Paul Cézanne

thumb|250px|Selbstportrait des MalersPaul Cézanne (* 19. Januar 1839 in Aix-en-Provence; † 22. Oktober 1906 in Aix-en-Provence) war ein französischer Maler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

1839

Paul Cézanne wird am 19. Januar 1839 im südfranzösischen Aix-en-Provence geboren. Sein Vater, Louis-Auguste Cézanne, war ein erfolgreicher Händler mit Filzhüten, der das Vertrauen der Bürger gewann und 1848 in der heimatlichen Stadt das Bankhaus „Cézanne & Cabassol“ gründet. Seine Mutter, Anne-Élisabeth Aubert, bringt 1841 seine Schwester Marie zur Welt.

1852

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Stillleben mit Äpfeln, um 1890

Auf dem Collège Bourbon knüpft er Freundschaft mit Emile Zola und dem späteren Ingenieur Jean-Baptistin Baille. Zusammen werden sie als „die drei Unzertrennlichen“ bekannt. Es ist die wohl unbeschwerteste Zeit seines Lebens, wo, an den Ufern des Arc, die Freunde ihre Liebe zur Natur, zur Kunst und zur Freiheit entwickeln werden. Nimmt ab 1857 Unterricht an der Freien Städtischen Zeichenschule. Doch auf Wunsch seines Vaters, der in seinem Sohn traditionell den Erben seiner Bank sieht, immatrikuliert er sich an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität von Aix für das Studium der Jurisprudenz.

1858

Zola, der im Februar mit seiner Mutter nach Paris gezogen ist, legt ihm eindringlich nahe, in die Stadt nachzukommen. Cézanne besteht ein Jahr darauf das erste juristische Examen, schreibt sich aber nicht mehr für das zweite Studienjahr ein. Er besucht weiter die freie städtische Zeichenschule von Aix und gewinnt im August 1859 dort den zweiten Preis für Malerei. Der Vater kauft das Anwesen Jas de Bouffan, ehemaliger, barocker Palast des Provinzgouverneurs. Unter der Bedingung ein ordentliches Studium anzutreten, gibt der Vater seinem Sohn nach und Cézanne folgt im April 1861 Zola nach Paris: „Ich dachte, als ich Aix verließ, daß ich die Langeweile, die mich verfolgt, hinter mir lassen würde. Hingegen habe ich nur den Ort gewechselt und die Langeweile ist mir gefolgt. (…) Ich habe auch den Salon gesehen. Ich glaube, für ein Kind, das für die Kunst geboren ist, das sagt, was es denkt, ist dort noch der beste Platz, weil dort alle Geschäker aller Richtungen aufeinanderstoßen.“ Und Zola ergänzt: „Paul ist immer noch der vortreffliche und seltsame Bursche, wie ich ihn in der Schule gekannt habe. Zum Beweis dafür, daß er nichts von seiner Originalität eingebüßt hat, brauche ich dir nur zu sagen, daß er, kaum hier eingetroffen, davon sprach, zurück nach Aix zu gehen.“ Er bewirbt sich an der École des Beaux-Arts und betreibt an der Académie Suisse Studien, hauptsächlich im Aktzeichnen. Dort trifft er den zehn Jahre älteren Camille Pissarro. Im September kehrt er enttäuscht durch die Ablehnung an der École nach Aix-en-Provence zurück und arbeitet in der Bank seines Vaters.

1862

Cézanne geht wieder nach Paris, da er sich nicht mit der Arbeit im Bankwesen abfinden kann. Sein Vater sichert sein Existenzminimum mit einem monatlichen Wechsel von wenig über 100 Franc. Die "École des Beaux-Arts" lehnt ihn erneut ab. Er besucht aber wieder die Académie Suisse. „Ah. Die Boheme der sechziger Jahre!“ – So wird er diese bedeutende Zeit der Malerei später preisen, in welcher er fast alle seine Mitstreiter kennen lernt, nach Pissarro also Claude Monet, Auguste Renoir, Alfred Sisley. Cézanne arbeitet wie viele seiner Zeit im Louvre nach den Meistern, steht aber genauso unter dem Eindruck Gustave Courbets und Eugene Delacroixs, welche auf verschiedene Weise gleichfalls nach einer Erneuerung der Meister streben. Der Ausschluß der Werke von Eduard Manet, Pissarro und Monet vom offiziellen Salon 1863, also der Jahresausstellung der Ecole des Beaux-Arts, erregt eine solche Empörung, dass Napoléon III, neben dem offiziellen Salon, einen „Salon des Refusés“ (Salon der Abgelehnten) einrichten lässt. 1869 lernt er die 11 Jahre jüngere Buchbindergehilfin Hortense Fiquet kennen, die zum Nebenverdienst als Model arbeitet. 1870 leben Cézanne und Fiquet während des Deutsch-Französischen Krieges im Fischerdorf L'Estaque bei Marseille. Nach Ausrufung der Pariser Kommune kehren die beiden im Mai 1871 nach Paris zurück. Dort wird am 4. Januar 1872 der gemeinsame Sohn Paul geboren. Er verschleiert seine nicht standesgemäße Familie vor dem Vater, um das Geld nicht zu verlieren, welches dieser ihm zum Leben als Künstler lässt. Er folgt bald darauf der Einladung Pissarros nach Pontoise im Tal der Oise.

