Bulgarien

Република България
Republika Bălgarija
Republik Bulgarien
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Details Details

Wahlspruch: "Съединението прави силата",
bulg.: "In der Einheit liegt die Stärke"

Amtssprache Bulgarisch
Hauptstadt Sofia
Staatsform Republik
Präsident Georgi Parwanow
Ministerpräsident Simeon Sakskoburggotski
Fläche 110.994 km²
Einwohnerzahl 7.450.349 (Juli 2005 est.)
Bevölkerungsdichte 67 Einwohner pro km²
Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich am 3. März 1878 erklärt, anerkannt am 22. September 1908
Währung Lew
Zeitzone OEZ (UTC +2)
Nationalhymne Mila Rodino ("Liebe Heimat")
Kfz-Kennzeichen BG
Internet-TLD .bg
Vorwahl +359
Bulgarien in Europa
Bulgarien mit Nachbarländern

Bulgarien (bulg. България) ist eine Republik in Südosteuropa. Es grenzt an Rumänien, Serbien, Mazedonien, Griechenland und die Türkei und liegt am Schwarzen Meer.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

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Satellitenaufnahme 2001

Bulgarien wird durch den Balkan (Стара Планина = Altes Gebirge) in die nördlich gelegene Donauebene und die Oberthrakische Tiefebene im Süden geteilt. Im Südwesten erheben sich die Rhodopen mit Pirin und Rila-Gebirge. In letzterem befindet sich das Rila-Kloster (Рилския Манастир).

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Bulgariens

Bulgarien war zuerst von den indogermanischen Thrakern und Makedoniern bewohnt. Nach der Eroberung 29 v. Chr. durch die Römer begann die Romanisierung der Bewohner. Auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien wurden als Teile des römischen Reichs die Provinzen Macedonia, Thracia, Moesia und Dacia etabliert. Seit dem 6. Jahrhundert drangen Slawen ein, 679 zusätzlich die turkstämmigen Protobulgaren unter Asparuch, die das Erste Großbulgarische Reich mit Hauptstadt in Pliska (679/681 bis 802) und Preslav (802 bis 1018) gründeten, das fast die ganze Balkanhalbinsel umfasste.

Nach dem Eindringen der Protobulgaren wurde ein mehrjähriger Krieg ausgelöst. Bemerkenswert ist, dass dieser damit endete, dass die sezessive Staatsgründung in einem völkerrechtlichen Vertrag neuerer Prägung anerkannt wurde. Dies war für die damalige Praxis des Völkerrechts (ius gentium) ein einmaliger Vorgang. Dieser vom oströmischen Kaiser Konstantin IV. Pogonatos 681 geschlossene Vertrag regelte befriedete Staatsgrenzen, ein Flottenmoratorium und eine gewisse Tributpflichtigkeit Konstantinopels. Aus der Verschmelzung der rund 10.000 Einwanderer mit der örtlichen Bevölkerung entstand das Volk der Bulgaren, nach einer Übergangszeit der Völkertrennung, die darin bestand, dass die protobulgarische Oberschicht die Staatsmacht militärisch nach Innen und Außen sicherte.

Zar Boris I. von Bulgarien bezweckte als Staatsreligion das Christentum für seinen Mehrvölkerstaat nutzbar zu machen und neben einer Stärkung der zentralistischen Staatsgewalt nach römischem Vorbild auch eine Homogenisierung der Völker zu erleichtern. In der Folge gingen die Protobulgaren in der slawischen Bevölkerungsmasse auf. Nach simultanen Verhandlungen mit Rom und Konstantinopel trat er 864 zum byzantinischen Christentum über, weshalb die Mehrzahl der Bulgaren bis heute dem orthodoxen Glauben angehört. Auch die bulgarische Kultur ist stark von der byzantinischen geprägt.

Boris' Sohn Simeon I. (893-927), der bedeutendste Herrscher Bulgariens, besiegte die Serben, errichtete das bulgarische Patriarchat und förderte die altbulgarische Literatur. Auf sein Betreiben hin wurde das kyrillische Alphabet entwickelt, um Bibelübersetzungen in die slawischen Sprachen und ausgedehnte christliche Missionierungskampagnen bis tief in das Gebiet des heutigen Russland zu ermöglichen. Aus diesem Grund gilt Bulgarien als prägender Ursprung der sprachlichen und politischen Kultur vieler slawischer Völker bis in die Neuzeit sowie der Orthodoxie.

