 20px| Northwest Airlines | 18 | 50 |
| TOTAL | 253 | 166 |
Es liegen nun 253 Bestellungen sowie 166 Optionen vor. Das ist ein Jahr nach Programmstart das beste Verkaufsergebnis eines Wide-Body Airliners überhaupt.
Die 787 soll ein besonders effizientes, mit 200-300 Sitzplätzen mittelgroßes Langstrecken-Großraumflugzeug werden. Der Kerosinverbrauch soll durch neuentwickelte Triebwerke und verringertes Gewicht niedriger sein als bei vergleichbaren jetzigen Modellen. Zudem sollen die neuartigen Triebwerke weniger Lärm verursachen. Boeing will mit dieser Maschine gerade in bezug auf den Umweltschutz punkten, da die Boeing 787 bis zu 60 Prozent leiser sein soll, als vergleichbar große Flugzeuge. Die Gewichtsersparnis um 20 Prozent wird durch Innovationen im Leichtbau - die Verwendung von Verbundwerkstoffen anstelle von Metall - erzielt; dementsprechend sind die Kohlendioxid-Emissionen geringer.
Die Fenster sollen mit 48x28 Zentimetern größer sein, als in jedem anderen Jet. Von jedem Platz aus soll man einen Blick auf den Horizont werfen können. Die Fenster lassen sich dabei individuell elektronisch abdunkeln. Für die Kabinen-Beleuchtung werden Leuchtdioden verwendet - diese lassen sich nicht nur stufenlos in ihrer Helligkeit regeln, sondern es können sogar Farbvariationen vorgenommen werden; selbst Tagesabläufe sowie ein Nachthimmel mit Sternen ließen sich in dem Jet damit simulieren. Die Beleuchtungstechnik wird von der deutschen Firma Diehl geliefert.
Sensoren und intelligente Elektronik sollen den Flug des Jets bei Turbulenzen ruhiger machen, weil in jedem Moment automatisch gegengesteuert wird; Boeing geht davon aus, daß sich dadurch das Risiko für Reisekrankheiten dadurch erheblich reduzieren läßt.
Zwei Triebwerks-Typen sind vorgesehen:
- General Electric GENX (GE Next Generation) 72A1 und das
- Rolls Royce Trent 1000.
Die Reichweite der bislang geplanten Versionen 787-3, 787-8 und 787-9 liegt zwischen 6.500 und 16.000 Kilometern, das geplante Einsatzspektrum sind vor allem viele Nonstopverbindungen auch zwischen Städten, die nicht als Mega-Metropole gelten. Die geplante Reisegeschwindigkeit ist Mach 0.85, was im oberen Bereich der heutigen Langstreckenflugzeuge liegt. Dennoch soll der Treibstoffverbrauch unter dem üblichen liegen.
Der Kabinendruck in der Boeing 787 wird in einer Höhe von 1830 Meter über dem Meer entsprechen (600 Meter weniger als in herkömmlichen Flugzeugen). Passagiere sollen dies angenehmer empfinden, da Höhenluft manchmal mit Unwohlsein und Kopfschmerzen verbunden wird. Ebenfalls soll die Luftfeuchtigkeit im Dreamliner 15 Prozent betragen, um dem Austrocknen von Mund und Nase des Passagiers zu begegnen (bisherige Luftfeuchtigkeit in Flugzeugen max. fünf Prozent).
Der geplante Produktionsbeginn der 787-Modelle ist Anfang 2006, der erste Flug im Jahre 2007. Die ersten Auslieferungen erwartet man für das Jahr 2008. Diese Planungszeiten sind eher knapp bemessen, damit Boeing im Sektor der 250-Sitzer nicht weitere Marktanteile an Airbus verliert.
Die Schallabstrahlung der Triebwerke soll durch ein neues Triebwerkdesign mit einer zickzackförmigen Öffnung ("chevron") ermöglicht werden. Nach Boeing-Angaben verändert sich die Geometrie der Zacken automatisch mit der Betriebstemperatur. So ermöglicht während der Start- und Landephase die Form der Zacken eine kleinstmögliche Lärmentwicklung; der Kerosinverbrauch ist jedoch dann nicht optimal. In der Reiseflughöhe wird hingegen der Treibstoffverbrauch und nicht die Schallabstrahlung optimiert. So erreiche die Boeing 787 einen Treibstoffverbrauch von 2,4 Liter je 100 Kilometer und Passagier, wobei unterstellt wird, daß 70 Prozent der Plätze besetzt sind (zum Vergleich: Züge verbrauchen bei einer Auslastung von 50 Prozent umgerechnet 3,8 bis 2,2 Liter je 100 Kilometer und Passagier).
Siehe auch
- Krise bei Boeing, Flugzeugbauer
- Flugzeugrumpf, Flugzeugtriebwerk, Flugzeugtyp
- Benzinverbrauch, Energiesparen/Luftwiderstand
