Carl Vogt

August Christoph Carl Vogt (* 5. Juli 1817 in Gießen, † 5. Mai 1895 in Genf) war Mediziner, Zoologe, Geologe und Polarforscher.

Studium der Medizin ab 1833 in Gießen u.a. bei Justus von Liebig, das er 1839 in Bern abschloss. Einer seiner Kommilitonen war Georg Büchner. 1839 Promotion mit einer Dissertation zur Anatomie der Amphibien zum Doktor der Medizin. Mit Eduard Désor ging er bis 1844 zu dem Geologen Louis Agassiz nach Neuchâtel. Dort absolvierte er anatomische und entwicklungsgeschichtliche Studien. Bei dem Zoologen Georges Cuvier machte er mit dessen "Katastrophentheorie" bzw. Kataklysmentheorie Bekanntschaft, lernte aber auch auf dem Gebiet der Gletscherkunde und der Geologie hinzu. Allerdings suchte Vogt mit dieser Theorie nicht die Größe Gottes zu beweisen, sondern die Natürlichkeit allen revolutionären Geschehens zu begründen. Die derart interpretierte Kataklysmentheorie stand fortan im Mittelpunkt des Beitrages, den Vogt zur idelogischen Vorbereitung der Revolution von 1848/1849 leistete. Nach Differenzen mit Agassiz unternahm er meeresbiologische Forschungen. Danach hielt er sich bis von 1845 bis 1847 in Frankreich, u.a. in Paris, auf.

Politisches Interesse führte in früh in Kontakt zu Pierre Proudhon, Michail Bakunin, Georg Herwegh, James Fazy und Alexander Herzen. Herwegh und Bakunin hatten Vogt bei seinen in Nizza durchgeführten Forschungen über das Leben niederer Meerstiere begleitet, und mit ihnen hatte er damals einen Aufstand gegen den Fürsten von Monaco teilgenommen. Gegen verschiedene Einwände wurde er 1847 erster Professor für Zoologie in Gießen. Hier gründete er einen in Opposition aus Professoren und Dozenten bestehenden "Sonderbund". Hier stand er bald im Mittelpunkt antiaristokratischer Studentenkreise. In den Physiologischen Briefen zeigte er erstmals an, dass er naturwissenschaftliche Kenntnisse materialistisch und atheistisch betrachtete. Im 12. Brief ("Physiologische Briefe für Gebildete aller Stände", Stuttgart-Tübingen,1847) findet man den viel zitierten Satz, "daß die Gehirne in demselben Verhältnis etwa zu dem Gehirne stehen, wie die Galle zu der Leber oder der Urin zu den Nieren". Diese Aussagen führten zu der Bezeichnung "physiologischer Materialismus", und zu dieser Strömung wurde Vogt eingeordnet.

1848 war er Abgeordneter der Deutschen Nationalversammlung für Gießen in der Frankfurter Paulskirche. Zusammen mit Robert Blum galt er als Wortführer der demokratischen Linken. Er wirkte auch als Oberst der Gießener Bürgergarde und im Frankfurter Vorparlament. Mit dem Rumpfparlament ging er nach Stuttgart, wo er zwölf Tage den Posten einer der fünf Reichsregenten inne hatte.

Von der Reaktion verfolgt und seiner Amtsenthebung aus seinem Lehramt flüchtete er 1849 in die Schweiz, dort 1852 Professor für Geologie in Genf. Carl Vogt wurde der erste Rektor der Universität Genf. 1861 Leitung der Polarfahrt des Georg Berna nach Jan Mayen und Island, in Begleitung des Frankfurter Malers Heinrich Hasselhorst. Diese Unternehmung verstand er als schweizerisch-frankfurtische Expedition zweier freier europäischer Republiken. Im Jahre 1872 wird er in Genf zum Professor für Zoologie ernannt. Gegen den Physiologen Rudolf Wagner schreibt er 1855 die Streitschrift Köhlerglaube und Wissenschaft gegen dessen Eintreten für christlichen Seelen- und Schöpfungsglauben, der als "Materialismusstreit" in die Literatur eingegangen ist.

Er trat nun auch in öffentlichen Vorträgen mit seinen philosophischen Überzeugungen auf. 1863 wurden diese in der Veröffentlichung "Vorlesungen über den Menschen" niedergelegt, worin er die Abstammung des Menschen vom "Affentypus" und die unabhängige Abstammung verschiedener Menschenrassen behauptete. Danach wurde der der "Affenvogt" genannt. Gegen Ernst Haeckel verfasste er die Streitschrift "Darwinistische Ketzereien", worin er gegen dessen "Dogmen" Stellung bezog.

Er war ein erbitterter Gegner des revolutionären Sozialismus und gegen Karl Marx, dem er persönlich verbrecherische Absichten unterstellte. Er trat zuerst 1859 für Preußen ein, um dann nach dem Kriege die Interessen Franbkreichs zu unterstützen. In seiner Streiotschrift "Herr Vogt" (1860) zeigte Marx, dass Vogt ein bezahlter Geheimagent von Louis Bonaparte war.

In späeteren Jahren wurde Vogt immer mehr in die Schweizer Politik integriert. So wurde er Mitglied des Großen Rates, des eidgenössischen Ständerates und schließlich 1878 des schweizerischen Nationalrats bis 1881. Zu seinem Andenken gibt es den "Boulevard Carl Vogt" in Genf und ein Denkmal für Carl Vogt vor der Universität Genf.

Werke

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Personendaten
Vogt, August Christoph Carl
Mediziner, Zoologe, Geologe und Polarforscher
5. Juli 1817
Gießen
5. Mai 1895
Genf

See also: Carl Vogt, 1817, 1833, 1839, 1844, 1845, 1847, 1848, 1849