Bulgarien war lange Zeit ein mächtiges Zarentum, das sich militärisch mit dem Byzantinischen Reich messen konnte. In seiner wechselhaften Ausdehnung umfasste es die Gebiete des heutigen Griechenlands, Mazedonien, Serbien, Bosnien, Rumänien und kleine Teile der Ukraine. Bis zur osmanischen Eroberung erfolgte keine Assimilation der unterworfenen Völker, so dass sie unverändert ihre ethnische und kulturelle Identität pflegen konnten. Die bei der ersten Reichsgründung erwähnte Tributpflicht wechselte in den zahlreichen Kriegen mit Byzanz die Seiten zugunsten des Siegers genauso traditionell wie die Gebiete des heutigen Griechenlands. Diese kulminierten u.a. darin, dass nach einer Niederlage der byzantinische Kaiser die gesamte bulgarische Armee bis auf jeden Centurio blenden ließ, um eine dauerhafte Unterwerfung zu ermöglichen. Ab 972 und 1018 kam Bulgarien unter die Herrschaft von Byzanz.

Die Brüder Johann und Peter Assen errichteten das 2. Großbulgarische Reich mit Hauptstadt in Weliko Tarnowo, welches von 1186 bis 1393 bestand. Mit dem Niedergang von Byzanz während der türkischen Eroberungen wurde auch Bulgarien ein Teil des erstarkenden türkischen Reichs der Osmanen. 1393 bzw. 1398 kam ganz Bulgarien unter türkische Herrschaft, die fast 500 Jahre andauerte. In dieser Zeit hielten die Bulgaren der Islamisierung im Wesentlichen stand. Um 1800 erhob sich der geistig-nationale Widerstand, mit der Forderung nach Unabhängigkeit. In Bulgarien kam es zu einer Ära der nationalen Wiedergeburt (Възраждане/Wasraschdane). Ähnlich wie in Westeuropa knüpfte sie an antike und frühere byzantinische Traditionen. Die blutige Niederschlagung eines Aufstands durch die Türken 1876, der an einem Genozid grenzte und Empörung in ganz Europa auslöste, führte zum russisch-türkischen Krieg 1877-78. Dieser wurde mit ungeahnter Härte und massiven Verlusten auf beiden Seiten geführt. Nach einer Hannibal-ähnlichen Überquerung der Donau und des Balkans mitten im Winter siegten die russischen Truppen und rückten bis kurz vor İstanbul vor, wo der Waffenstillstand von San Stefano geschlossen wurde. thumb|225px|"Shipka" Denkmal des Bulgarischen Widerstandes gegen das Osmanische Reich

Der Berliner Kongress errichtete ein Fürstentum Bulgarien als konstitutionelle Monarchie, das aber dem Sultan tributpflichtig blieb. Fürst Alexander von Battenberg (1879-86) versuchte innere Reformen und besiegte die Serben, wurde aber durch eine von den Russen veranlasste Verschwörung gestürzt. 1887 wurde Ferdinand von Coburg-Gotha bulgarischer Fürst, der 1908 die völlige Loslösung von der Türkei erklärte und den Titel als Zar annahm.

Die glänzenden Erfolge der bulgarischen Truppen im 1. Balkankrieg (Eroberung von Adrianopel) wiederholten sich im 2. Balkankrieg nicht. Während die bulgarische Streitmacht an der griechischen und serbischen Front gebunden war, drangen die Rumänen bis nach Sofia vor, die Türken eroberten Adrianopel wieder zurück.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpfte Bulgarien auf der Seite der Mittel- bzw. Achsenmächte. Dies war durch die engen Bindungen der Monarchie zu Deutschland zu erklären. Das Königshaus und die Bevölkerung widersetzten sich zum Teil erfolgreich der Verfolgung und der Deportation der bulgarischen Juden (Holocaust) durch die Nazis und weigerten sich Truppen gegen die Russen an die Ostfront zu entsenden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Bulgarien unter sowjetischen Einfluss und wurde Teil des Warschauer Paktes. 1946 wurde es zur Republik.

Das Ende der kommunistischen Ära wurde 1990 durch freie Wahlen eingeleitet. Bulgarien rief eine Große Verfassungsgebende Volksversammlung als erstes Parlament ein und gab sich eine reformierte demokratische Verfassung. Seitdem wurden weitere politische und wirtschaftliche Reformen vorangetrieben.

