Conodonten
Die Conodonten (Conodonta) sind eine ausgestorbene Gruppe von schädellosen Wirbeltieren mit ausschließlich marinen Vertretern. Die zahnähnlichen Hartteile dieser Tiere sind als Fossilien bereits seit etwa 1850 bekannt, erste Weichteilabdrücke konnten allerdings erst 1981 gefunden werden. Bislang sind Fossilien von über 3000 Arten bekannt, damit sind sie die artenreichste Gruppe fossiler Chordatiere überhaupt.
Aussehen
Die Conodonten waren lanzettliche Freiwasserbewohner. Der Körper war seitlich abgeflacht und besaß eine asymmetrische Schwanzflosse am Körperende. Sie waren meistens nur wenige Zentimeter lang, die längsten Tiere erreichten wahrscheinlich Körperlängen bis 40 Zentimeter. Der Körper wurde in seiner gesamten Länge von einer Chorda dorsalis durchzogen. Der Körper selbst bestand im wesentlichen aus V-förmigen Muskelelementen, den Myomeren. Der Kopf trug am Vorderende zwei große seitwärts blickende Augen sowie unterseits einen Mundtrichter, der als Conodonten-Apparat bezeichnet wird. In diesem Mundtrichter saßen die bekannten zahnähnlichen Strukturen.
Obwohl die Elemente des Conodonten-Apparates äußerliche Ähnlichkeiten mit den Zähnen der Kiefertiere aufweisen, sind sie diesen nicht homolog. Der Conodonten-Apparat jedes Tieres bestand aus verschiedenen Strukturen, welche einzeln im Gewebe verankert waren. Diese zahnartigen Strukturen waren meist sehr klein, sie erreichten Größen von 0,1 bis 2 Millimetern. Aufgebaut sind sie aus Flourapatit mit einem relativ geringen Anteil an Kalzium, dieses Material wurde von Zellen abgegeben, die diese Strukturen umstanden. Die unterschiedlichen Formen der Strukturen weisen auf unterschiedliche Nutzung bei der Nahrungsaufnahme hin.
Stratigrafie
Die sehr große Formenvielfalt und die Menge der gefundenen Conodonten-Elemente machen sie zu sehr beliebten Leitfossilien in der Stratigrafie. Auf der Basis der Fossilien wurde eine sehr feingliedrige Unterteilung des Paläozoikums vorgenommen, da die meisten Arten nur zu sehr kurzen Zeiten dieser Erdepoche auftraten. Aufgrund thermischer Verfärbungen können die Fossilien außerdem als Nachweis für Paläotemperaturen und damit für klimatische Verhältnisse dienen. Dieser Effekt wird beispielsweise für die Suche nach Erdöl genutzt.
Systematik
Obwohl die Fossilien der Conodonten-Elemente schon sehr lange bekannt sind, gelang ihre systematische Einordnung erst durch die ersten Funde von Weichteilfossilien. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Einordnung vollkommen ungewiß, meist wurden sie in die Nähe der Gliederwürmer gestellt. Die Weichteilfunde bestätigen eine Einordnung in die frühen Chordatiere.
Es wird diskutiert, ob sie innerhalb der Chordatiere verwandtschaftlich in die Schädeltiere (Craniota) einzuordnen sind. Histologische Untersuchungen sowie das Fehlen von Kiemen stützen allerdings eher die Annahme, dass es sich um Stammlinienvertreter der Schädeltiere handelt.
