Christoph Blumhardt

Christoph Blumenhardt (* 1. Juni 1842 in Möttlingen bei Calw; † 2. August 1919 in Jebenhausen bei Göppingen) war ein württembergischer Theologe und Pfarrer, später auch Landtagsabgeordneter für die SPD. Er gilt als der Begründer der religiös-sozialen Bewegung in der Schweiz und in Deutschland.

Sein Vater Johann Christoph Blumhardt war ebenfalls Pfarrer und vertrat einen starken Pietismus, der mit der Kraft des Heiligen Geistes im Alltag rechnete. Er wurde durch eine wunderbare Heilung einer als unheilbar geltenden Frau überregional bekannt und gründete daraufhin die heutige evangelische Akademie Bad Boll, wo er und sein Sohn später begraben wurden.

Dieser kam nach seinem Theologiestudium in Tübingen und Vikariat 1869 nach Bad Boll als Gehilfe und Sekretär seines Vaters. 1870 heiratete er Emilie Bräuninger, der Tochter eines Landwirts. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1880 die Leitung von Bad Boll. Er gewann nun als Seelsorger und wortgewaltiger Bußprediger einen Ruf weit über seine Heimatgegend hinaus. Einer seiner Gäste war 1892 zeitweise auch der junge Hermann Hesse, der die Schule in Maulbronn mied und auf Wunsch seiner Eltern in Bad Boll unterkam.

Erst im Oktober 1896 erlebte Blumhardt eine Art „Erweckung“, die ihn gewiss machte, dass er die Botschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes zur Welt verkündigen müsse. So hieß es in seiner Weihnachtspredigt 1896:

»Die Liebe Gottes zerschmelzt alles Schlechte, alles Gemeine, alles Verzweifelte; die Liebe Gottes zwingt auch den Tod. Aber es muß eine Gottesliebe sein; eine Liebe, die auch die Feinde liebt; eine Liebe, die unentwegt durch alles hindurchschreitet wie ein Held und sich nicht beleidigen, nicht verachten, nicht wegwerfen läßt; eine Liebe, die mit dem Helm der Hoffnung auf dem Haupt durch die Weit schreitet. Wir haben es bis jetzt nicht genug gewagt, zu sagen: Jesus ist geboren, und darum sind alle Kreaturen geliebt. ... Jesus will als die grenzenlose Liebe Gottes verstanden werden. In dieser Liebe will er die Flamme sein, an der wir uns rein brennen. Es ist nur die Liebe, nur das Erbarmen Gottes, das uns in sein Gericht nimmt, damit wir frei werden von allem, was uns jetzt zu Sklaven und unglücklichen Menschen macht, die heute leben und morgen im Dunkel des Todes verschwinden.«

Aus diesem Impuls heraus nahm Blumhardt junior nun immer stärker Anteil an den akuten Alltagsproblemen der Arbeiter und der „sozialen Frage“. 1899 bekannte er sich auf einer Arbeiterversammlung in Göppingen als Jünger Jesu zum »Sozialismus«. Nachdem eine Zeitung fälschlich berichtete, er sei in die SPD eingetreten, wurde er in Kirchenkreisen heftig angefeindet. Daraufhin trat er tatsächlich der SPD bei und gab auf Druck der Kirchenbehörde sein Pfarramt auf. Im Dezember 1900 wurde er für den Wahlkreis Göppingen in den württembergischen Landtag gewählt, wo er 6 Jahre wirkte.

Wegen dieser Wendung verlor Blumhardt viele seiner bisherigen Freunde und seinen Wirkungskreis als Bußprediger. Dennoch blieb er parallel zu seiner politischen Arbeit Prediger und Seelsorger für die Gäste des Tagungshauses Bad Boll. Gesundheitlich angeschlagen reiste er 1905 und 1910 nach Ägypten, 1906 nach Palästina. 1907 zog er nach Wieseneck in Jebenhausen und begrenzte seine seelsorgerische Tätigkeit, nahm aber weiter regen Anteil am Zeitgeschehen. Zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs nahm er so Stellung:

»Wie ein Dieb in der Nacht sind die Vorboten des Herrn Jesus eingetreten, große Trübsal und großes Wehe auf Erden. Wir leben in den Vorzeiten des Reiches Gottes, in den Anfängen, da es doch auf der ganzen Welt anders werden soll. Die Finsternis wird zerbrechen an unserm Herrn Jesus Christus, dem Siegeshelden.«

An dieser eschatologischen Hoffnung hielt Blumhardt bis zu seinem Tod fest. Im Oktober 1917 erlitt er einen Schlaganfall, blieb aber Beter für die Gemeinde Jesu und die Rettung der Welt:

»Einst kommt der Tag, und bald kommt der Tag unseres Herrn Jesus Christus. Da wirst du dein Leben verstehen, da wirst du jauchzen über allem Schweren, das du gehabt hast, da wirst du danken für dich und andere, für deine Gegenwart und für deine Vergangenheit.«

Blumhardts radikale Reich-Gottes-Erwartung - "einst und bald" - und seine Entscheidung für den Sozialismus wurden im Bürgertum und der Kirche seiner Zeit abgelehnt. Doch gerade dieser Außenseiter der Vorkriegszeit beeinflusste diejenigen Theologen, die nach 1918 die öffentliche theologische Debatte prägten: allen voran Karl Barth, aber auch Hermann Kutter, Leonhard Ragaz und Eduard Thurneysen.

Literatur

Werke von Christoph Blumhardt

herausgegeben posthum von Eugen Jäckh:

herausgegeben von Robert Lejeune:

Literatur über Christoph Blumhardt

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See also: Christoph Blumhardt, 1. Juni, 1842, 1919, 2. August, Bad Boll, Calw, Deutschland, Erster Weltkrieg, Erweckung