Chinesische Familiennamen

Unter den Chinesischen Familiennamen (Chinesisch: 姓, pinyin: xìng, auch: Clanname, Sippenname) versteht man einen der über siebenhundert Familiennamen, die von den Han-Chinesen benutzt werden und die darüberhinaus bei sinisierten Nationalitäten Chinas in Verwendung sind. Es gibt in der chinesischen Sprache den Ausdruck die hundert Familiennamen (百姓 bǎi xìng ), was zu deutsch als die gewöhnlichen Leute zu übersetzen ist. Der Familienname wird in der chinesischen Gesellschaft vom Vater an die Kinder weitergegeben. Wird jemand adoptiert, so bekommt er in der Regel den Familiennamen des Adoptivvaters.

Obwohl es über 700 chinesische Familiennamen gibt, teilt sich die überwiegende Mehrheit der Chinesen nur etwa 20 sehr häufig vorkommende Namen. Dies hat statistische Gründe. Es ist wahrscheinlicher, dass der Vater eines Kindes einen häufig vorkommenden Namen als einen seltenen hat. Man kann mathematisch beweisen, dass seltene Namen mit der Zeit immer seltener werden. Da die chinesischen Familiennamen schon seit viel längerer Zeit als die europäischen Familiennamen benutzt werden, ist dieser Prozess schon weiter fortgeschritten.

Daneben war es in der chinesischen Kaiserzeit üblich, dass die chinesischen Kaiser ihren Familiennamen an ihre Untergebenen weitergaben, um sie zu befördern. Mit der Ausnahme von Kaisern, die nicht den Han-Chinesen angehörten, hatten die chinesischen Kaiser ganz normale Familiennamen - nicht so wie in Europa, wo man den Adelsstand schon aus dem Familiennamen ablesen konnte. So hießen alle Kaiser der Han-Dynastie Liu, und alle Kaiser der Ming-Dynastie hießen Zhu.

Dies war das Ergebnis der chinesischen Kaisertheorie, nach welcher ein gewöhnlicher Bürger das Mandat des Himmels bekommen konnte und somit zum Kaiser ausgerufen werden konnte. Wer Kaiser wurde, behielt dann aber seinen eigentlichen Familiennamen.

Daneben, und auch das unterscheidet China von Europa, verlor die gesamte Familie des Kaisers die Macht, wenn das Kaisergeschlecht abgelöst wurde. Somit war die Weitergabe des Familiennamens durch die Kaiser an die Untertanen auch ein Mittel, letztere an sich zu binden.

Als Folge der Praxis, dass der Kaiser seinen Familiennamen an seine Untertanen weitergab, um sie zu befördern, gab es sehr viele Menschen mit dem gleichen Namen wie der Kaiser, jedoch ohne Verwandtschaftsbeziehung zu ihm oder der Kaiserfamilie.

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Besonderheiten

In chinesischen Namen werden die Familiennamen immer vor dem Vornamen geschrieben, also zum Beispiel CHEUNG Kwok Wing. Das führt zu einiger Verwirrung für Chinesen im Ausland und Ausländern in China. Deshalb haben Chinesen, die in verwestlichten asiatischen Staaten leben, oft zusätzlich noch einen westlichen Vornamen, beispielsweise Leslie Cheung. Auch in der Volksrepublik China kann man das zunehmend sehen, vor allem auch weil es als schick gilt.

Wenn man den westlichen und den chinesischen Namen zusammengibt, sind folgende Varianten möglich:

In offiziellen Dokumenten und Publikationen wird der Familienname in der Regel groß geschrieben oder in Kapitälchen gesetzt, um Verwechslungen zu vermeiden, zum Beispiel Leslie CHEUNG Kwok Wing.

Chinesische Frauen behalten normalerweise ihren Mädchennamen, nachdem sie geheiratet haben. Manchmal wird der Familienname des Mannes vor den eigenen Familiennamen gestellt. So heißt die frühere Vorsitzende der Verwaltung Hongkong Anson Chan, ihr chinesischer Name ist CHAN FONG On-sung (陳方安生), wobei Fong der Mädchenname ist.

