Carl Michael Bellman

Carl Michael Bellman, *4. Februar 1740 in Stockholm, †11. Februar 1795 ebenda, schwedischer Rokokodichter und Komponist, ist der berühmteste Liederdichter Schwedens und gilt in der schwedischen Literatur bis heute als Nationalpoet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Carl Michael Bellman wurde 1740 als Enkel von Johan Arendt Bellman d. Ä. (1664-1709), Professor für lateinische Rhetorik an der Universität Uppsala, und als erstes Kind des Sekretärs der Schlosskanzlei, Johan Arendt Bellman d. J. (1707-1765) und der Catharina Hermonia, Tochter des Pfarrers Michael Hermonius, im Haus seiner Großmutter, dem Großen Daurerschen Haus, Hornsgatan 29A im Stockholmer Stadtteil Söder geboren, in der Stadt, in der er fast sein gesamtes Leben verbringen sollte. Die Familie war väterlicherseits deutschen Ursprungs; der Urgroßvater war aus der Gegend um Bremen eingewandert. Auf Carl Michael folgten noch vierzehn(!) jüngere Geschwister, von denen sieben im Kindesalter starben. 1743 zog die Familie in das Kleine Daurersche Haus im Björngårdsbrunngränd (heute: Bellmansgatan 24) um, wo Carl Michael in wohlhabenden Verhältnissen aufwuchs und durch Privatunterricht eine sorgfältige Ausbildung erhielt. thumb|Carl Michael Bellman. Gemälde von Per Krafft d. Ä. 1779

Als Autor debütierte Bellman 1757 mit einer Übersetzung der „Evangelischen Todesgedanken“ von David von Schweidnitz ins Schwedische. Es folgten weitere religiöse, aber auch satirische Schriften wie die „Gedanken über die Unbeständigkeit der Mädchen“ (1758) oder die Gesellschaftssatire in Versen „Der Mond“ (1760). Ein Studium an der Universität Uppsala brach er bereits nach einem Semester wieder ab und erhielt 1759 eine unbesoldete Anstellung bei der Reichsbank. Bellman lebte über seine Verhältnisse und nahm hohe Schulden auf. 1763 waren sie auf den enormen Betrag von 18000 Reichstalern angewachsen, so dass er vor seinen Gläubigern heimlich über die Grenze nach Norwegen fliehen musste. Er konnte zwar einen Monat später mit einem königlichen Geleitbrief zurückkehren, verlor aber seine Stelle bei der Reichsbank und musste Anfang 1764 Konkurs anmelden. Nachdem er einige Monate auf dem Landgut seiner Familie, Visbohammar in Södermanland, zugebracht hatte, fand er auf Empfehlung eines Freundes eine Anstellung im Manufakturkontor bis zu dessen Auflösung Ende 1766 und kam schließlich in der Kanzlei der Königlichen Generalzolldirektion unter, bis auch diese 1772 aufgelöst wurde, wobei Bellman jedoch sein Gehalt weiter erhielt.

Bellman führte ein leichtsinniges Leben, erfüllte seine Dienstpflichten nur nachlässig, hielt sich viel in Kneipen und Gesellschaften auf, hatte Liebesaffären und war dem Alkohol zugetan. Sein erstaunliches Talent, leicht und schnell Verse aus dem Stegreif zu dichten (schon als Vierzehnjähriger hatte er während einer schweren Erkrankung im Fieberwahn in Versen gesprochen) machte ihn zu einem beliebten Gesellschafter und Unterhalter, dessen Ruf sich rasch verbreitete. Seine dichterische Begabung wendete er seit der Mitte der 60er Jahre an die Lieder, die ihn unsterblich gemacht haben. Er sang sie selbst mit vielfach gerühmter Vortragskunst im geselligen Kreis und begleitete sich dazu auf der Mandoline, der Cister oder dem Citrinchen, einer kleineren Abart der Cister mit glockenförmigem Korpus (zu sehen auf dem Gemälde von Per Krafft, das König Gustav III. für die königliche Gemäldesammlung anfertigen ließ). Die Lieder waren häufig Schöpfungen des Augenblicks (Bellman war bekannt dafür, dass er stundenlang improvisieren konnte), verschafften ihm bald große Popularität und wurden von Mund zu Mund und in handschriftlichen Kopien weitergegeben. Die insgesamt ca. 1800 überlieferten Dichtungen Bellmans stellen sicher nur einen Teil seines Schaffens dar. Nach vielen vergeblichen Bemühungen gelang es Bellman schließlich, zwei Sammlungen seiner Lieder zum Druck zu bringen: 1790 „Fredmans Episteln“, für die er 1793 die Lundblad-Preismedaille der schwedischen Akademie erhielt, und 1791 „Fredmans Lieder“. [[Bild:Bellman.jpg|thumb|Carl Michael Bellman. Federzeichnung von Johan Tobias Sergel, ca. 1790]]

