Bordeaux (Wein)
| Daten | |
|---|---|
| Weinbaugebiet: | Bordeaux |
| Land: | Frankreich |
| Weinanbau seit: | ca. 3. Jh. (römische Zeit - nicht belegt) |
| Fläche: | > 120.700 Hektar im Jahr 2002 |
| Weinproduktion: | ca. 4 Mio Hektoliter (2000) |
| Anteil Qualitätswein: | > 75% |
| Karte | |
| none|380px|Karte - Weinanbaugebiet Bordeaux | |
Das Weinbaugebiet Bordeaux heißt auf Französisch Bordelais und ist das größte zusammenhängende Anbaugebiet der Welt. Es gibt etwa 4000 Weingüter, die die weltberühmten Weine herstellen. Typisch sind die trockenen Rotweine, die im Médoc fruchtiger und in St. Emilion und Pomerol sanfter und voller ausfallen. Im Médoc und Graves wird bevorzugt die Cabernet-Traube angebaut, in SSaint-Emilion und Pomerol hingegen die Merlot-Traube. Weißweine sind mit Ausnahme der edelsüßen Sauternes und Barsac weniger bekannt.
| Inhaltsverzeichnis |
Geografische Lage und Klima
Das Bordelais liegt im Südwesten Frankreichs im Département Gironde, im Mündungsgebiet der Flüsse Garonne und Dordogne genau auf dem 45. nördlichen Breitengrad. Der nahe Atlantik sorgt für ein mildes, ausgeglichenes Klima ohne extreme Temperaturschwankungen. Die unterschiedlichen Standorte (Hanglage und Geländebeschaffenheit) allerdings schaffen viele Bereiche mit eigenem Mikroklima. In der Regel frostfreie Winter, feuchte Frühjahrsmonate und sonnige Sommer von Juli bis Oktober sorgen für hohe Qualität und gute Ernteerträge. Die mittlere Sonnenscheindauer pro Jahr beträgt ca. 2000 Stunden, bei einer Niederschlagsmenge von ca. 900 mm pro Jahr.
Geologische Besonderheiten
Die Reben werden hauptsächlich in den Bereich eiszeitlicher Ablagerungen aus Sand und Kies gepflanzt. Hier können die Niederschläge am besten versickern, und der Boden bleibt trockener. Die tieferen Böden in unmittelbarer Lage der Flüsse (Palus) sind dagegen für den Qualitätsweinbau ungeeignet. In den höheren Lagen östlich der Garonne wachsen Spitzenweine auch auf Kalkplateaus, deren Boden an den Hängen zuweilen auch mit Lehm vermischt ist.
Gebietseinteilung (Unterregionen, Lagen, Appellationen)
In Bordeaux gibt es 57 AOC-Appellationen (Appellation d'Origine Contrôlée ist ein Schutzsiegel für die kontrollierte Herkunft), darunter:
- Bordeaux und Bordeaux Supérieur für das gesamte Département Gironde
- die subregionalen Appellationen Médoc für das gesamte Médoc, Haut-Médoc für den höher gelegenen südlichen Teil sowie Graves für den Bereich südlich von Garonne und Bordeaux
- die Gemeindeappellationen Margaux, Moulis-en-Médoc, Listrac-Médoc, Saint-Julien, Pauillac, Saint-Estèphe im Médoc
- die kommunale Appellation Pessac-Léognan unmittelbar südlich von Bordeaux
- die kommunalen Appellationen Saint-Emilion (Saint-Emilion und Saint-Emilion Grand Cru) und Pomerol (mit dem teuersten Bordeauxwein Château Pètrus)
- die sogenannten "Satelliten" Montagne-Saint-Emilion, Lussac-Saint-Emilion, Puisseguin-Saint-Emilion, Saint-Georges-Saint-Emilion, Lalande-de-Pomerol, Fronsac und Canon-Fronsac
- Côtes de Bordeaux: Côtes-de-Bourg, Côtes-de-Blaye, Premières Côtes-de-Bordeaux, Côtes-de-Castillon und Côtes-de-Francs
- Entre-Deux-Mers (trockener Weißweine)
- Sauternes, Barsac, Loupiac und Cérons für edelsüße Weißweine
Typische Rebsorten
Der berühmte Rotwein von Bordeaux wird vorwiegend aus fünf Rebsorten gewonnen: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, daneben auch Petit Verdot und Malbec. Der trockene Weißwein wird vorwiegend aus Sauvignon Blanc gekeltert. In den edelsüßen Weinen spielen auch Sémillon und Muscadelle eine Rolle.