Auf dem NATO-Gipfel in Prag wurden am 22. November 2002 sieben osteuropäische Staaten – darunter auch Bulgarien – offiziell zu Aufnahmegesprächen eingeladen. Am 26. März 2003 wurden die Beitrittsprotokolle unterzeichnet, und am 29. März 2004 wurden Bulgarien und die anderen sechs Kandidaten in die NATO aufgenommen.

Ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union wurde ebenfalls unterzeichnet und weit gehend implementiert. Die Betrittsverhandlungen wurden 2004 erfolgreich abgeschlossen. Als weiterer Schritt billigte am 13.4.2005 das Europaparlament den Beitritt zur Europäischen Union mit 522 von 660 Stimmen und am 25.4.2005 wurde der Beitrittsvertrag in Luxemburg unterzeichnet. Danach wird Bulgarien planmäßig am 1.1.2007 Mitglied der EU.


Siehe auch: Liste der bulgarischen Zaren, Liste bulgarischer Präsidenten, Liste bulgarischer Ministerpräsidenten

Politik

Die Parlamentswahlen am 17. Juni 2001 gewann überraschend mit 42,7% der Stimmen die erst kurz zuvor gegründete Nationale Bewegung Simeon II. (NDSV) um den ehemaligen König Simeon II. von Sachsen-Coburg-Gotha (er slawisierte seinen Namen zu Simeon Sakskoburggotski). Wesentlichen Anteil an dem Erfolg hatte das Versprechen, innerhalb von 800 Tagen eine deutliche Verbesserung des Lebensstandards herbeizuführen. Dazu schlug er eine Erhöhung des Lohnniveaus und Steuersenkungen vor. Außerdem spielte die Hoffnung eine Rolle, der ehemalige Zar Simeon II. könnte durch seine verwandtschaftlichen Beziehungen in ganz Europa dazu beitragen, ausländische Investoren nach Bulgarien zu holen.

Im Wesentlichen jedoch behielt die amtierende Regierung den konservativen Kurs ihrer Vorgängerin bei, insbesondere die Politik der EU-Integration. 2003/2004 amtierte Bulgarien als Mitglied des UNO-Sicherheitsrates und schloss sich mit Spanien demonstrativ der US geführten Anti-Irak-Fraktion an. Die tendenziell US-freundliche Außenpolitik Bulgariens und der Dissens mit der reservierten deutsch-französischen Seite führten unter anderem dazu, dass auf Betreiben des Außenministers Solomon Pasi der Abzug von deutschen Anti-ABC-Einheiten umgehend von bulgarischen und polnischen Truppen ersetzt wurde.

Die nächsten Parlamentswahlen für die 40. Volksversammlung finden am 25. Juni 2005 statt.


Siehe auch

Bezirke

Hauptartikel: Bezirke in Bulgarien

Bulgarien ist ein Zentralstaat, welcher in 28 Verwaltungsbezirke (oбласт) gegliedert ist.

Infrastruktur

Bulgarien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten. Das Land besitzt ein dichtes Eisenbahn- und Straßennetz. Flughäfen befinden sich in Sofia, Plowdiw, Warna und Burgas, Seehäfen in den letztgenannten beiden Städten.

Wirtschaft

Hauptartikel: Wirtschaft Bulgariens

Bulgarien gehört zu den Ländern, die als Agrarstaat in den RGW ("COMECON") eingetreten sind und die ihre Industrialisierung diesem im Wesentlichen zu verdanken haben. Das bedeutete die Steigerung der energie- und rohstoffintensiven Schwerindustrie, von denen einige Bereiche (Pharmazeutika, Maschinenbau, Elektronik) durchaus erfolgreich in den ehemaligen Märkten agierten.

Nach dem Wegfall des Marktes der Sowjetunion, zu dem am meisten Beziehungen bestanden, geriet die Wirtschaft in eine schwere Krise, aus der sie sich bis heute nicht erholt hat. In den Jahren 1989 bis 1995 gingen die Realeinkommen um fast 70 Prozent zurück, der Lebensstandard fiel um 40 %.

Das Sozialsystem, insbesondere das System der Kranken- und Rentenversicherungen, brach weitgehend zusammen. Die sozialistische Regierung unter Schan Videnov schaffte hier keine Abhilfe, sondern bediente eher die Interessen der ehemaligen Nomenklatura: Die ehemaligen Direktoren der staatseigenen Betriebe wurden schnell zu Millionären.