Bellman konnte nicht mit Geld umgehen. Hatte er welches, gab er es mit vollen Händen aus, auch für seine Freunde, hatte er keines, machte er Schulden und ließ anschreiben. So kam er sein Leben lang nicht aus den finanziellen Schwierigkeiten heraus, wurde ständig von Gläubigern bedrängt und konnte alte Schulden oft nur mit neuen Krediten begleichen. König Gustav III., ein großer Förderer der schönen Künste, wurde 1773 durch die huldigende Komposition „Gustafs Skål“ (Gustavs Wohl) auf ihn aufmerksam, lud ihn regelmäßig an den Hof, ließ ihm aus seiner Privatschatulle großzügige finanzielle Unterstützung zukommen und sorgte auf eine gereimte Bittschrift hin dafür, dass Bellman 1776 mit dem Titel eines Hofsekretärs und einem Jahresgehalt von 1000 Talern bei der Königlichen Lotterie angestellt wurde. Ein Teil dieses Gehalts diente wohl dazu, Vertreter zu bezahlen, die die Amtsgeschäfte für ihn erledigten, mit dem Rest führte er das Leben eines freien Mannes. Am 19. Dezember 1777 heiratete er Lovisa Frederica Grönlund (*16.10.1755), die Tochter eines Gewürzhändlers, mit der er die Söhne Gustav (*1781), Carl (*1787) und Adolf (*1790) hatte; ein weiterer Sohn, Elis (*1785), starb kurz nach seinem zweiten Geburtstag an den Pocken. Bellman wurde auch als Ehemann weder häuslich noch treu, scheint aber ansonsten ein liebevoller Gatte und Vater gewesen zu sein. Seine fortwährende finanzielle Misere machte es ihm jedoch immer schwerer, seine Familie zu unterhalten, die deshalb mehrmals in immer schlechtere Wohnungen umziehen musste und nach seinem Tod völlig mittellos zurückblieb. Die Söhne Gustav und Carl wurden Soldaten und sind in jungen Jahren verschollen, Adolf wurde Seidenhändler in Stockholm und starb kinderlos 1834. Bellmans Witwe überlebte ihn um mehr als 50 Jahre und starb erst 1847 mit 91 Jahren.

Nachdem der König, dem er auch seinen Ehrentitel des „schwedischen Anakreon“ verdankte, 1792 einem Attentat zum Opfer gefallen war, verlor Bellman seinen letzten finanziellen Rückhalt. Von seinen Gläubigern mit Prozessen verfolgt, kam er schließlich 1794 für zwei Monate ins Schuldgefängnis. Dadurch verschlimmerte sich seine Lungentuberkulose, an der er 1795 starb. Sein Grab liegt auf dem Stockholmer Clara-Kirchhof.

Werk

Bellmans Hauptwerke sind die beiden Liedersammlungen „Fredmans Episteln“ (Fredmans epistlar) mit 82 Liedern und „Fredmans Lieder“ (Fredmans sånger) mit 65 Liedern. Seine übrigen Werke (religiöse und patriotische Lyrik, Satiren, Schauspiele, Gelegenheitsdichtung und Übersetzungen, u. a. von Gellerts Fabeln) treten in ihrer Bedeutung dahinter zurück.

