Brunner-Effekt
Als Brunner-Effekt wird in der Schweizer Politik ein Effekt bezeichnet, der nach der gescheiterten Bundesratswahl der Gewerkschafterin Christiane Brunner am 3. März 1993 eingetreten ist. Durch die Nicht-Wahl von Brunner wurde eine kurzzeitige Protestwelle der Frauen in der Schweiz ausgelöst, die mittelfristig zu mehr Wahlerfolgen und einem Anstieg der Frauenanteile in vielen Parlamenten auf kantonaler und kommunaler Ebene in der Schweiz führte.
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Vorgeschichte
Am 3. März 1993 wählte die Bundesversammlung statt der offiziellen Kandidatin Christiane Brunner einen Mann in den Bundesrat (siehe Bundesratswahl), was eine schweizweite Protestbewegung auslöste. Schließlich gab der gewählte Francis Matthey dem Druck der Straße und seiner Partei nach und verzichtete auf seine Wahl. Für den am 10. März angesetzten zweiten Wahlgang ging die SP mit einer Doppelkandidatur (Brunner und Dreifuss) in die Wahl. Während der Wahl demonstrierten gut 10'000 Personen auf dem Bundesplatz. Die Bundesversammlung musste nachgeben und wählte schließlich die Gewerkschafterin Ruth Dreifuss.
Auswirkungen
Die Ereignisse um die Nicht-Wahl von Brunner und die Personen Brunner und Dreifuss, die als Sympathieträgerinnen fungierten, führten zu einer seit der Einführung des Frauenstimmrechts nicht mehr gesehenen Solidarisierung der Schweizer Frauen aus allen sozialen Schichten und Lebenssituationen mit "ihren" Politikerinnen. Die zu diesem Zeitpunkt fast eingeschlafene Frauenbewegung radikalisierte sich augenblicklich, und das führte zu einem spontanen Druck, der durch die Frauen auf Gremien, Verbände, Gewerkschaften und Parteien ausgeübt wurde und der praktisch sofort Auswirkungen zeigte: Frauenthemen und Frauenforderungen wurden wieder auf die Tagesordnung gesetzt, Feminismus war wieder modern.
Unmittelbar nach der Nicht-Wahl von Christiane Brunner bildete sich ein Initiativkommitee "Frauen in den Bundesrat" und lancierte die "Initiative 3. März", auch Quoten-Initiative genannt.
Während ungefähr zwei bis drei Jahren nach den Ereignissen um die Nicht-Wahl von Christiane Brunner zeigte sich der Brunner-Effekt im Wahlverhalten der Schweizerinnen und Schweizer. Anschließend flaute er wieder ab.
Literatur
- Haas Esther, Heim Dore, Mutter Christa, Stibler Linda: Der Brunner-Effekt. Limmat-Verlag, 1993
