Büssing AG
thumb|250px|Büssing Senator von 1964 Die Büssing AG wurde von Heinrich Büssing im Jahre 1903 als "Heinrich Büssing, Specialfabrik für Motorlastwagen, Motoromnibusse und Motoren, Braunschweig, Elmstraße" gegründet und entwickelte sich bis 1971 zu einem der größten Anbieter von Omnibussen und Lastkraftwagen in Mitteleuropa mit beachtlichen Exporten auch nach Übersee. Insbesondere seit den 1930er Jahren prägten die Omnibusse mit dem Löwenemblem das Bild des städtischen Verkehrs.
Firmengeschichte
1903-1920: Heinrich Büssing, Specialfabrik für Motorlastwagen, Motoromnibusse und Motoren
Zusammen mit seinen beiden Söhnen gründet der Maschinenbau-Ingenieur Heinrich Büssing in einer stillgelegten Wäscherei in der Braunschweiger Elmstraße das Büssing-Werk zur Fertigung von Nutzfahrzeugen, nachdem er bereits um 1900 einen Omnibus für zehn Personen konstruiert hat. Der 1904 vorgestellte erste Omnibus für zwölf Personen verkehrt ab dem 3. Juni 1904 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auf der Strecke Braunschweig - Wendeburg der Büssing-eigenen "Automobil-Omnibus-Betriebs-Gesellschaft Braunschweig". Dieses fortan in Serienproduktion gefertigte Modell wird noch im gleichen Jahr als Decksitzomnibus nach London exportiert.
Das größte Busmodell dieser Zeit ist ein mit 38 Sitzen bestückter Decksitzomnibus als Frontlenker (der Fahrersitz befindet sich über dem Motor) für die Berliner Omnibus-Actien-Gesellschaft (ABOAG).
Während des Ersten Weltkriegs ruht die Omnibusproduktion.
1920-1922: Heinrich Büssing Automobilwerke KG
Aufgrund der veränderten wirtschaftliche Lage nach dem Krieg muss sich das Unternehmen 1920 in eine Kommanditgesellschaft umwandeln.
1922-1931: Heinrich Büssing Automobilwerke AG
Der Firmensitz befindet sich nun in Braunschweig in der Salzdahlumer Straße.
Nach einer erneuten Umwandlung in eine Familien-Aktiengesellschaft wird die Anzahl der Modellvarianten drastisch gemindert, um ab 1926 in die Fließbandproduktion nach amerikanischem Vorbild einzusteigen. Daraufhin steigt die Produktion im Monat auf 250 Fahrgestelle für Omnibusse und Lastkraftwagen.
Während der Weltwirtschaftskrise wird der Jahresausstoß merklich gedrosselt.
1929 wird ein dreiachsiger Frontlenker-Omnibus unter der Bezeichnung "Trambus" vorgestellt, dessen Motor zwischen der Vorder- und Hinterachse längs zur Fahrtrichtung eingebaut ist. Diese Bauweise wurde von Büssing entwickelt und blieb bis 1971 ein Markenzeichen für viele Fahrzeuge aus dem Unternehmen.
1931-1943: Büssing-NAG, Vereinigte Nutzkraftwerke AG
Büssing übernimmt die finanziell angeschlagene NAG, eine Tochter der AEG, und kann somit eine größere Produktpalette an Nutzfahrzeuge anbieten und steigt zum Branchenführer auf. Nach dem Erwerb der Automobilfabrik Franz Komnick und Söhne AG werden deren Fertigungseinrichtungen in Elbing/Westpreußen unter der Bezeichnung "Büssing-NAG Werk Ost" geführt.
Das Unternehmen selbst verlegt seinen Sitz in die Heinrich-Büssing-Straße 40 in Braunschweig.
1943-1950: Büssing-NAG Nutzkraftwagen GmbH
Die Familien-AG wird 1943 aufgelöst und in eine GmbH überführt.
Die Fertigungsstätten in Braunschweig sind nach dem Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, das unversehrte Werk in Elbing steht nicht weiter zur Verfügung. Die bis dato in Elbing gefertigten Karosserien werden von anderen Unternehmen wie beispielsweise Ludewig, Danz oder Kässbohrer, später auch FAKA, aufgebaut.
1950-1960: Büssing Nutzkraftwagen GmbH
Die Familie Büssing übernimmt die letzten Aktienanteile der AEG und wandelt die Firma Büssing wieder zu einer reinen Familiengesellschaft.
1960-1971: Büssing-Automobil-Werke AG
Nach einer Neuordnung der Firmenstruktur wird Büssing zu einer Aktiengesellschaft und verlegt ab 1965 den Produktionsstandort nach Salzgitter-Watenstedt in die Industriestraße Mitte 159-179.
