Byzantinischer Ritus

Der byzantinische Ritus entstand im Byzantinischen Reich und ist der Familie der östlichen christlichen Liturgien zuzurechenen. Sowohl orthodoxe Kirche als auch die mit Rom unierten Kirchen des byzantinischen Ritus feiern ihre Gottesdienste in dieser Form.

Im 4. Jahrhundert in Byzanz vor allem durch Johannes Chrysostomus und Basilius des Großen in eine feste Form gebracht, fand der byzantinische Ritus im 9. und 10. Jahrhundert durch die beiden Slawenapostel Kyrill und Methodius weite Verbreitung unter den slawischen Völkern (Bulgaren, Russen, Serben). Von Anfang an wurde die Landessprache verwendet, erst später bildete sich die Verwendung einer eigenen Kirchensprache (etwa das Kirchenslawisch in Russland) heraus. Liturgische Zusätze und Ausformungen kamen im Laufe der Zeit hinzu, die Herausbildung der heutigen Form geht aber im wesentlichen auf das 8. Jahrhundert zurück.

Im byzantinischen Ritus sind heute vier Liturgieformen in Gebrauch:

Inhaltsverzeichnis

1. Die heilige und göttliche Liturgie des hl. Vaters Basilius des Großen (+ 379)

Dieses Liturgieformular wird auf den Hl. Basilius von Caesarea zurückgeführt und wird heute - vermutlich wegen seiner Länge - nur an zehn Tagen im Jahr verwendet. Sie wird gefeiert an den Vortagen von Weihnachten (25. Dezember) und Theophanie (6. Januar), am Fest des Hl. Basilius (1. Januar), an den fünf ersten Sonntagen der Großen Fastenzeit, am Großen Donnerstag (Gründonnerstag) und am Großen Samstag (Karsamstag).

2. Die heilige und göttliche Liturgie des hl. Vaters Johannes Chrysostomus (+ 407)

Diese Liturgie ist die heute in den Kirchen des byzantinischen Ritus gebräuchlichste Form. Sie wird vor allem am Sonntag und an Festen gefeiert, in wenigen Kirchen auch am Werktag.

Aufbau der Chrysostomus-Liturgie

3. Die heilige und göttliche Liturgie des hl. Vaters Jakobus

Ursprünglich aus Palästina stammend und auf den Herrenbruder und Apostel Jakobus zurückgeführt, fand sie im 6. Jahrhundert Eingang in der byzantinischen Kirche. Sie wird heute jedoch nur noch sehr selten gefeiert, weil sie von den beiden vorher genannten Formen verdrängt wurde.

4. Die Liturgie der Vorgeweihten Gaben

Sie wird auf den römischen Papst Gregor den Großen (+604) zurückgeführt und besteht im Wesentlichen aus einem Vespergottesdienst, der mit einer Kommunionfeier verbunden wurde. Vermutlich ist sie aus pastoralen Erwägungen entstanden, um den Gläubigen auch an den Werktagen der Großen Fastenzeit den Kommunionempfang zu ermöglichen. Bis heute ist es nämlich in den Kirchen des byzantinischen Ritus untersagt, an den Werktagen der vierzigtägigen Fastenzeit eine eucharistische Liturgie zu feiern. Die Liturgie der Vorgeweihten Gaben wird am Mittwoch und Freitag der ersten sechs Fastenwochen, am Donnerstag der fünften Fastenwoche und am Montag, Dienstag und Mittwoch der Großen und Heiligen Woche (Karwoche) gefeiert. Im lateinischen Ritus der römisch-katholischen Kirche entspricht ihr die Präsanktifikatenliturgie am Karfreitag (Karfreitagsliturgie).

See also: Byzantinischer Ritus, Basilius der Große, Bulgaren, Byzantinisches Reich, Byzanz, Cherubim, Epiphanie, Eucharistie, Fastenzeit, Gottesdienst