Typisch für Bordeaux-Weine ist die Assemblage bzw. das Fertigen der Cuvée, also der kunstvolle Verschnitt mehrerer einzeln vinifizierter Lagen und Rebsorten, der den spezifischen Charakter der Appellation und eines Châteaus hervorbringen soll. In aller Regel sind es mindestens zwei Rebsorten mit variierender Zusammensetzung je nach Witterungsverlauf eines Jahres, oft auch drei bis fünf, die in einen Wein eingehen.
Châteaux und Crus
Neben der Appellation ist vor allem das Château entscheidend (siehe: Klassifikation der Bordeaux-Weine). Die Qualitätshierarchie wird mit den so genannten Crus (= Gewächs) angezeigt:
Für das Gebiet Médoc bzw. Haut-Médoc gilt hierbei: Die Grands Crus Classés (im Jahr 1855 erstmals festgelegt und damit die älteste Klassifizierung der Welt) sind die Spitzengewächse. Es gibt fünf Klassen Grands Crus, unterteilt in erste, zweite, dritte, vierte und fünfte Crus. Die Premier Crus sind lediglich fünf Weingüter (von Nord nach Süd): Château Lafite-Rothschild, Château Mouton-Rothschild und Château Latour in Pauillac, Château Margaux in Margaux, sowie Château Haut-Brion in Pessac-Leognan, welches folglicherweise geographisch eigentlich nicht zum Haut Medoc gehört. Die Klassifizierung von 1855 diente lediglich den Weinhändlern der damaligen Zeit dazu, die Qualitäten der gängigsten Top-Weine des Bordelais zu kategorisieren, und Château Haut-Brion gehörte zweifellos dazu. Die damals nicht zum Bordelais (sondern zum Libournais) gehörigen Güter nord-östlich von Gironde und Dordogne spielen deshalb in der Klassifizierung keine Rolle.
Danach kommen die Cru Bourgeois, seit neuestem mit der Feineinteilung in Crus Bourgeois Exceptionnels, Crus Bourgeois Supérieurs und Crus Bourgeois.
Oft auf vergleichbarer Stufe der Cru Bourgeois-Weine stehen die so genannten "Zweitweine" der Grand Cru-Güter. Bekannteste Beispiele sind der "Pavillon Rouge" von Château Margaux und der "Petit Mouton". Diese Zweitweine entstehen bei dem Auswahlprozess einige Monate nach der Lese, wenn Teams in den Kellern entscheiden, welche Partien Wein zum "Grand Vin", dem Haupt-Wein eines Gutes, gehören sollen. Die leicht geringerwertigen, "deselektionierten" Partien gehen in den Zweitwein. Manche Güter fertigen auch drei qualitativ gestaffelte Weine.
Daneben noch genannt werden die Crus Artisans. Den Rest bilden Genossenschaftsweine.
Zur Bewertung der Châteaus ist auch zu bemerken, dass die Rangfolge von 1855 nur einmal seither geändert wurde (1973 wurde Château Mouton-Rothschild in den ersten Rang erhoben), also nicht in jedem Fall den heutigen Stand der Qualität widerspiegelt (Halbinsel Médoc) und dass die Einteilung nur Châteaus am linken Ufer der Gironde berücksichtigt. Orte wie zum Beispiel St. Emilion oder Pomerol, die einige der heutzutage gesuchtesten und teuersten Weine der Welt hervorbringen, sind erst in späterer Zeit für die Weinwelt entdeckt worden und daher nicht in diesen alten Einteilungen zu finden.
Die edelsüßen Weißweine der Sauternes kennen Premier Crus, Deuxième Crus und nicht klassifizierte Gewächse. Als unbestrittener Top-Wein hat das Château d´Yquem hierbei allerdings eine Sonderstellung und darf sich Premier Grand Cru Classé Supérieur nennen. Bei den Sauternes-Süßweinen ist allerdings zu beachten, dass nicht jeder Jahrgang tatsächlich typische Weine hervorbringt, da die notwendigen Pilzkulturen (Botrytis Cinerea) zum Dehydrieren der Trauben geeignetes Wetter benötigen.
Die Appellation Saint-Emilion hat eine eigene Klassifizierung: die Chateaux Ausone und Cheval Blanc stehen als Premier Crus Classé A an der Spitze, weitere elf Châteaux sind Premier Cru Classé B. Alle zehn Jahre, in den Jahren mit einer "6" am Ende, werden die Zugehörigkeiten aktualisiert. Die qualitative Bestimmung hierfür geschieht auf der Basis der zwei Jahre zuvor gefertigten Weine in den Jahren mit einer "4".
Bis heute hat Pomerol, der Nachbar von St. Emilion, keine Klassifikation festgelegt. Fast jeder Weinliebhaber aber kennt die "Großen Namen" der Chateaux Petrus, Lafleur und La Conseillante.