1971: Übernahme durch MAN
1971 übernimmt MAN das Management bei Büssing. Bis zum Jahresende wird aber noch unter dem Namen Büssing produziert. Ab dem 1. Januar 1972 produziert die Büssing AG nur noch für die MAN. Die Fahrzeuge tragen die Marke Büssing-MAN, werden aber beim Kraftfahrzeugbundesamt als MAN-Produktion registriert. Mit dem Betriebspachtvertrag zwischen Büssing und MAN vom 30. Mai. 1972 verpachtet Büssing die Werksanlagen in Braunschweig und Salzgitter-Watenstedt an die MAN. Damit hört die Firma Heinrich Büssing Nutzfahrzeuge auf zu existieren.
Fahrzeuge
Omnibusse
Büssing Motorbus
1904 entsteht der Prototyp eines 20-PS-Motorbusses mit Kettenantrieb und einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, der in varrierenden Formen, beispielsweise als Decksitzomnibus, in Serienproduktion geht. Der Rahmen besteht aus U-Trägern (aus dem Eisenbahnbau), die Räder sind mit Hartgummi bereift. Das Fahrzeug wies eine patentierte Hinterachsfederung sowie eine Differenzialsperre auf.
Motorbus Typ IV
Der Frontlenker Typ IV wurde ab 1906 unter anderem für die ABOAG gebaut.
Motorbus Typ II, III
1909 ging man zum Kardanantrieb über.
Motorbus Typ VI
Ab 1923 fertigt Büssing Omnibusse mit drei Achsen, von denen die beiden Hinterachsen angetrieben werden. Diese Busse gehen auch als Doppeldecker nach Berlin.
Mittelmotor-Omnibus Typ 6 GR
Der erste Omnibus mit Unterflurmotor erscheint 1929 als dreiachsiger Frontlenker unter der Typbezeichnung "HAWA-Trambus". Der Motor war zwischen den Vorder- und Hinterachsen angebracht und konnte zur Seite heraus geschwenkt werden.
Obus Typ CuU 33F
1933 wird an die Berliner Verkehrsgesellschaft ein Prototyp dieses Oberleitungsbusses geliefert.
Trambus Typ 285T bis 400T
Dieselgetriebene Frontlenker-Omnibusse der 1930er Jahre. Der Motor befand sich neben dem Fahrer.
Trambus Typ 900TU
Dieselgetriebene Frontlenker-Omnibusse der 1930er Jahre mit Unterflurmotor.
Lienen-Sattelzugomnibus Typ SS und Typ DS
Ab 1932 werden Omnibusse in Form von Sattelschleppern gebaut.
Doppeldeckerbus Typ D 38
Von 1938 bis 1946 erhalten die Berliner Verkehrsbetriebe Doppeldeckerbusse dieser Bauart mit Haubenmotor.
"Kriegsomnibus" Typ 4500T
Während des Krieges entstand dieses Modell in stark vereinfacht aufgebauter Karosserie aus dem "Werk Ost" in Elbing mit Seitenteilen aus Presspappe und einfachem Fensterglas.
Omnibus 5000T, 5000TU
Ab 1948 stellt Büssing Frontlenker-Omnibusse vor. Das "TU" in der Typenbezeichnung kennzeichnet die Bauart "Trambus mit Unterflurmotor".
Omnibus 6000T, 6500T, 4000T
Der mit Unterflurmotor ausgestattete Omnibus 6000T löst 1953 den 5000TU ab. Gefolgt wird er vom 6500T im Jahr 1954, der bis 1957 gefertigt wurde.
1955 bringt Büssing den Eineinhalbdecker 6500T Aero auf den Markt.
Der kleine Omnibus 4000T erscheint 1954 in neuartiger Verbundbauweise. Die schweren Rahmenfahrgestelle gehören seitdem der Vergangenheit an.
Omnibus TU5, TU7, TU11, TU10
Die neuen Serien erhalten eine Typenbezeichnung angelehnt an die Hubraumangabe des Motors. Neben Neoplan liefert Büssing mit diesen Fahrzeugen die ersten luftgefederten Omnibusse.
Gelenkzüge von Emmelmann, Gaubschat, Kässbohrer und Vetter werden neu ins Programm aufgenommen, da ab 1960 Anhänger nicht mehr zugelassen werden.
Omnibusse in Röhrenbauform
Eine neue Generation von Bussen kommt 1959 auf den Markt. Die Karosserieform wurde flüssiger durch die selbsttragende Röhrenbauform. Diese Omnibusse tragen zunächst die Bezeichnung RU, die jedoch durch "Konsul", "Senator" und "Präsident" ersetzt wird.