Im Frühling 1996 kam es infolge der hohen Staatsverschuldung zu einer schweren Wirtschaftskrise. Banken brachen praktisch über Nacht zusammen, der Staat geriet in Zahlungsschwierigkeiten gegenüber seinen ausländischen Kreditgebern. In der Hoffnung auf Unterstützung von Weltbank und IWF verabschiedete die sozialistische Regierung ein Strukturprogramm.

134 marode Staatsbetriebe sollten geschlossen werden, durch Steuervergünstigungen versuchte man - vor allem ausländische - Investoren anzulocken. Doch die Privatisierung ging dem IWF zu langsam und er forderte als Bedingung für weitere Kredite die Einführung eines currency boards (Währungsrates) mit der Bindung des bulgarischen Lew an die D-Mark im Verhältnis 1:1.

Mit Wirkung vom 7. Juli 1997 wurden diese Bedingungen von der neuen konservativen Regierung erfüllt. So konnte das Land die notwendigen Kredite bekommen und ein Budget für das kommende Jahr verabschieden, hatte aber die Hoheit über die Staatsfinanzen an die internationalen Finanzinstitutionen abgegeben.

Denn die Einführung des currency boards bedeutet, dass die Regierung kein Budget ohne die Einwilligung des IWF verabschieden darf. Durch diese Maßnahmen konnte Bulgarien im internationalen Vergleich seine Wirtschaftsdaten bis 2000 verbessern.

Das Haushaltsdefizit konnte auf 1 % des BIP reduziert werden, das Bruttoinlandsprodukt stieg um 5 %, die Inflationsrate hielt sich bei etwa 11 % und die Arbeitslosigkeit stagnierte auf 18 %.

Doch die Annäherung an den Weltmarkt wird bis jetzt nicht durch eine Ankurbelung der Wirtschaft, sondern durch eiserne Sparmaßnahmen erreicht. Für die nationale Wirtschaft und für die Bevölkerung haben Einsparungen und Verteuerungen in erster Linie negative Folgen.

Die ausländischen Investoren sind bis jetzt ausgeblieben, ein eigener unternehmerischer Mittelstand hat sich - nicht zuletzt aufgrund der hohen Zinspolitik - bis jetzt kaum entwickelt. Seit 1997 hat Bulgarien eine negative Handelsbilanz.

Von der Bevölkerung kämpfen etwa 80 % ums tägliche Überleben. Ein Durchschnittslohn reicht kaum für die Ernährung, die Haushaltseinkommen sinken bei steigenden Preisen für so essentielle Dinge wie Heizung, Wasser und Müllabfuhr. Die vom IWF geforderte Erhöhung der Energiepreise führte dazu, dass sich viele Haushalte von der Energieversorgung abmeldeten.

1999 waren 45 % der Bevölkerung auf selbst hergestellte Nahrungsmittel angewiesen. Die Bewegung vom Land in die Kleinstadt und von dort in die Großstadt kehrt sich deshalb heute um. Die Krise der Wirtschaft zwingt zu einer neuen Subsistenzwirtschaft, oft mit einfachsten Geräten wie Sichel und Pflug, da nur wenige Dorfgemeinschaften genug Geld haben, um kollektiv einen Traktor anzuschaffen.

Der IWF sieht diese Situation als notwendige Übergangsphase und glaubt, dass Investitionen in das - aufgrund von Arbeitslosigkeit und Schattenwirtschaft - chronisch unterfinanzierte Sozialsystem die Überwindung der Krise unmöglich machen würden. Er setzte Mindestlöhne fest, die unter dem Existenzminimum liegen und verbietet Investitionen ins Verwaltungssystem. Im öffentlichen Dienst wurden ein Achtel der Stellen gestrichen.

Die Einschränkungen des Handlungsspielraums der Politiker durch den IWF steht im Widerspruch zu den Erwartungen der EU, die von ihren Beitrittsländern erwartet, dass sie eigenverantwortlich rechtsstaatliche und marktwirtschaftliche Systeme aufbauen. Sollten die Stabilisierungsmaßnahmen nicht bald greifen, fürchten Experten eine wirtschaftliche Abwärtsspirale mit ähnlichen Folgen wie in Argentinien.

