Brahmi-Schrift
thumb|Buchstaben der Brahmi-Schrift Die altindische Brahmi-Schrift ist die Vorläuferin der mehr als hundert indischen Schriften, eine Kombination aus Silbenschrift und Buchstabenschrift, nach neuerer Bezeichnung eine Abugida.
Neben selbstständigen Vokalzeichen für den Wortanfang werden die übrigen Vokale durch Modifikationen der vorangehenden Konsonantenzeichen dargestellt. Dabei ist a ein inhärenter Vokal. Der Anordnung der Zeichen im Alphabet liegt eine genau durchdachte Einteilung nach Artikulationsstelle und Artikulationsart zugrunde.
Die ältesten Belege der Brahmi-Schrift befinden sich in ganz Indien auf Inschriften des Kaisers Ashoka (3.Jh. v.Chr.), die teilweise in aramäischer, iranischer und griechischer Sprache abgefasst sind. Diese Felsenedikte verkünden den buddhistischen Glauben und dokumentieren durch ihre Platzierung die Vergrößerung des Maurya-Reiches. Man geht davon aus, dass die Schrift erst in der mittelindischen Sprachperiode erfunden wurde. Ältere Texte wurden Jahrhunderte lang mündlich überliefert und erst später niedergeschrieben.
Zur gleichen Zeit wurde ebenfalls in Inschriften der Kaisers Asoka die Kharoshthi-Schrift verwendet, die auf ein aramäisches Vorbild (8. bis 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung) zurückgeht und wie diese linksläufig ist, aber nur im Nordwesten Indiens vorkommt.
Eine geringe Anzahl von Forschern will die Brahmi-Schrift auf die ins 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung datierte Indus-Schrift zurückführen, zu welcher allerdings keine Zwischenstufen gefunden wurden. Es läge näher, dass die Schöpfer der Brahmi-Schrift das Prinzip der Alphabetschrift von den Aramäern übernommen haben und auf Grundlage dieses Prinzips eine eigene Schrift entwickelten. thumb|erste Konsonantenreihe der Brahmi-Schrift In Abhängigkeit von verschiedenen Schreibmaterialien entwickelte sich schon in den folgenden Jahrhunderten die Schrift weiter. Obwohl sich die Formen beträchtlich veränderten, wurde das Grundprinzip beibehalten.
Literatur
- Metzler Lexikon Sprache (Indische Schriften),1993, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar
- Kenneth R. Norman's, The Development of Writing in India and its Effect upon the Pâli Canon, in Wiener Zeitschrift für die Kunde Südasiens (36), 1993 (in englisch)
- Oscar von Hinüber, Der Beginn der Schrift und frühe Schriftlichkeit in Indien, Franz Steiner Verlag, 1990
- Harry Falk, Schrift im alten Indien: Ein Forschungsbericht mit Anmerkungen, Gunter Narr Verlag, 1993
- Gérard Fussman's, Les premiers systèmes d'écriture en Inde, in Annuaire du Collège de France 1988-1989 (in french)
Weblinks
- brahmi.sourceforge.net
- ancientscripts.com
- On The Origin Of The Early Indian Scripts: A Review Article by Richard Salomon, University of Washington
Abugida – bengalische Schrift – birmanische Schrift – Brahmi-Schrift – Devanāgarī – Gujarati-Schrift – Gurmukhi-Schrift – Kannada-Schrift – Khmer-Schrift – laotische Schrift – Malayalam-Schrift – Oriya-Schrift – Siddham – singhalesische Schrift – tamilische Schrift – Telugu-Schrift – thailändische Schrift – tibetische Schrift