Omnibus Konsul, Senator, Präsident
1961 fängt man an, die Typenbezeichnung auf Verkaufsbezeichnungen umzustellen.
In den 1960er Jahren erreicht man in der Bundesrepublik Deutschland mit diesen Modellen einen beachtlichen Marktanteil:
- 50% der Eindecker-Omnibusse
- 44% der Gelenkomnibusse
- 82,5% der Eineinhalbdecker-Omnibusse
Konsul
Vormals Reisebus 8RU5
Senator/Präfekt
Die Verkaufsbezeichnung "Büssing Senator" umfasst die ehemaligen Linienverkehrsbusse 11RU bis 15RU. Die Fensterreihen verlaufen dem Geschmack der Zeit entsprechend schräg (vgl. Foto). Ab 1965 wird diese Reihe in "Büssing Präfekt" umbenannt und erhält eine neuartige Achsführung.
Präsident
Vormals Überlandbus 14RU10. Die Karosserie des Modells "Präsident" wirkt kantiger als die des Modells "Senator". Unterstützt wird dieser Eindruck durch die vertikal verlaufenden Fensterreihen.
Omnibusse für den Linienverkehr der Stadt Berlin
Kurz nach der Gründung der Firma Büssing kauft die ABOAG bereits erste Omnibusse für den städtischen Linienverkehr. Man bleibt dieser Marke bis zum Ende treu. Büssing Omnibusse werden so über Jahrzehnte zu einem etablierten Bestandteil des Stadtbildes.
Die Typenbezeichnung wird von den Berliner Verkehrsbetrieben gewählt.
Fotos und weitere Informationen bietet die Interessensgemeinschaft "Traditionsbus Berlin" auf ihren Internetseiten.[1]
Doppelstock-Omnibus D2U
Dieser zweiachsige Doppelstock-Omnibus wird von 1951 bis 1964 geliefert und ist somit der typischste der Doppeldecker in Berlin. Man findet ihn noch heute auf zahlreichen Postkarten. Die zunächst offene hintere Plattform wurde ab 1963 aufgrund von Unfällen mit einer Falttür geschlossen. In der Umgangssprache des BVG-Personals heißen diese Omnibusse "Trampelwagen", da die Schaffner mangels eines Schaffnerplatzes durch den Wagen gehen mussten. 1978 wurde der letzte D2U ausgemustert.
Doppelstock-Omnibus D3U
Hierbei handelt es sich um die 1952 39 mal gelieferte dreiachsige Version des D2U.
Doppelstock-Omnibus DF64
thumb|right|Büssing DF64
1965 liefert Büssing 29 Doppelstock-Omnibusse mit zwei Treppen zum Oberdeck und drei Türen für den Fahrgastfluss an die BVG. Die Fahrzeuge waren nun luftgefedert. Die Schaffner bekamen einen eigenen Platz. Allerdings beschließt die BVG im gleichen Jahr den Umstieg auf den (schaffnerlosen) Einmannbetrieb, so dass diese Reihe eingestellt wird.
Doppelstock-Omnibus DE/DES
Von 1965 bis 1974 baut Büssing und später MAN Doppelstock-Omnibusse mit einer vorderen und einer vollautomatischen mittleren großen Falttür, die umgangssprachlich als "Jumbos" bezeichnet werden. Sie prägten das Bild Berlins in den 1970er und 1980er Jahren.
VÖV-Omnibusse
Ab 1969 beginnt man neben den Modellen mit Verkaufsbezeichnung die VÖV-konformen Typen BS100, BS110 und BS120 auf den Markt zu bringen. Mit der Übernahme durch die MAN AG wechseln diese weiterhin in Salzgitter-Watenstedt produzierten Typen in das dortige Programm.
Lastkraftwagen
Ebenso über die Grenzen Deutschlands hinaus waren die Lastkraftwagen der Marke Büssing bekannt. Im Logo der MAN Nutzfahrzeuge prangt noch heute der Braunschweiger Löwe.
Hier einige Typen die für Furore sorgten:
- Typ 8000, 180PS 13l Hubraum: Der Fernverkehrs-LKW schlechthin.
Literatur
- Wolfgang H. Gebhardt: Deutsche Omnibusse seit 1898. Stuttgart 2002, ISBN 9-783613-021402
Weblinks
- Informationen zu den Büssing-Fahrzeugen
- Traditionsbus Berlin - Detaillierte Beschreibung einiger Büssing Omnibusse, die den Berliner Verkehrsbetrieben geliefert wurden