1874

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Eine moderne Olympia, ca. 1873-1874

In diesem Jahr organisiert maßgeblich Camille Pissarro die erste Gruppenausstellung der Impressionisten und auch er ist es der Cézannes Teilnahme gegen die Bedenken einiger Mitglieder durchsetzt. Die Ausstellung wird ein grandioser Negativ-Erfolg. Publikum und Kritiker, für welche „das Ideal“ der École der Beweis für das Vorliegen von Kunst ist, kommen um ein Gelächter zu veranstalten. Von Monet behauptet ein Kritiker er male indem er seine Farben in ein Gewehr lade und auf die Leinwand schießt. Vor einem Bild Cézannes führt ein Kollege einen Indianertanz auf und ruft: „Huh, Huh, ich bin Cézanne! Ich bin „Das Haus des Gehängten“! Im Jahr 1876 trifft er den Zollinspektor Victor Chocquet, der, vermittelt durch Renoir, drei seiner Arbeiten kauft und sein erster und treuester Sammler wird. An der zweiten Ausstellung der Gruppe nimmt Cézanne nicht teil, präsentiert dafür dort ein Jahr später gleich 16 seiner Werke. Mit Antoine Guillemet wird im Jahre 1882 ein Freund Cézannes Mitglied der Jury des Salons. Da jedes Jurimitglied das Privileg hat, ein Bild eines seiner Schüler zu zeigen, gibt er Cézanne als seinen Schüler aus und erreicht dessen erste Teilnahme. Das Werk, es ist ein Portrait seines Vaters aus den sechziger Jahren, wird an die schlecht belichtete Stelle eines abgelegenen Saals in die oberste Reihe gehängt und erfährt keinerlei Resonanz. Er sieht häufiger Zola, Pissarro, Monet und Renoir.

1886

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Das Haus des Gehängten (1873)

Am 28. April Heirat mit Fiquet. Kurz darauf erbt Cézanne im Oktober nach dessen Tod das Vermögen seines Vaters. Emile Zola, der den Jugendfreund inzwischen als einen Gescheiterten betrachtet, veröffentlicht seinen Roman " l'Œuvre", dessen armer Held, der Maler Claude Lantier, an der Vorstellung eines unerreichbaren Ideals zerbricht. Cézanne bedankt sich förmlich für die Zusendung der auf ihn gemünzten Arbeit. Der Kontakt der beiden Kindheitsfreunde bricht darauf für immer ab. Er lebt in Paris und zunehmend in Aix ohne seine Familie. Im Januar 1888 besucht ihn dort Renoir. Sie arbeiten gemeinsam. Zwei Jahre später stellt er drei seiner Werke bei der Gruppe der „Zwanzig“ in Brüssel aus.

1895

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Stillleben mit Wasserkrug (1892/93)