Es gibt in der Verbindung mit Familiennamen einige komplexe Traditionen, die in der Regel etwas mit der Ehrerbietung gegenüber den Vorfahren zu tun haben. Zum Beispiel gibt es in Taiwan einen Clan mit dem sogenannten zweifachen Liao als Familiennamen. Die Geschichte ist, dass einer der Vorfahren dieses Clans adoptiert wurde und deshalb den Familienname Liao bekam. Zur Ehre seiner Vorfahren wollte er aber unter dem Namen Chen begraben werden. Bis heute wird von seinen Nachfahren der Familienname Liao benutzt, so lange sie leben, sie werden jedoch als Chen begraben.

In einigen Regionen ist es nicht möglich, dass Leute mit gewissen gleichen Familiennamen heiraten. Andererseits gibt es Gegenden, wo Leute mit gewissen Familiennamen nicht als verwandt gelten. In der Regel heiraten aber auch dort Menschen mit gleichem Familiennamen nicht.

Die meisten Familiennamen haben nur ein Zeichen. Jedoch haben es etwa zwanzig Familiennamen aus zwei Zeichen (=Silben) bis in die moderne Zeit geschafft. Die bekannteren davon sind Sima (司马), Zhuge (诸葛), Ouyang (欧阳 häufig als O'Young übersetzt), und Situ (司徒 in Kantonesisch: Szeto). Es gibt daneben Familiennamen mit drei oder vier Zeichen, wobei es sich dann in der Regel um nicht-Han-Namen handelt, also beispielsweise mandschurische oder mongolische Namen. Aixinjueluo (愛新覺羅) ist ein Beispiel dafür, häufig auch als Aisin Giorro aus der mandschurischen Sprache umschrieben; das war der Familienname der Kaiser in der von Mandschuren gegründeten Qing-Dynastie.

Nicht alle Familiennamen sind gleich verbreitet. So sind einige Namen im Norden sehr verbreitet, im Süden aber nahezu unbekannt. Der Name Xiao (肖) ist in Hongkong nie zu hören. Chen ist dafür in Taiwan extrem häufig. Der Name Fong (方) ist in Südchina sehr verbreitet und ist der gebräuchlichste Name in der Chinatown von San Francisco.

Es kann ebenfalls statistisch gezeigt werden, dass Leute mit seltenem Familiennamen, die in ein unbesiedeltes Gebiet ziehen, diesen an eine große Zahl von Leuten weitergeben.

Die Umschrift für chinesische Familiennamen (siehe Tabelle 1) ist schwierig. Es kommt häufig vor, dass verschiedene Umschriften für den gleichen Namen existieren (insbesondere in Südchina, wo der Kontakt mit dem Ausland schon lange existiert) und umgekehrt kann es eine Umschrift geben für Namen, die zumindest ähnlich ausgesprochen werden.

Tabelle mit den häufigsten Namen

Die folgende Tabelle listet die 60 häufigsten Namen in ihrer Mandarin und Kantonesische Umschrift auf.


Anmerkungen zur Tabelle: Unter Andere stehen Umschriften, die schon vor der Vereinheitlichung der Transkriptionssysteme eingeführt worden sind und vor allem von Überseechinesen oder einigen Dialekten verwendet werden. Die diakritischen Zeichen, welche die Töne angeben, werden in Pässen und ähnlichen offiziellen Dokumenten nicht angegeben.

