Christlicher Kalender
Der christliche Kalender geht auf den Julianischen Kalender zurück, also auf einen Kalender mit Jahren, Monaten, Tagen und Schaltjahren.
Hinzu kommt die Zeitrechnung in Wochen und Wochentagen, die auf die Schöpfung der Welt in sieben Tagen Bezug nimmt, und dem Jüdischen Kalender entstammt.
Im Mittelalter verwandte man vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders keine einheitlichen Datumsangaben. Jeder Tag hatte seinen Heiligen und man nahm auf ein großes Ereignis Bezug, zum Beispiel An Johanni, drei Jahre nach der Großen Manntränke.
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Jahreszählung
Im Römischen Reich bezeichnete man die Jahre gewöhnlich nach den amtierenden Consuln; waren einmal absolute Zahlen notwendig, so rechnete man im Osten des Reiches nach einer der griechischen Zeitrechnungen, im Westen des Reiches mit der Jahreszählung seit der angeblichen Gründung Roms (ab urbe condita). Jene Zählung ging auf die 142-bändige Chronik des römischen Geschichtsschreibers Titus Livius (59 v. Chr.-17) zurück.
Interessant sind aus christlicher Sicht drei Zeitpunkte: die Schöpfung der Welt und die Fleischwerdung (Zeugung) und die Geburt Jesu Christi. Hinzu kommt gegebenenfalls auch noch das mutmaßliche Ende der Welt.
Der römische Mönch Dionysius Exiguus (ca. 470-ca. 550) errechnete den Zeitpunkt der Geburt Christi für das Jahr 754 ab urbe condita. Dieses Datum wurde zum Jahr 1 einer neuen Zeitrechnung (lat. Anno Domini für im Jahre des Herrn). Diese Zeitrechnung soll sich angeblich schon zur Zeit Karls des Großen im Frankenreich durchgesetzt haben.
Das Oströmische Reich rechnete ab der Erschaffung der Welt, die entsprechend den Angaben in der griechischen Bibel, der Septuaginta, auf das Jahr 5501 v. Chr. datiert wurde.
Der angelsächsische Benediktinermönch Beda Venerabilis (673-735) errechnete aus den (in den genauen Zahlenwerten oft geringeren) Angaben der hebräischen und lateinischen Bibel das Datum der Erschaffung der Welt auf den 18. März 3952 v. Chr. Um 731 verfasste er die "Kirchengeschichte des englischen Volkes".
Der anglikanische Theologe James Ussher (1581-1656) aus Irland datierte im Jahre 1650 die Schöpfung der Welt auf das Jahr 4004 v. Chr. Auf diese Berechnung geht der Ussher-Lightfoot-Kalender zurück.
Papst Gregor XIII. beauftragte den protestantischen Humanisten Joseph Justus Scaliger (1540-1609) mit der Erstellung einer zusammenhängenden Chronologie historischer Ereignisse. Scaliger ermittelte im Jahre 1583 das Schöpfungsdatum auf das Jahr 3950 v. Chr.
Scaliger entwickelte auch das Julianische Datum, beginnend mit dem 1. Januar 4713 v. Chr. 12:00 Uhr (GMT) als JD = 0. Das System basiert auf der Zählung der Tage, die Stunden fließen als Nachkommastellen ein.
Schaltjahre
Auf dem Konzil von Trient in den Jahren 1545 bis 1563 wurde die Reform des Julianischen Kalenders beschlossen.
Die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. (1502-1585) vom 4./15. Oktober 1582 wurde von einigen Ländern sofort, aber von vielen Kirchen und Staaten erst später übernommen:
- Spanien und Portugal: 4./15. Oktober 1582
- England und spätere USA: 2./14. September 1752
Jahresanfang
Es gab verschiedene Varianten, das Jahr zum Beispiel am 1. März (altrömischer Jahresanfang), 25. März (Mariä Verkündigung; Tag der Fleischwerdung Christi) oder 25. Dezember (Weihnachten) neu beginnen zu lassen.
Erst im ausgehenden Mittelalter setzte sich der 1. Januar zunehmend durch. Papst Innozenz XII. (1691-1700) erkannte im Jahre 1691 den 1. Januar als Jahresanfang durch die Verwendung in päpstlichen Bullen an.
Wochenanfang
In Großbritannien, Nordamerika und vielen anderen Teilen der Welt ist entsprechend der jüdischen und christlichen Zählung der Sonntag der erste Wochentag.
Seit 1976 ist in Deutschland der Montag der erste Wochentag (DIN 1355). Im Jahre 1978 beschloss auch die UNO, dass der Montag international als der erste Tag der Woche gelten solle.
Osterdatum
Im Christentum war die Berechnung des beweglichen Osterfestes ein wichtiger Aspekt der Chronologie und diese ein wichtiger Bestandteil der Mathematik.
Das Erste Konzil von Nicäa klärte im Jahre 325 lediglich den Streit, wie das Osterdatum festgelegt werden solle.
Siehe auch
- Gregorianischer Kalender
- Griechisch-Orthodoxer Kalender
- Julianischer Kalender
- Julianisches Datum
- Kalenderdatum
- Schaltjahr
- Zeitrechnung, Kalender, Jüdischer Kalender, Islamischer Kalender, Chinesischer Kalender, v. u. Z., v. d. Z., v. Chr., n. u. Z., n. d. Z., n. Chr.
Weblinks
- http://www.kalendersysteme.de/deutsch/kalender/systeme/inhalt.html
- http://www.computus.de/menton/menton.htm
- http://www.sbg.ac.at/hai/neuzeit/zeitrechnung.htm
Literatur
- Arno Borst; Computus. Zeit und Zahl in der Geschichte Europas. Berlin 1990.