Im Mai 1895 besucht er zusammen mit Pissarro die Ausstellung Monets (die Kathedrale von Rouen) in der Galerie Durand-Ruel. Er ist begeistert, nennt aber später bezeichnender weise das Jahr 1868 als Monets stärkste Zeit, als dieser noch mehr unter dem Einfluss Courbets stand. Ambroise Vollard, ein aufstrebender Galerist, durch Monet und Pissarro auf ihn aufmerksam gemacht, eröffnet im November 1895 die erste Einzelausstellung. Er zeigt eine Auswahl aus etwa 150 Werken, die ihm Cézanne, zusammengerollt in einem Paket, zugeschickt hat. Er fand den damals praktisch untergetauchten Maler nach einer aufwändigen Suche in Paris. Pissarro schreibt: „Vollard macht eine sehr umfassende Cézanne-Ausstellung (...) in der es hervorragende Sachen gibt, Stilleben von einer unantastbaren Vollkommenheit, anderes, sehr gut Durchgearbeitetes, aber mittendrin liegen gelassen, das noch schöner ist, Landschaften, Akte, unvollendete Köpfe, die dennoch großartig und wirklich malerisch sind. Warum? Es steckt Empfindung darin!“ Und Vollard erzählt rückblickend: „Die Ausstellung dieser Meister- oder, wenn man will, Greuelwerke, rief bei allen Kunstliebhabern die leidenschaftlichsten Reaktionen hervor. Das "Journal des Artistes" gab den allgemeinen Ton von damals wieder, indem es besorgt fragte, ob seine empfindsamen Leserinnen beim Anblick „dieser bedrückenden Abscheulichkeiten, die das Maß des gesetzlich erlaubten Übels übersteigen“, nicht von Übelkeit befallen werden.“ 1897 erfolgt der erste Museumsankauf durch die Berliner Nationalgalerie unter dem Direktor Hugo von Tschudi. Es ist eine Landschaftsmalerei „Die Mühle bei Pontoise“. Seine Mutter stirbt.

1899

Cézanne lebt von kleineren Reisen abgesehen in Aix, während seine Frau und sein Sohn zumeist in Paris leben. Er verkauft das nun praktisch verwaiste Jas de Bouffan und zieht in das Stadtzentrum von Aix um. 1901 erwirbt er ein Grundstück nördlich der Stadt, wo er nach seinen Bedürfnissen ein Atelier bauen lässt. Nach der Anerkennung durch die Mitstreiter und die Avantgarde der nächsten Generation, beginnt auch die Reaktion des Kunstmarktes. Pissarro schreibt im Juni 1899 aus Paris von der Versteigerung der Sammlung Chocquets: „Es sind zweiunddreißig erstklassige Cézannes dabei. (…) Die Cézannes wird man wohl sehr teuer verkaufen, sie werden schon um die 4000 bis 5000 Francs vornotiert.“ Zum Vergleich verauktionierte man 1894 Cézannes noch zwischen 45 und 215, kurz darauf bereits für 600 bis 800 Francs. Den Salon des Indépendants von 1904, wo Cézanne 33 seiner Werke ausstellt, nennt Charles Maurice, „Mercure de France“: "Eine einzige Hommage an Cézanne".

1906

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Schädelpyramide, um 1901

Kurz vor seinem Tod schreibt er seinem Sohn: „Das Wetter neigt zum Gewitter und ist sehr unbeständig. Ich fühle mich geschwächt, nur die Ölmalerei hält mich aufrecht. Man muß weiter machen. Ich muß also nach der Natur verwirklichen. Alles an Skizzen und Malerei mache ich nach der Natur, ausgehend von den Mitteln, den Empfindungen und Entwicklungen, die das Motiv mir suggeriert, doch ich sage immer dasselbe.“ Cézanne gerät beim Malen vor dem Motiv in ein Unwetter, unterkühlt stark und zieht sich eine schwere Lungenentzündung zu. Eine Woche später, am 22. Oktober 1906, stirbt Cézanne, der die Akademie mit der gleichen Leidenschaft verachtete wie er die Meister liebte, der seine Nachfolger und die Anfänge der Moderne mit wenigen Worten abtat und sich gegen Ende, in einem Wort unter Vertrauten, den einzigen (letzten) Maler nannte, in seiner Heimatstadt Aix-en-Provence.

Entwicklung

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Junger Mann mit roter Weste (1888/89)

