Cannstatter Volksfest
Das Cannstatter Volksfest (auch Cannstatter Wasen genannt) ist ein zweiwöchiges Volksfest, das jährlich von Ende September bis Anfang Oktober auf dem "Cannstatter Wasen", einer Veranstaltungsfläche im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt, direkt am Neckar veranstaltet wird. thumb|300px|Fruchtsäule auf dem Cannstatter Wasen Auf dem Wasen finden ferner im Frühjahr das jährliche Stuttgarter Frühlingsfest (Dauer: drei Wochen) sowie in unregelmäßigen Abständen weitere Veranstaltungen, wie Zirkusvorstellungen und Freiluftkonzerte statt.
Daten und Fakten
Nach dem großen Rivalen, dem Oktoberfest in München, wird das Cannstatter Volksfest heute oft als das zweitgrößte Europas oder gar der Welt bezeichnet. Allerdings gibt es hierfür keine verlässlichen Statistiken. Mitte der 1990er Jahre ließen die Volksfest-Organisatoren eine offizielle Besucher-Zählung durchführen. Nachdem diese aber weit niedrigere Besucherzahlen zu Tage förderte, als bis dato veröffentlicht, wurde die exakte offizielle Zählung wieder eingestellt.
- Circa 3,5 Millionen Menschen sollen 2004 den "Wasen" in Stuttgart-Bad Cannstatt besucht haben - gegenüber 2,6 Millionen Besuchern im Jahr 2003, so die Schätzung von Karl Kuebler, dem Geschäftsfuehrer der "Versorgungsmärkte und Marktveranstaltungen Stuttgart" (VMS).
Das schwäbische Volksfest beginnt normalerweise eine Woche später als das Münchner Oktoberfest und wird damit der Bezeichnung Oktoberfest eher gerecht.
Geschichte des Cannstatter Volksfestes
Erstmals gefeiert wurde das Cannstatter Volksfest 1818. Gedacht als "jährlich am 28. September zu Kannstadt abzuhaltendes landwirtschaftliches Fest". Der Anlass war die Schaffung einer landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalt, als Reaktion auf viele Hungersnöte und Missernten. Diese Unterrichtsanstalt ist heute bekannt als Universität Hohenheim.
Bereits im ersten Jahr war das Volksfest ein großer Erfolg. Es wurde von weit mehr als 30.000 Gästen und Mitwirkenden berichtet.
Mit der Zeit wurde das Cannstatter Volksfest größer und gewann an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert dauerte das Fest zunächst nur einen einzigen, später drei, dann vier, ab den 1920er Jahren schließlich fünf Tage. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde der Wasen dann auf zunächst zehn, dann zwölf und seit 1972 auf die heute üblichen 16 Festtage ausgedehnt.
Zunächst gab es noch wenige so genannte "Volksfest-Buden" mit Schaustellern und Bierausschank. Sie wurden zugunsten der königlichen Loge und der Honoratioren-Tribünen an den Rand des eigentlichen Festgeländes verbannt.
Bereits 1860 kam es in Folge der zunehmenden Schausteller-Zahlen zu der heute typischen Anordnung in drei Hauptstraßen und zahlreichen Nebenstraßen, um den von Jahr zu Jahr immer größer werdenden Besucherzahlen genügend Platz zu lassen.
Das Cannstatter Volksfest wird stets am vorletzten Samstag im September um 11 Uhr durch den Stuttgarter Oberbürgermeister mit dem Fassanstich eröffnet.
Festzelte
Auf dem Cannstatter Volksfest finden sich inzwischen vier große Festzelte, von denen drei (das Festzelt Klauss, das Festzelt Laub und das Festzelt Grandl) seit 1982 ihren traditionellen Platz vor der Fruchtsäule haben.
