Causa sui

Causa sui (lat. causa "Ursache", "Grund", sui: durch sich selbst), eigentlich: "die Ursache ihrer (seiner) selbst" bezeichnet eine von Baruch Spinoza entwickelte These, wonach die Substanz (bei Spinoza die Natur) die Ursache ihrer selbst sei und nicht eines Anstoßes von außen, einer äußeren Ursache, bedürfe.

Diese These war gegen die theologische Lehre von Gott als Schöpfer, Beweger und Erhalter der Welt gerichtet. Spinoza blieb der theoretischen Vorstellung noch insofern verhaftet, als er die Natur auch als Gott bezeichnete ("Deus sive natura" – Gott oder die Natur).

Unter den damaligen Bedingungen hatte diese Formel jedoch eine antitheologische Bedeutung, was sich in den heftigen Verfolgungen der Lehre Spinozas durch die theologische Orthodoxie und die idealistische Philosophie des 18. Jahrhunderts zeigte.

Der Begriff causa sui wies in die Richtung einer dialektischen Erklärung der Wirklichkeit. Indem Spinoza forderte, die Bewegungsursache der Natur in dieser selbst aufzusuchen, wirkte er dem metaphysischen Denken entgegen, welches die Ursachen der Bewegung des Systems außerhalb desselben erblickte.

Im dialektischen Denken Georg Wilhelm Friedrich Hegels wurde die Ursache der Bewegung und Entwicklung im Wirken der inneren Widersprüche erkannt.

Den Idealismus der Hegelschen Auffassung, wonach die widersprüchlichen Beziehungen von Begriffen die treibende Kraft der realen Entwicklung sei, wurde in der Dialektik des modernen Materialismus überwunden, indem die objekiven Widersprüche im System der Wirklichkeit selbst als Quelle und Triebkraft der Entwicklung erkannt wurden.

Siehe auch: Spinozismus, natura naturans, natura naturata

See also: Causa sui, 18. Jahrhundert, Baruch Spinoza, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Latein, Natura naturans, Natura naturata, Spinozismus, Substanz, These