Cheder

Cheder ist das hebräische Wort für Zimmer und die Bezeichnung für die traditionellen, religiös geprägten Schulen, wie sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im westeuropäischen Judentum üblich waren.

Der Unterricht im Cheder fand im Haus des Lehrers statt, der von der jüdischen Gemeinde bzw. einer Gruppe von Eltern finanziert wurde. Diese Form der Erziehung war in der Regel nur Jungen zugänglich, Mädchen lernten meist bei den Müttern nebenher. Der Unterricht fand in kleinen Gruppen mit Jungen verschiedener Altersgruppen statt.

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Ein deutscher Cheder, Darstellung aus dem 16. Jahrhundert

Die Jungen traten mit etwa 5 Jahren in den Cheder ein. Sie erlernten zunächst das Hebräische Alphabet und die Hebräische Sprache (Umgangssprache des europäischen Judentums war vom Mittelalter bis zur Aufklärung das Jiddische). Auf dieser Grundlage studierten sie dann die Thora, beginnend mit dem 3. Buch Mose, und anschließend den Talmud, d.h. Mischna, Gemara und zusätzliche Kommentare. Gegenseitiges Vorlesen und Auswendiglernen waren die vorherrschenden Lernformen. Im Alter von 13-14 Jahren wurde die Ausbildung im Cheder mit der Bar Mizwa abgeschlossen. Bei dieser Zeremonie liest der heranwachsende Junge, der bei dieser Gelegenheit ebenfalls Bar Mizwa (wörtlich "Sohn des Gebots") genannt wird, im Rahmen eines Gottesdienstes vor der versammelten Gemeinde einen Abschnitt aus der hebräischen Thora-Rolle vor.

Für das weitere Studium zum Rabbiner oder Sofer gab es Jeschiwot, d.h. Talmud-Hochschulen, etwa in Worms, Fürth oder in Prag, das für jüdische Studien einen hohen Ruf genoss. Nachdem viele Juden im Mittelalter vor Pogromen im Zusammenhang mit den Kreuzzügen nach Osteuropa geflohen waren, lag das intellektuelle Zentrum des europäischen Judentums während vielen Jahrhunderten in dieser Region.

Das Cheder-System wurde am Ende des 18. Jahrhunderts sowohl von seiten der jüdischen Orthodoxie als auch von den aufgeklärten Anhängern der Haskala kritisiert.

Die orthodoxe Seite kritisierte vor allem die oftmals mangelhafte Qualifikation der Lehrer, die meist schlecht bezahlt waren und vor allem in kleinen Dörfern nebenher noch als Schlachter, Vorsänger oder Totengräber arbeiteten und somit die Lehrertätigkeit nur nebenberuflich betreiben konnten. Auch kam es nicht selten vor, dass Lehrer die Kinder zu früh auf die nächste Stufe des Studiums aufrücken ließen, weil sie für Fortgeschrittene etwas mehr Geld erhielten als für den Elementarunterricht.

Die Anhänger der Aufklärung kritisierten das ganze System, weil es durch seine sprachliche und räumliche Abschottung von der christlichen Umwelt die Integration und Emanzipation der Juden verhinderte. Sie sprachen sich für zusätzlichen Unterricht in deutscher Sprache aus und forderten die Einbeziehung weltlicher und berufspraktischer Inhalte. Diese Ziele verwirklichten aufgeklärte deutschsprachige Juden seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, indem sie jüdische Reformschulen, auch "Freischulen" genannt, einrichteten. Die Reformschulen-Bewegung und die Einführung der allgemeinen Schulpflicht führten im 19. Jahrhundert zur Auflösung des Cheder-Systems im deutschsprachigen Raum. In Osteuropa wurde die Ausbildung im Cheder vielerorts bis zum Holocaust fortgesetzt.

Literatur

See also: Cheder, 3. Buch Mose, Aufklärung, Bar Mizwa, Fürth, Gemara, Gottesdienst, Haskala, Hebräische Sprache, Hebräisches Alphabet