thumb|Dinkelacker-Festzelt
Dinkelacker-Festzelt Klauss
Das Dinkelacker-Festzelt Klauss bietet Platz für ca. 5.000 Besucher. http://www.klauss.de/
thumb|Stuttgarter-Hofbräu-Festzelt
Stuttgarter-Hofbräu-Festzelt
Ins Zelt des Festwirts Grandl verfügt ebenfalls über ca. 5.000 Plätze. http://www.gastronomie-grandl.de/
thumb|Schwaben-Bräu-Festzelt
Schwaben-Bräu-Festzelt Laub
Neben 4.500 Sitzplätzen im Innenbereich bietet das Festzelt Laub weitere ca. 500 Stehplätze. http://www.laubwirt.de/
thumb|Fürstenberg-Festzelt
Fürstenberg-Festzelt Weitmann
Seit 2000 gibt es mit dem ebenfalls 5.000 Besucher fassenden Fürstenberg-Zelt ein viertes Großzelt auf dem Wasen. Der Einzug einer badischen Brauerei auf dem schwäbischen Volksfest sorgte zunächst für heftigen Ärger. Seitdem ist die Stimmung zwischen den angestammten Festwirten und dem Fürstenberg-Festwirt Walter Weitmann vergiftet.
thumb|Göckelesmaier-Festzelt
Festzelt Göckelesmaier
Der Betrieb des Festwirts Maier ist seit 1938 mit einem Festzelt auf dem Wasen vertreten. Seit 1949 ist der damalige Maier's Karle aufgrund seiner Spezialität (frische Hähnchen) als Göckelesmaier bekannt. Heute betreibt Göckelesmaier ein Zelt der mittleren Größe, welches knapp 2.000 Besuchern Platz bietet. http://www.goeckelesmaier.de/
thumb|Eventzelt Renz
Eventzelt Renz
Auch der Festwirt Renz betreibt ein Party- bzw. Eventzelt mittlerer Größe ohne Bestuhlung (ca. 1.800 Stehplätze) auf dem Cannstatter Wasen.
thumb|Wasenwirt-Festzelt
Festzelt Wasenwirt
Als drittes Hofbräu-Festzelt (neben Grandl und Göckelesmaier) bietet der Wasenwirt seinen Kunden 1.650 Plätze. http://www.wasenwirt.de/
thumb|Weinzelt Cannstatter Oberamt
Weinzelt Zaiß - Cannstatter Oberamt
Traditioneller kulinarischer Anbieter aus Bad Cannstatt auf dem Volksfest ist das Weinzelt des Weingärtners Zaiß.
Weinzelt Stamer
Auf dem Wasen gibt es des Weiteren das Weinzelt von Henny und Ernst Stamer.
Baurechtlich genehmigt sind 23.700 Sitzplätze (Zum Vergleich: München 2004: 14 Festhallen mit 100.000 Plätzen) [[Bild:Riesenrad-cannstatt-2004.jpg|thumb|left|]]
Attraktionen
Zu den großen Attraktionen gehören neben den Festzelten die Schaustellerbuden und Fahrgeschäfte. Aus 1.054 Bewerbungen hat Volksfest-Chef Karl Kübler 2004 333 Attraktionen (Vorjahr: 302) ausgewählt. Zu den größten Attraktionen des Cannstatter Volksfestes gehört seit Jahren das größte transportable Riesenrad der Welt mit 60 Metern Durchmesser. Allerdings fehlt seit 1998 eine Looping-Achterbahn. Diese war von 1984 bis 1997 die größte Fahrattraktion des Festes.
Zum ersten Mal stand 2004 der «Imperator» auf dem Wasen. Das größte Flugkarussell der Welt bietet 64 Passagieren Loopingfahrten bis in 35 Meter Höhe. Auch der «Power Tower 2», ein 66 Meter hoher Turm, feiert mit seinem freien Fall Premiere.
Fruchtsäule
Die Fruchtsäule ist eine mit Früchten dekorierte 26 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Holzsäule, die das Wahrzeichen des Cannstatter Wasens ist. Sie wird allerdings heute von zahlreichen Fahrgeschäften überragt.
Schon beim ersten Volksfest gab es eine Fruchtsäule als Wahrzeichen. Nach dem 1. Weltkrieg, mit dem Beginn der ersten deutschen Republik, wurde die Fruchtsäule als "monarchistisches" Überbleibsel vom Cannstatter Wasen verbannt. Seit 1935, dem 100sten Jahrestag, steht sie dann wieder auf ihrem angestammten Platz.
Die Fruchtsäule, deren Design im Laufe der Jahre immer geändert wurde, wurde bis vor kurzem alljährlich nach Abschluss des Volksfests demontiert. Alle paar Jahre wurde immer wieder eine neue Fruchtsäule mit anderem Design errichtet. Ab 1995 wurde sie versuchsweise einige Zeit lang ganzjährig stehen gelassen und war somit auch auf dem Stuttgarter Frühlingsfest erstmals zu sehen. Seit ein paar Jahren wird nur noch die Spitze demontiert und der Unterbau, in dem sich einige Informationsstände befinden und der während des Frühlingsfestes sie Cannstatter Stadtkanne trägt, stehengelassen.