Zola hat als Literat sehr früh die „Gefahr“ Cézannes erkannt und dessen wesentliche Entwicklungsrichtung. Im April 1860 schreibt er: „Du hast begriffen, wie schwer es ist, der Eingebung folgend, Farben auf die Leinwand zu setzen, und ich verstehe, daß Du Dich vor einem Bild (…) für diesen oder jenen Pinselstrich begeisterst usw. Hüte Dich aber (...) ein Bild darf nicht nur aus Farben auf einer Leinwand bestehen.“ Cézanne kam umgekehrt immer mehr von einer literarischen Malerei ab. Seine Werke der frühen Jahre sind, neben einfachen realistischen Studien, noch voll von einer schweren, rauschhaften, vielfach düsteren Sinnlichkeit und Schicksalsverhängtheit. Symbolik, Psychologie und Atmosphäre ordnet er aber einer allein auf Auge und Komposition beruhenden Malerei immer mehr unter. Er legt das Licht den Dingen immer weniger als Reflex auf, sondern gewinnt es aus der harmonischen Farbgebung selbst, um die Gegenstände mit Licht „einzuhüllen“ und wie aus einer „geheimen Sonne“ zu speisen. Genauso entfernt sowohl von der erstarrten „Klassik“ des Akademismus, wie von der puren Unmittelbarkeit ohne „Logik“ des Impressionismus, macht dieses reine Studium Cézanne zu einem Maler wie er ihn selbst preist: „Und vor allem liebe ich an den Bildern von Veronese, daß man nicht darüber quatschen kann. Man liebt sie, wenn man die Malerei liebt.“ Nach Effekten und Aussagen, welche den Zugang zu anderen Künstlern so erleichtern, wird man darum im Werk Cézannes mit seinem Fortschritt immer vergeblicher suchen und sich statt dessen an ein Wort Delacroixs erinnern: „Würde man hundertzwanzig Jahre alt, würde man Tizian schließlich allen Malern vorziehen, weil er der am wenigsten manierierte ist.“

Methode

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Le vase paillé (um 1895)

Wie für die Antike und die alten Meister ist für Cézanne die Grundlage der Malerei das Zeichnen, die Voraussetzung aller Arbeit aber die Unterordnung unter den Gegenstand, bzw. das Auge oder das reine Schauen: „Das ganze Wollen des Malers muß schweigen. Er soll in sich verstummen lassen alle Stimmen der Voreingenommenheit. Vergessen! Vergessen! Stille schaffen! Ein vollkommenes Echo sein. Die Landschaft spiegelt sich, vermenschlicht sich, denkt sich in mir. Ich steige mit ihr zu den Wurzeln der Welt. Wir keimen. Eine zärtliche Erregung ergreift mich und aus den Wurzeln dieser Erregung steigt dann der Saft, die Farbe. Ich bin der wirklichen Welt geboren. Ich sehe! (...) Um das zu malen muß dann das Handwerk einsetzen, aber ein demütiges Handwerk, das gehorcht und bereit ist unbewußt zu übertragen.“ Mit einem Wort: „Meine Methode ist der Haß gegen das Phantasiegebilde.“ Dies war für Cézanne die enge aber notwendige Basis dafür: „Jeden Tag Fortschritte zu machen, worauf es ankommt." Emile Bernard, der den Maler in dessen letzten Jahren kennen lernt, schreibt später: „Seine Arbeitsmethode war eigenartig und vollkommen abweichend von den gebräuchlichen. Er begann mit den Schattenteilen und mit einem Fleck, auf den er einen zweiten, größeren setzte, dann einen dritten, bis alle diese Farbtöne, zueinander geordnet, die Gegenstände hervorbrachten. Da begriff ich, daß ein Harmoniegesetz seine Arbeit leitete und daß diese Modulationen eine im voraus festgesetzte Richtung hatten.“ In dieser vorherbestimmten Richtung liegt für Cézanne das eigentliche Geheimnis der Malerei, nämlich der Zusammenhang von Harmonie und der Illusion der Tiefe: „Die Farbe muß diesen Sprung in die Tiefe ausdrücken. Daran erkennt man das Können des Malers. (…) Aus der genauen Beziehung der Farbtöne geht die Modellierung hervor. Wenn die Töne harmonisch nebeneinander stehen, modelliert sich das Bild von selbst.“ Einem Besucher erklärt er nacheinander auf zwei Teile seines Bildes deutend und ohne überhaupt Zeichnung und Tiefe zu unterscheiden: „Sehen Sie, hier, das ist gezeichnet, das ist gut, aber hier, das ist schlecht, hier ist die Farbe Farbe geblieben und nicht Ausdruck der Tiefe.“

Werke (Auswahl)

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Weblinks

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Personendaten
Cézanne, Paul
französischer Maler
19. Januar 1839
Aix-en-Provence
22. Oktober 1906
Aix-en-Provence

See also: Paul Cézanne, 1839, 1841, 1848, 1857, 1859, 1861, 1863