Zeichen Mandarin Kantonesisch Andere Dialekte
T. V. Pinyin W-G1 Andere Jyutping Yale/py Andere
1 Wáng Wang   Wong4 Wong Vong Ong
2 Chén Ch'en (Chen) Chern Can4 Chan Chun Tan, Ding
3 Li Lee Lei5 Lee   Ly, Le
4 Zhāng Chang   Zoeng1  Cheung    
5 Liú Liu Liou Lau4 Lau Liao  
6 Yáng Yang   Joeng4 Yeung    
7 Huáng Huang Hwang Wong4 Wong   Vong
8 Wu Woo Ng4 Ng    
9 Lín Lin   Lam4 Lam Lum Lim
10 Zhōu Chou Joe Zau1 Chow    
11 Ye Yeh   Jip6 Yip Ip  
12 Zhao Chao   Ziu6 Chiu Jiu  
13 Lü (Lu)   Leoi5 Lui    
14 Hsü (Hsu)   Ceoi4 Tsui    
15 Sūn Sun Suen Syun1 Sun / Suen    
16 Zhū Chu   Zyu1 Chu Chue Gee, Ju
17 Gaō Kao   Gou1 Ko Go  
18 Ma   Maa5 Ma Mah  
19 Liáng Liang   Loeng4 Leung / Leong Lang  
20 Guō Kuo   Gwok3 Kwok    
21 Hê, Ho   Ho4 Ho    
22 Zheng Cheng Jehng Zeng6 Cheng    
23 Hu   Wu4 Wu Woo  
24 Cai Ts'ai (Tsai)   Coi3 Choi Choy  
25 Zēng Tseng Tzeng Cang4 Tsang    
26 Shē She   Se4 Sheh    
27 Deng Teng   Dang6 Tang Dung  
28 Shěn Shen   Sam2 Sum Shum  
29 Xie Hsieh Sheih Ze6 Tse    
30 Táng T'ang (Tang)   Tong4 Tong    
31 Hsü (Hsu)   Heoi2 Hui    
32 Luó Lo   Lo4 Lo Law, Lowe  
33 Yuán Yüan (Yuan)   Jyun4 Yuen    
34 Féng Feng Ferng Fung4 Fung / Fong    
35 Song Sung Soong Sung3 Shung (?)    
36 Su   Sou1 So    
37 Caó Ts'ao (Tsao)   Cou4 Cho    
38 Lu Lu   Luk6 Luk (?)    
39 Mai Mai   Maak6 Mak Muk  
40 Dǒng Tung   Dung2 Tung    
41 Yü (Yu)   Jyu1 or Jyu4 ? Yu    
42 Hán Han   Hon4 Han    
43 Ren Jen   Jam4 or Jam6? Yam Yum  
44 Jiǎng Chiang Chung Zoeng2 Cheung Chiang  
45 Gu Ku   Gu3 Gu Goo  
46 Zhōng Chung   Zung1 Chung    
47 Fāng Fang   Fong1 Fong    
48 Du Tu   Dou6 To / Do    
49 Dīng Ting   Ding1 Ting Ding  
50 Yaó Yao   Jiu4 Yao    
51 Pān P'an (Pan)   Pun1 Poon    
52 Jiāng Chiang   Goeng1 Geung    
53 Tán T'an (Tan)   Taam4 Tam Tom Hom
54 Qiū Ch'iu (Chiu) Chiou Jau1 Yau    
55 Xiao Hsiao   Ciu3 Chiu    
56 Jīn Chin Kim Gam1 Kam Gum  
57 Jiǎ Chia   Gaa2 Ga    
58 Tián T'ien (Tien)   Tin4 Tin    
59 Cuī Ts'ui (Tsui) Tsuei Ceoi1 Cheui (?)    
60 Chéng Ch'eng (Cheng)   Cing4 Ching    

1) Inoffizielle Versionen der Wade-Giles Umschrift (ohne diakritische Zeichen) in Klammern. Wade-Giles wird häufig in Taiwan verwendet, um taiwanische Namen zu latinisieren und wird dort oft fälschlicherweise ohne diakritische Zeichen verwendet.

Quellenverweise für Tabelle

Siehe auch

Weblinks


See also: Chinesische Familiennamen, Adoption, Chinatown, Chinesische Personennamen, Chinesische Schrift, Chinesische Sprache, Cui, Deng, Diakritisches Zeichen, Ding