Fahrgeschäfte und Buden
Insgesamt wurden 2004 54 Fahrgeschäfte aufgebaut, darunter
- 60-Meter-Riesenrad
- 47-Meter-Riesenrad
- Alpina-Achterbahn
- Freifallturm "Powertower", Höhe 66 Meter
- Imperator (Gewicht: 350 t)thumb|Imperator
- Wildwasserbahn
- Wilde Maus (in doppelter Ausführung)
- Airwulf
- Transformer
- Turboforce
- Indoor-Achterbahn "Black Hole"
- Booster
- Revolution
sowie 73 sonstige Geschäfte:Schieß-, Los- und Wurfbuden und Schaugeschäfte, 95 Verkaufsgeschäfte für Essen usw., einen Krämermarkt mit 60 Marktständen und einer Boxshow.
(Zum Vergleich: München 2004: 41 Fahrgeschäfte, 16 Kinderfahrgeschäfte, 17 Schau- und Belustigungsgeschäfte, 65 gastronomische Kleinbetriebe)
Französisches Dorf
Alljährlich gehört auch das Französische Dorf zum Cannstatter Volksfest. 2004 war es mit 33 Ständen vertreten. Dort können die Besucher bei landestypischer Musik französische Speisen und Getränke konsumieren.
Volksfestumzug
Traditionell findet ein Festumzug zum Wasen statt - heutzutage jeweils am ersten Sonntag des Festes. Ein wohl bis heute nicht überbotener Festumzugs-Rekord wurde 1954 aufgestellt, als über 300.000 Zuschauer zwischen Schlossplatz und Wasen die Straßen säumten.
Feuerwerk
Durch den Anfang Oktober gelegenen Tag der Deutschen Einheit profitieren die Betreiber seit 1990 von einem zusätzlichen arbeitsfreien Tag während des Volksfestes. Anlässlich des Nationalfeiertags wurde die alte Tradition des Volksfest-Feuerwerks wiederbelebt.
Landwirtschaftliches Hauptfest
Alle drei Jahre ist dem Volksfest das Landwirtschaftliche Hauptfest angeschlossen - der ursprüngliche Auslöser des herbstlichen Trubels auf dem Wasen. Das Landwirtschaftliche Hauptfest dauert nur rund eine Woche und kostet im Unterschied zum Volksfest Eintritt.
Betriebszeiten
Die Öffnungszeiten der Zelte und Imbißstände, sowie die Fahrzeiten der Fahrgeschäfte von Sonntag bis Freitag ist zwischen 11 Uhr und 23 Uhr. An Samstagen und vor Feiertagen dauert der Betrieb bis 23:30 Uhr, allerdings erlischt in den Festzelten um 23:00 Uhr die Musik. Kinderkarussells und andere Fahrbetriebe für Kinder beenden häufig schon um 22 Uhr den Betrieb.
Philatelie
Bis vor wenigen Jahren wurden Briefe, die in die auf dem Cannstatter Volksfest aufgestellten Briefkasten gesteckt wurden, mit einem Sonderstempel der Post versehen. Sie sind begehrte Sammlerobjekte.
Termine
- 67. Stuttgarter Frühlingsfest 2005: vom 16. April 2005 bis 8. Mai 2005
- 68. Stuttgarter Frühlingsfest 2006: vom 15. April 2006 bis 7. Mai 2006
- 160. Cannstatter Volksfest 2005: Sa 24. September 2005 - So 09. Oktober 2005
- Eröffnung am Samstag, 24. September um 11 Uhr mit Fassanstich durch den Stuttgarter OB
- Volksfestumzug am Sonntag, den 25. September, ab 11 Uhr
- Großfeuerwerk am Freitag, den 30. September, um 21.45 Uhr
- Wettfahrt der Heißluft-Ballone am Montag 3. Oktober 2005 ab 16 Uhr
- 161. Cannstatter Volksfest 2006: Sa 23. September 2006 - So 08. Oktober 2006
Volkslied
Das Volkslied "Auf'm Wase graset d' Hase" stammt vom Cannstatter Wasen.
