Büraburg

Die Büraburg liegt auf dem Büraberg, einem auf drei Seiten steil zum Edertal abfallenden Bergsporn oberhalb des Ortes Ungedanken bei Fritzlar (ca. 30 km südlich von Kassel und 60 km nördlich von Marburg).

Auf dem Gipfelplateau befindet sich die der irischen Nationalheiligen Brigida geweihte Kapelle, die auf die ehemalige Bischofskirche zurückgeht. Ältester erhaltener Bauteil ist die Chorbogenwand, die mittels C-14-AMS-Analysen (ETH Zürich, 2002) von Holzkohlepartikeln im Kalkmörtel in den Zeitraum 543-568 bzw. 558-667 (kalibriert) datiert werden konnte. Damit handelt es sich offenbar um den in seinen Ursprüngen ältesten Kirchenbau östlich des Limes, der mit dieser Datierung in einen zeitlichen Zusammenhang mit der Eroberung Thüringens durch die Franken im Jahr 531 und eine sich daran anschließende irische Missionstätigkeit zu setzen ist.

Der Archäologe des Büraberg, Prof. Dr. Norbert Wand (Bensheim), verstarb am 30. September 2004.

Die Kapelle bildet das Zentrum der fränkischen Befestigungsanlage vom Ende des 7. Jahrhunderts bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts, die aus bis zu drei hintereinander gestaffelten Grabenanlagen und einem durchgehenden Mauerring mit drei Toren besteht. Sie umfasst einen ca. 8 ha großen Innenbereich mit nachweislich dichter, regelmäßiger Bebauung und eine dem befestigten Bereich östlich, der Hauptverteidigungsrichtung entgegengesetzten Seite, angrenzende unbefestigte Vorburg von ca. 4 ha Fläche.

Geschichte

723 diente die Büraburg dem heiligen Bonifatius, dem Apostel der Deutschen, als Operationsbasis und militärischer Schutzschirm, als er bei dem nur wenige Kilometer entfernten Ort Geismar die Donareiche fällte. Aus dem Holz der Eiche ließ er ein Bethaus errichten und weihte es dem heiligen Apostel Petrus. Diese Holzkirche war die Keimzelle des 724 von Bonifatius begründeten Benediktinerklosters Fritzlar, zu dessen erstem Abt er St. Wigbert ernannte. Dieses Kloster wurde allerdings bereits 1005 in ein Stift umgewandelt.

742 erhob Bonifatius Büraburg zusammen mit Würzburg und Erfurt zum Bistum. Bereits 747, nach dem Tod des ersten Bischofs Witta, wurde es durch Lullus dem Sprengel Mainz eingegliedert, behielt jedoch bis 786 als Chorbistum eine gewisse Eigenständigkeit.

32 Jahre nach der Bistumsgründung wurde die Reichsfestung im Grenzbereich zwischen Franken und Sachsen nochmals in den fränkischen Reichsannalen zum Jahr 774 im Zusammenhang mit den Sachsenkriegen Karls des Großen erwähnt. Während Karl der Große in Italien weilte, fielen die Sachsen in Nordhessen ein. Die Fritzlarer Bevölkerung widerstand der Belagerung erfolgreich auf der Büraburg, so dass die Invasoren sich letztlich mit der Plünderung und Brandschatzung Fritzlars zufriedengeben mußten.

Nach der Unterwerfung der Sachsen im Jahre 804 verlor die Büraburg nach dem vorhergehenden Verlust der kirchenpolitischen Funktion nun auch ihre militärische Bedeutung. Spätestens ab der Mitte des 9. Jahrhunderts verlagerte sich die Besiedlung des Platzes nach Ungedanken und Fritzlar und lief im 13. Jahrhundert endgültig aus.

Die kleine Kirche inmitten des von alten Bäumen bestandenen Friedhofs, von der der Blick weit über das Edertal hinüber nach Fritzlar fällt, ist bis heute Ziel jährlicher Prozessionen und Wallfahrten.

Bischöfe

Literatur

See also: Büraburg, 531, 543, 558, 568, 667, 723, 724, 742, 747