Bokutō
thumb|100px|Bokutō aus japanischer Roteiche (ohne Tsuba)
Das Boku-tō (木刀) ist ein japanisches Holzschwert, welches in den japanischen Kampfkünsten verwendet wird. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern Boku (Holz) und Tō (Schwert).
Das Bokutō ist dem Nihon-tō [Nihon (Japan; japanisch) und Tō (Schwert)], dem traditionellen japanischen Schwert mit seiner gebogenen Klinge nachempfunden. Nihon-tō ist der Begriff für alle japanischen Schwerttypen mit gekrümmter Klingenform. Im Westen ist das japanische Schwert fälschlicherweise mehr unter dem Begriff Katana (刀) bekannt. Bei dem Katana handelt es sich um den allgemein generischen Begriff für alle Schwerttypen (sowohl gerade als auch gebogene). Der Begriff Ken faßt dagegen alle geraden Schwerter (einschneidige und auch zweischneidige) zusammen.
Im Westen hat sich fälschlicherweise der Begriff Bokken (木剣) für das japanische Holzschwert eingebürgert, der in Japan praktisch keine Verwendung findet. Das Bokken ist lediglich ein schwerer Holzstab, welches als Schwertersatz verwendet wird.
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Material
Als Material werden traditionell japanische Harthölzer verwendet, hauptsächlich japanische Rot- und Weißeiche, da das Bokutō während des Trainings hohen Druck aushalten muß. Mittlerweile finden jedoch auch nicht japanische Hartholzarten Verwendung, welche billiger in der Anschaffung sind (besonders beliebt taiwanesische / chinesische Roteiche). Es sind auch (sehr teure) Bokutō aus Edelhölzern wie japanischer Sunuke oder Ebenholz erhältlich.
Die meisten Bokutō werden hinterher mit einer Schicht Klarlack überzogen, um spätere Verformungen und Fäulnis durch zu feuchte Lagerung zu verhindern. Bei billigen Bokutō aus Roteiche findet oft roter Lack Verwendung, um reparierte Fehlerstellen zu kaschieren. Viele Anwender schwören aber auf unlackiertes Holz, das mit Öl behandelt wird, vor allem da verschwitzte Hände auf einer lackierten Tsuka (Griff) nur schlecht Halt finden. Auch können durch die geringe Reibung Blasen auf den Handflächen entstehen.
Im Einzelhandel kostet ein großes Bokutō je nach Holzgattung zwischen 20 und 50 Euro. Es können jedoch bei minderwertig oder besonders gut verarbeiteten Exemplaren Preise unter oder über dieser Orientierung auftreten. Ein kurzes Bokutō kostet in der Regel etwas weniger als die lange Version der gleichen Holzart und Verarbeitung, jedoch tritt vor allem bei Importen und exklusiven Angeboten auf Grund einer weitaus aufwendigeren Herstellung oft der umgekehrte Fall auf.
Formen
Das übliche Bokutō gibt es in zwei verschiedenen Größen, das längere Bokutachi (木太刀) von ca. 104 cm Länge, welches ein Katana darstellt, und ein kürzeres Bokukodachi (木小太刀) von ca. 57 cm, in der Länge eines Wakizashi (脇差し). Auch die Krümmung der Klinge, der kantige Klingenrücken, die ovale Tsuka (攫) und die Ausarbeitung der Kissaki (Klingenspitze, 切っ先) imitieren bewusst Merkmale echter japanischer Klingen. In älteren Schwertkampf-Dojos, die zusätzlich noch die Handhabung des Tanto lehren, und im Aikido findet noch eine kürzere Form Verwendung, die etwa 30 cm misst.
Die Bokutō werden üblicherweise mit einer Tsuba (鍔) aus robustem Kunststoff geliefert, die mit einem Gummiring befestigt wird. Hochwertige Tsuba können auch aus hartem Leder oder Holz bestehen. Die Tsuka ist, anders als beim Shinai, nicht rund, sondern oval ausgearbeitet. Diese Form ermöglicht es dem Trainierenden, die Lage der Klinge wie bei einem echten Katana während der Übung zu fühlen.
Neben dem in Europa bekannten Bokutō gibt es verschiedene Sonderformen:
- Es gibt Bokutō mit sogenannter "Blutrinne" (Hi) auf beiden Seiten, die den eingeschnittenen Rinnen vieler Katana-Klingen entsprechen. Diese Form ist zwar weniger robust und erheblich leichter, hat aber den Vorteil, dass das Bokutō beim korrekten Schwingen ein zischendes Geräusch macht; bei Solo-Schnittübung kann man deshalb am Klang erkennen, ob man das Bokutō gerade oder verkantet führt.
- Zum Üben des Iaido gibt es Bokutō mit einer Saya (鞘) aus Kunststoff, mit der der Iaidōka die korrekte Form des Schwertziehens und -zurückführens üben kann.
- Das Iwama-ryu-Aikido benutzt relativ schwere Bokutō mit größerem Durchmesser und ohne Spitze.
- Viele japanische Schwertkampfschulen (Kenjutsu-ryu) haben ihre eigene spezielle Bokutōform entwickelt, so z.B. das Kashima Shin-Ryu und das Itto-Ryu.
Verwendung
Das Bokutō wird in den Trainingseinheiten verschiedener japanischer Kampfkünsten anstelle eines Katanas beziehungsweise Wakizashis verwandt. Zu diesen gehören Aikido, Jodo und Kenjutsu sowie Iaido (anstelle eines Iai-to).
Weiterhin wird das Bokutō zur Vorführung der Kata im Kendo eingesetzt; die ersten sieben Kata sind für das lange Bokudachi, die weiteren drei Kata werden mit dem kurzen Bokukodachi ausgeführt.
Das Bokutō wird auch, hauptsächlich außerhalb Japans, als eigenständige Waffengattung betrachtet, da es neue Waza bietet wie beispielsweise Block- und Würgetechniken, die mit einem Katana aufgrund der scharfen Klinge nicht möglich sind.
Bei Freikämpfen oder Übungen, die für Shinai gedacht sind, zieht sich ein Bokutō allerdings sehr schnell Risse und Scharten zu. Da es für den Übungspartner spätestens bei Splitterbildung an der Klinge zu gefährlich wird, sollten für derartige Aktivitäten verwendete Bokutō regelmäßig ausgewechselt werden. Benutzt man das Bokutō nur für die Kendo-Kata, hält es bedeutend länger als ein Shinai.
Es gibt Bokutō mit und ohne Kissaki. Die Variante ohne Kissaki wird hauptsächlich zum Üben von Stichtechniken genutzt. Bei einem solchen Training könnte man dem Partner mit einem gewöhnlichen Bokutō schwere Verletzungen zufügen.
Auch können mit etwas Druck ausgeführte Kendo-Waza beim Kontakt mit ungeschützten Körperstellen leicht Knochen zersplittern lassen. Somit ist das Bokutō nicht nur Trainingsgerät, sondern kann auch eine tödliche Waffe sein. Im Rechtlichen Sinne gilt es jedoch ähnlich wie der Baseballschläger als Sportgerät und darf auch von Minderjährigen besessen/mitgeführt und an diese weitergegeben werden.
Literatur
- Axel Schultz-Gora: Bokken. Weinmann Verlag, Oktober 2000, ISBN 3878920695
- Dave Lowry: Bokken: Art of the Japanese Sword. (englisch)