Ein solcher wirtschaftlicher Zusammenbruch wäre eine Gefahr für die Stabilität der gesamten Balkan-Region. Selbst der IWF, der zugeben musste, dass der Lew trotz der Fixierung an den Euro zwischen 22,1 und 28,7 % seines Wertes eingebüßt hat, denkt bereits über Ausstiegsstrategien aus dem currency board nach.

Er schlägt - analog zur Einführung des Dollar in manchen lateinamerikanischen Ländern - eine Euro-Einführung noch vor dem EU-Beitritt vor. Dies wird allerdings von der Europäischen Zentralbank abgelehnt, die um die Stabilität des Euro fürchtet. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz plädierte für einen vorgezogenen EU-Beitritt Bulgariens.

Kultur

Bulgarien verfügt über eine große Tradition des Chorgesangs. Der staatliche Chor wurde durch einen eigenen Stil sehr erfolgreich, zahllose bulgarische Frauenchöre wie z.B. Angelite sind heute international bekannt.

Bekannte bulgarische Sänger sind u.a. Ari Leschnikow, der von 1928 bis zur Auflösung in den 30er Jahren den Comedian Harmonists als Tenor angehörte und der Opernsänger Boris Christow, der als einer der weltbesten Bassisten galt.

Bulgarien ist schon seit dem 13. und 14. Jahrhundert bekannt für seine Ikonenmalerei. Die Vertreter der Malschule von Weliko Tarnowo überschritten die überlieferten Regeln der traditionellen Ikonenmalerei und schufen damit die bedeutendste eigenständige Schule der ostkirchlichen Kunst.

Mit der bulgarischen Wiedergeburt nach dem Ende der türkischen Besatzung entstanden überall im Land neue Kunstschulen. Die bekannteste ist die Kunstschule von Samokow. Aus ihr gingen viele der Maler hervor, die die Bemalung der Kirche im Kloster Rila ausführten, unter ihnen Sachari Sograf.

Bekannte Künstler der neueren Zeit sind Jules Pascin der 1885 in Vidin geboren wurde. Eigentlich hieß er Julius Pinkas. Da er lange Zeit in Frankreich verbrachte, wo er auch 1930 starb, wird er als bulgarisch-französischer Maler und Grafiker bezeichnet.

Der bekannteste lebende bulgarische Künstler ist wohl Christo Jawaschew, der unter seinem Vornamen und zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude bekannt wurde. Er „verpackte“ u.a. das Reichstagsgebäude in Berlin und Pont Neuf in Paris in Plastikfolie.

In Bulgarien hat auch das Puppentheater (nicht nur für Kinder) eine lange Tradition.

Ein beliebter Brauch ist das Verschenken eines Marteniza, kleinen rot-weißen Stoffanhängern oder Armbändern, zum Frühlingsanfang am 1. März. Die Armbänder sollen, damit sie Glück bringen, getragen werden, bis man den ersten Storch sieht.

Siehe auch: Tschubriza

Bibliothekswesen


Die Bibliotheken sind die ältesten Kulturinstitute Bulgariens. Von den mittelalterlichen Fürsten- und Klosterbibliotheken sind in der Türkenzeit nur einzelne Klosterbibliotheken mit Handschrift-Beständen erhalten geblieben. Die Zeit der Wiedergeburt Bulgariens war eine Zeit großer Bildungsbestrebungen. Es zeigt sich auch daran, dass in dem aufblühenden Schulwesen die ersten öffentlichen Bibliotheken Bulgariens ihren Platz hatten. Das erste Gründungsdatum einer solchen Bibliothek liegt um 1840.

Das Jahr 1878 bedeutete für das gesamte Bibliothekswesen einen Aufschwung. Zu den Neugründungen gehörten neben Stadt- und Volksbibliotheken die Nationalbibliothek (gegr. 1878) und die Universitätsbibliothek Sofia (gegr. 1888). Das Pflichtexemplargesetz von 1897 kam dem Bestandsaufbau zugute. Nach 1944 setzte ein überdurchschnittliches Wachstum aller Bibliotheksbestände und –typen ein. Wie weltweit üblich, gibt es auch hier zwei Arten von Bibliotheken: Öffentliche und Wissenschaftliche. Derzeit beträgt die Anzahl der Bibliotheken insgesamt 6.942. Die Nationalbibliothek, die Spezialbibliotheken und die Universitätsbibliotheken gehören zu den 3.065 Wissenschaftlichen Bibliotheken.