„Fredmans Episteln“ knüpfen an die Episteln des Apostels Paulus an und parodieren anfangs den biblischen Ton, gehen aber weit über eine bloße Bibelparodie hinaus. Die Versform dieser Lieder ist überaus kunstvoll und variationsreich, ihr Inhalt oft derb, lustvoll und aus dem prallen Leben gegriffen. Sie handeln von fröhlicher Geselligkeit, Wein, Weib und Gesang, enthalten aber häufig auch Klagen über die Vergänglichkeit von Schönheit und Freude und elegische Betrachtungen über den Tod. Sie schildern kleine Dramen aus der Lebenswelt der Unterschicht, wobei ein fester Kreis von Personen auftritt, darunter der schönheitsdurstige und versoffene Uhrmacher Fredman, der schwindsüchtige Trinker und Musiker Movitz (ein alter ego Bellmans), der Korporal Mollberg und als Schönheits- und Liebesgöttin die Prostituierte Ulla Winblad. Sie sind größtenteils poetische Umgestaltungen realer Personen aus dem Stockholm des 18. Jahrhunderts. Auch auf mythologische Gestalten wird häufig Bezug genommen: der antike Weingott Bacchus steht für den Trunk, die Göttin Venus oder ihr nordisches Pendant Fröja für die Erotik und der Fährmann Charon für den Tod. Trotz ihrer zeitgebundenen Anspielungen und ihrer gelehrten Metaphorik wirken die Lieder auch heute noch durch ihren persönlichen Ton, ihre unmittelbare Frische, ein tiefes Empfinden für Naturschönheit, die Kombination von Realismus mit humoristischen und satirischen Überzeichnungen, ihre eigenartige Mischung aus überbordender Lebensfreude und düsterer Todesahnung und die enge Verbindung von Wort und Musik. Dabei übernahm Bellman die Melodien für seine Lieder oft aus populären zeitgenössischen Musikstücken und passte sie seinen Bedürfnissen an.

Wirkung

Besonders in Schweden, aber auch im übrigen Skandinavien sind Bellmans Lieder bis heute weithin bekannt und beliebt. Schon 1824 wurde in Stockholm eine Bellman-Gesellschaft gegründet. Am 26. Juli 1829 wurde im Stockholmer Djurgarden eine Bronzebüste Bellmans von Johan Niklas Byström feierlich enthüllt. Seitdem feiert man in ganz Schweden, vor allem aber in Stockholm, den 26. Juli als Bellman-Tag. Die heutige Bellman-Gesellschaft, die sich vor allem durch die Herausgabe der großen Werkausgabe verdient gemacht hat, wurde 1919 gegründet.

Auf der Stockholmer Insel Långholmen (Stora Henriksvik) und im Schlosshotel Aspa am Vätternsee gibt es Bellman-Museen.

Außerhalb von Nordeuropa hat Bellmans Werk vor allem in Deutschland Resonanz gefunden. Ernst Moritz Arndt pries ihn schon 1810 in den höchsten Tönen. 1856 erschien die erste Übersetzung ins Deutsche, der bis heute ein gutes Dutzend weitere folgten. Die bekanntesten und gelungensten Übersetzungen stammen von Carl Zuckmayer, der 1938 (Neufassung 1953) auch das Theaterstück „Ulla Winblad“ herausbrachte, Fritz Grasshoff, Klaus-Rüdiger Utschick und besonders Hans Carl Artmann (1976). Bellmans Lieder wurden und werden von zahlreichen deutschen Künstlern gesungen; am bekanntesten sind die Aufnahmen von Carl Raddatz (1965), Manfred Krug (1974/1997), Harald Juhnke (1976/1996), Dieter Süverkrüp (1996) und Hannes Wader (1996).

Literatur

Bearbeitungen für Blasorchester

Weblinks

Bellman, Carl Michael Bellman, Carl Michael Bellman, Carl Michael Bellman, Carl Michael

See also: Carl Michael Bellman, 11. Februar, 1740, 1743, 1757, 1758, 1759, 1760, 1763, 1764