Brahmanen

Brahmanen (Sanskrit, ब्राह्मण, brāhmaṇa) sind im indischen Kastensystem die oberste Kaste (Varna). Die Brahmanen sind vorrangig Priester, aber auch Lehrer des Veda und Gelehrte. Daher ist Brahmane auch ein religiöser Titel.

Geschichte

Im 10. Buch des Rigveda, dem sog. Purushasukta ist beschrieben, wie die verschiedenen Kasten entstanden sind. Sie entstanden während eines Opfers aus dem Urriesen Purusha. Aus dem Mund wurden dabei die Brahmanen, aus den Armen die Kshatriya, aus den Schenkeln wurden die Vaishya und aus den Füßen die Shudra.

Die Brahmanen werden auch „Altgläubige“ genannt, da ihre geistige Schule von „Vaivasvata Manu“ (im Alten Testament als Noah bekannt) herrührt. Als das indo-arische Urvolk zunahm, wurden die Weisesten erwählt und ihnen die Aufgabe übertragen, dafür zu sorgen, daß die reine Gotteslehre unter ihnen aufrechterhalten werde und die innerste Weisheit nicht verloren gehe. Diesen Weisheitsvorstehern, den Brahmanen, wurde vom Volk außerdem das Recht eingeräumt, Gesetze und Strafen zu verordnen. Anfangs bewährte sich diese Institution ganz gut, aber in der Folge vermehrte sich die Priesterkaste und bedurfte immer mehr für ihren leiblichen Unterhalt, worauf dann Gesetze, Strafen und Opferungen entsprechend adaptiert wurden. Diese zum Teil noch heute erhaltenen Gesetzestexte beinhalten drakonischen Bußen (aus denen sich die Wohlhabenden freikaufen konnten) und zahllose kostenpflichtige und auch maßlose Opferungen - alles sichtlich zum Wohle und Unterhalt der Brahmanen. Zudem beanspruchte die Brahmanen für ihre Nachkommen das Geburtsrecht - ganz egal wie ungeeignet jemand für sein Amt sein mochte. Der Hochmut der Brahmanen gegen ihre „minderen“ Mitmenschen (vor allem gegenüber sudras (=Arbeiter oder Sklaven) und Kastenlose) wurde von nicht wenigen ausländischen Beobachtern mit fassungslosem Entsetzen dokumentiert. Trotz mehrerer gegen die Vorrechte der Brahmanenkaste gerichtete Reformversuche vermögen es die Brahmanen selbst heute noch, sich mithilfe des Kastensystems und einem fatalistischen Hinduismus (der mit der ursprünglich reinen Lehre der Vorzeit nur mehr wenig zu tun hat) zahlreiche Privilegien zu sichern.

Rolle im heutigen Indien

Als Tempelpriester ist heute nur ein Bruchteil der Brahmanen tätig. Da Brahmanen schon immer größten Wert auf Bildung gelegt haben, ist dies bestens mit den Erfordernissen der modernen Lebensumstände kompatibel. Die Brahmanen stellen heute zwar nur ca. 3% der indischen Bevölkerung, sind in der intellektuellen Elite des Landes jedoch sehr stark vertreten. Sie sind Anwälte und Richter, Geschäftleute, Physiker, Filmproduzenten, Autoren, Journalisten, Professoren und Architekten, Köche und Chauffeure.

Auch im Geschäftleben haben die Brahmanen Fuß gefasst, insbesondere in hohen Position. Brahmanen sind tendenziell eher in „white-collar“-Berufen beschäftigt sind, schrecken aber vor qualifizierter Fabrikarbeit nicht zurück. Entgegen den gängigen Vorurteilen sind sie durchaus auch als Facharbeiter in der Industrie tätig, vor allen bei den begehrten (weil sicheren und gut bezahlten) Facharbeiterstellen in Industrieunternehmen. Brahmanen haben zwar eine Aversion gegen Tätigkeiten mit niedrigem Status, sind jedoch nicht grundsätzlich gegen physische Arbeit eingestellt.

Schon Abbe Dubois, der von 1792 bis 1823 als Missionar in Indien lebte, fiel auf, wie erfolgreich die Brahmanen im öffentlichen Leben waren: „sie bekleiden die höchsten und lukrativsten Positionen in verschiedenen Regierungsbüros und in den Gerichten“.

Schon in der frühen Geschichte waren Brahmanen nicht selten Minister. In der heutigen Politik sind Brahmanen vor allem in höheren Ämtern (Premierminister, Minister etc.) überproportional vertreten. Die meisten Premierminister waren Brahmanen. Das Engagement von Brahmanen in der Politik ist vor allen in der BJP und (mit Einschränkungen) in der Kongresspartei zu bemerken.

See also: Brahmanen, BJP, Kaste, Kastensystem, Kongresspartei, Kshatriya, Noah, Religiöser Titel, Rigveda, Sanskrit