Den größeren Anteil daran bilden die Öffentlichen Bibliotheken (3.877). Sie sind in Regional-, Schul- und kommunale Bibliotheken (читалища) unterteilt, gemeint sind hier die Volkslesestätten, unter denen man allgemein Volksbildungseinrichtungen zu verstehen hat, die außer Bibliotheken mit Büchern und Zeitschriften auch Vorträge, Theateraufführungen, Unterricht und Kurse aller Art anbieten. Als Ort der Kommunikation und Diskussion sowie der öffentlichen Zeitungslektüre gewannen sie schon vor 1878 in der Volksbildung eine kulturpolitische Position beachtlichen Gewichts. Die kommunalen Bibliotheken hatten viel zu der Überwindung des Analphabetentums beigetragen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts dürfte es noch 80% Analphabeten in Bulgarien gegeben haben, 1914 nur noch knapp über 50%. Im Jahr 2000 betrug die Anzahl der kommunalen Bibliotheken (читалища) über 3.400.

Die Nationalbibliothek "St. St. Kyrill und Method" enthält Exemplare fast sämtlicher bulgarischer Bücher und eine große Anzahl slawischer Handschriften des 13.-16. Jahrhunderts, ferner persische, türkische, arabische und griechische Manuskripte und alte Drucke. Die Nationalbibliothek ist:


Aus- und Weiterbildung

Eine ständige und differenzierte bibliothekarische Ausbildung kam erst nach 1944 zustande. Die Lehrstühle für „Bibliothekswesen und Bibliographie“ an der Sofioter Universität „St. Kliment Ohridski“ und an der Universität Weliko Tarnowo übernahmen die Ausbildung von wissenschaftlichen Bibliothekaren und Dokumentaren. Die Ausbildungszeit an der Hochschule für Bibliothekswissenschaft und Informationstechnologien in Sofia ist kürzer und berufsbezogener. Zudem gib es ein Weiterbildungszentrum für Bibliothekare, das qualifizierende Seminare und Kurse anbietet.


Kooperationen

Das Goethe-Institut in Sofia hat drei deutsche Lesesäle (in Warna, Plowdiw und Russe). Sie besitzen über 10.000 deutsche Bücher, CD-ROMs, Video-, Audiokassetten und Periodika. Der deutsche Lesesaal ist Resultat eines gemeinsamen Projekts des Goethe-Instituts mit der regionalen Bibliothek “Pentscho Slavejkov” in Varna. Der Lesesaal wurde mit der Unterstützung des Deutschen Außenministeriums im Jahre 1993 eröffnet. Im Rahmen der Partnerschaft im Gebiet der Kulturpolitik der beiden Institute werden jährlich zahlreiche Bücher- und Photoausstellungen durchgeführt.

Sport

Ebenso wie in der Türkei gibt es eine große Tradition im Kraftsport (Ringen, Gewichtheben). Die Wurzeln liegen in der Folklore, wo der "starke Mann" ein hohes Ansehen hat, aber auch im griechischen Erbe, das über Byzanz nach Bulgarien kam. In den 1980ern wurde die türkische Minderheit diskrimininert, und türkische Namen wurden slawisiert, da die damalige, kommunistische Regierung für die Außenwirkung keine Sportler mit türkischen Namen duldete.

Siehe auch: Fußball in Bulgarien.

Feiertage

Datum Name Deutscher Name Anmerkungen
1. Januar Нова година Neujahr
3. März Ден на Освобождението на България от османско иго Tag der Befreiung von der türkischen Herrschaft 1878, Frieden von San Stefano
Великден Ostern
1. Mai Ден на труда Tag der Arbeit
6. Mai Гергьовден, Ден на храбростта и Българската армия Georgstag, Tag der Tapferkeit und der bulg. Armee
24. Mai Ден на българската просвета и култура и на славянската писменост Tag der bulgarischen Aufklärung und Kultur und der slawischen Literatur
6. September Ден на Съединението на България Tag der Vereinigung Bulgariens 1885 mit Ostrumelien
22. September Ден на Независимостта на България Tag der Unabhängigkeit Bulgariens 1908
1. November Ден на народните будители - неприсъствен за всички учебни заведения Tag der nationalen Erweckung
24. Dezember Бъдни вечер Heiligabend
25./26. Dezember Коледа, Рождество Христово Weihnachten, Geburt Christi

Literatur

Weblinks

See also: Bulgarien, 1018, 1186, 13. Jahrhundert, 1393, 1398, 14. Jahrhundert