Bürgerstiftung

Die Bürgerstiftung ist eine Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation von Bürgern für Bürger. Bürgerstiftungen sind Stiftungen, die sich fördernd und operativ für das lokale Gemeinwohl einsetzen.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Ebenso wie Gemeinschaftsstiftungen zielen Bürgerstiftungen auf den allmählichen Aufbau eines Stiftungsvermögens ab. Sie bieten insbesondere für kleinere Zustiftungen sowie als Träger treuhänderischer Stiftungen eine adäquate Organisationsform. Bürgerstiftungen sind auf eine Gemeinde oder Region bezogen, bieten aber die Möglichkeit, zahlreiche Stiftungszwecke zu verwirklichen. Zum Selbstverständnis gehört in der Regel die völlige Unabhängigkeit von staatlichen oder kommunalen Strukturen. Bürgerstiftungen werden von einer Vielzahl und Vielfalt von Stiftern errichtet und getragen.

Einige Daten

Seit der Gründung der ersten deutschen Bürgerstiftung 1996 sind im gesamten Bundesgebiet zahlreiche weitere Stiftungen dieses Typs entstanden: Im Jahr 2003 wurden 16 neue Bürgerstiftungen ins Leben gerufen, hinzu kommen zahlreiche Gründungsinitiativen. Die Angaben zur Gesamtzahl der Bürgerstiftungen in Deutschland gehen auseinander. Die Initiative Bürgerstiftungen kommt auf 78, während der Arbeitskreis Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen sein „Gütesiegel für Bürgerstiftungen“ an 59 vergeben hat. Die Aktive Bürgerschaft e.V. rechnet mit rund 100 Bürgerstiftungen. Die genannten Organisationen sind sogenannte Community Foundation Support Organizations, welche die Bürgerstiftungen beim Prozess der Gründung oder inhaltlichen Ausrichtung begleiten und für ihre Vernetzung untereinander sorgen. Weitere unterstützende Organisationen sind die Berliner Amadeu Antonio Stiftung und das „Netzwerk Stiftungsgründung“ des Wissenschaftsladens Bonn. Ihre unterschiedlichen Angaben zur Anzahl der Bürgerstiftungen in Deutschland sind auf unterschiedliche Definitionskriterien zurückzuführen.

Vorteile

Ihre Stärke liegt in der Schaffung von nachhaltigem zivilgesellschaftlichen Eigenkapital. Weiteres Potential liegt im partizipativen Element von Bürgerstiftungen: Mit der Stifterversammlung als Aufsichts- und Rechenschaftsorgan wird Stiftern die Möglichkeit zur Mitbestimmung gegeben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich ehrenamtlich einzubringen. Außerdem sollten Bürgerstiftungen möglichst zahlreich soziale Gruppen miteinbeziehen.

Tätigkeiten

Im internationalen Vergleich besteht eine Besonderheit deutscher Bürgerstiftungen darin, dass der Großteil nicht nur fördernd tätig ist, sondern auch eigene Projekte durchführt. Mit ihrer Arbeit können Bürgerstiftungen gestaltend eingreifen und als Promotoren sozialen Wandels agieren. Das Spektrum ist breit: Ob Gewaltprävention oder die Reintegration schulmüder Jugendlicher, gemeinsam ist den Projekten, dass sie oft auf Integration und Partizipation ausgerichtet sind. In Bezug auf Staat und Zivilgesellschaft kommt den Bürgerstiftungen eine Brückenfunktion zu: Aufgrund ihrer besonderen Stellung können sie vermittelnd tätig sein und Interessen lautverstärkend weitergeben. Einen Staatsersatz wollen und können sie jedoch nicht darstellen.

Literatur

Weblinks

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