Cogito ergo sum
cogito, ergo sum (lat.: ich denke, also bin ich) bezeichnet bei René Descartes innerhalb eines methodischen Zweifels einen idealistischen Ausgangspunkt seiner Philosophie:
Das Bewusstsein erfährt sich im Denken als Selbstbewusstsein, d. h. als einzig sicheren Punkt im Erkenntnisprozess, an dem zu zweifeln nicht möglich ist:
- „Aber es gibt einen, ich weiß nicht welchen, höchst mächtigen und verschlagenen Betrüger, der mich geflissentlich stets täuscht. - Nun, wenn er mich täuscht, so ist es also unzweifelhaft, daß ich bin.
- Er täuschte mich, soviel er kann, niemals wird er es doch fertigbringen, daß ich nichts bin, solange ich denke, daß ich etwas sei. Und so komme ich ...schließlich zu dem Beschluss, daß dieser Satz:
- Ich bin, ich existiere, so oft ich ihn ausspreche oder in Gedanken fasse, notwendig wahr ist“ (Descartes, Meditationen über die Grundlagen der Philosophie, II 3)
Zu einer sprachanalytischen Betrachtung von „cogito, ergo sum“ bei Rudolf Carnap
Rudolf Carnap unterzog diese Aussage von Descartes einer sprachlichen Analyse(1), wonach der Satz zwei logische Fehler enthält:
- der erste Fehler liegt im Schlusssatz „ich bin“. Das Verbum „sein“ ist hier zweifellos im Sinne der Existenz gemeint, denn eine Kopula kann ohne Prädikat nicht gebraucht werden. Das „ich bin“ des Descartes ist ja auch stets in diesem Sinne verstanden worden. Dann verstößt aber dieser Satz gegen die logische Regel, dass Existenz nur in Verbindung mit einem Prädikat, nicht in Verbindung mit einem Namen (Subjekt, Eigennamen) ausgesagt werden kann. Ein Existenzsatz hat nicht die Form „a existiert“ (wie hier: „ich bin“, d. h. „ich existiere“), sondern „es existiert etwas von der und der Art“.
- der zweite Fehler liegt in dem Übergang von „ich denke“ zu „ich existiere“. Soll aus dem Satz „P(a)“ („dem a kommt die Eigenschaft P zu“) ein Existenzsatz abgeleitet werden, so kann dieser die Existenz nur in Bezug auf das Prädikat P, nicht in Bezug auf das Subjekt a der Prämisse aussagen. Aus „ich bin ein Europäer“ folgt nicht „ich existiere“, sondern „es existiert ein Europäer“. Aus „ich denke“ folgt nicht „ich bin“, sondern „es gibt etwas Denkendes“.
Allerdings lassen sich auch an dieser Kritik Zweifel anbringen.
1. Es werden nur formelle Kriterien angewandt, keine inhaltlichen.
2. Der Begriff „ich bin“ lässt sich nicht nur als „ich existiere“ interpretieren, sondern auch als „ich lebe“, „ich bin existent“, oder ähnliches. Ganz abgesehen davon, existieren viele Dinge auch ohne von einer bestimmten Art sein zu müssen - das Auto existiert, das Universum existiert usw. (egal ob als Realität oder als Illusion).
3. Eine leichte Umformulierung beseitigt einen weiteren Kritikpunkt: ich denke -> es gibt etwas Denkendes, es gibt mich.
4. „Es existiert ein Europäer“ ist gleichbedeutend mit „ein Europäer existiert“. Der Autor begeht also den „Fehler“, den er kritisiert, selbst. Und das an einer Stelle der Beweisführung, ohne die der Beweis unsinnig wird.
5. Descartes hat zwar durchaus noch metaphysische Gedanken gehabt, aber „ich denke, also bin ich“ kann man eher seiner rationalen Seite zurechnen. Auch die nicht sehr konsequente Anwendung von Logik lässt den Zusammenhang zwischen Carnaps oben angegebenen Argumenten und dem Titel seines unten angegebenen Buches fraglich erscheinen.
Weitere Ansätze einer Interpretation:
Laut Jakko Hintikka ist das „Cogito ergo sum“ kein logischer Schluss, sondern die Vermeidung eines performativen Widerspruchs. D.h. mit der Annahme meiner Nichtexistenz erkenne ich meine Existenz. Aber auch diese Ansicht ist bereits kritisiert worden und ist nicht unproblematisch.
Siehe auch:
Literatur
- (1) Rudolf Carnap, Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache, in: Erkenntnis, 2. Band, 1931, S.233f
