Bürgertum

Bürgertum ist ein Begriff, der eine Gesellschaftsschicht bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Grundzüge des Bürgertums

Als Wort und Begriff für eine Bevölkerungsgruppe ausgehend von dem mittellateinischen Burgus = vor den Mauern gelegene Vorburg, in der die Kaufleute wohnten, hat das Bürgertum im Lauf der geschichtlichen Entwicklung einen sozialgeschichtlichen Wandel durchlaufen, insbesondere sehr verschiedene Unterformen des Bürgertums ausgeprägt. Der Begriff des Bürgertums als solcher ist deswegen nur sehr allgemein definierbar. Zudem ist der Begriff des Bürgertums in den verschiedenen Staaten aufgrund teils unterschiedlicher geschichtlicher Entwicklung nicht bedeutungsgleich.

Das Bürgertum ist eine ökonomische, eine politische und eine kulturelle Erscheinung. Es prägte in der Zeit des Frühkapitalismus die "bürgerliche Weltanschauung" aus, die eng mit den "bürgerlichen Tugenden" Fleiß und Sparsamkeit verbunden ist.

In der Zeit des abendländischen Feudalismus erkämpfte sich das Bürgertum in Abgrenzung zu Bauern und Adel seine bürgerlichen Freiheiten. Die in der französischen Revolution von den Bürgern erkämpften Bürgerrechte geltend heute als Menschenrechte.

Kritik und Auflösung des Bürgertums

Das Bürgertum in seinen verschiedenen Ausprägungen ist andererseits selbst Gegenstand langanhaltender Kritik (gewesen). Während die kommunistische Kritik einerseits die Bourgeoisie als Klassengegner definierte und Abweichler intern als nicht-proletarische Kleinbürger ausgrenzte, wurde der Begriff des Bürgers auch in anderem Zusammenhang negativ verwendet, wie die Ausdrücke "Verbürgerlichung" oder "verbürgerlichtes Christentum" deutlich machen. Gleiches gilt für den von der Jugendbewegung schon des 17. Jahrhunderts übernommenen Begriff der "Spießbürgers", ein aus der verächtlichen Rede des Ritterheeres übernommenes Schimpfwort.

Mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel wird vertreten, daß das Bürgertum insgesamt zuende gegangen sei. Hervorgegangen sei eine nachbürgerliche Gesellschaft von Angestellten, Beamten und anderen Gruppen, die im wesentlichen in einem neuen Mittelstand verschmolzen seien und sich ungeachtet ihrer Wurzeln im Bürgertum im Stil nicht von vom allgemeinen Stil der Industriegesellschaft unterschieden.

Weiterführende Artikel

Typische Beispiele für verschiedene Bürgergruppen (Deutschland)

Aufgeführt sind - mit Ausnahme der gesondert zu behandelnden Kleinbürger - Familien, die in der Vergangenheit den genannten Bürgergruppen zugehörten. Während die Krupp erloschen sind oder wie die Gründerfamilie Howaldt und die Overbeck ihre herausgehobene Stellung verloren haben, behaupten andere Familien aufgrund des in ihren Händen erhaltenen Kapitals wie die Quandt und die Siemens oder aufgrund der Leistungsfähigkeit einzelner Familienmitglieder wie die Weizsäcker oder die Jauch über den erfolgreichen Moderator, Fernsehproduzenten und Mäzen Günther Jauch eine wahrnehmbar über dem Durchschnitt liegende Stellung in der heutigen Gesellschaft. Soweit einzelne Familien oder Familienzweige noch vor Abschaffung des Adels - wie z.B. die v. Siemens 1888 oder die Freiherrn v. Weizsäcker 1916 - nobilitiert wurden, ändert dies nichts an ihrer für die vorliegenden Zwecke zutreffenden soziologischen Einordnung als Bürger.

Bildungsbürger

Großbürger

Industrielle

Kleinbürger

Bei den der in Wikipedia zu findenden Familien sind, da sie insgesamt oder ihre Mitglieder bessere Chancen haben, in Enzyklopädien zu erscheinen, eher Groß- oder Bildungsbürger. Die von diesen im Lebensstil abgehobenen Kleinbürger sind - relativ zu ihrem zahlenmäßigen Anteil am Bürgertum - unterrepräsentiert oder doch oft gar nicht als solche gekennzeichnet. Ein typisches Beispiel sei Joschka Fischer, dessen Vorfahren über sechs Generationen in Ungarn das Metzgerhandwerk ausübten.

Literatur

See also: Bürgertum, 1916, Adel, Angestellter, Beamter, Bildungsbürgertum, Bourgeoisie, Bürger, Citoyen, Delbrück (Begriffsklärung)