Fertiggericht

Fertiggerichte sind Speisen die industriell soweit vorgefertigt sind, dass sie nur noch ausgepackt und erwärmt oder angerichtet werden müssen. Klassische Beispiele sind die Tiefkühlpizza und der Doseneintopf. Verallgemeinert umfasst der Begriff auch Beilagen oder Bestandteile eines Gerichts, die noch wenige Zubereitungsschritte erfordern, beispielsweise das Zufügen von Wasser bei der Tütensuppe. Die Abgrenzung ist fließend, da von den Rohprodukten bis zur Mahlzeit alle Zubereitungsstufen im Handel erhältlich sind.

Der Anglizismus Convenience Food bezeichnet unter anderem die Verwendung von Fertigprodukten in der Gastronomie.

Inhaltsverzeichnis

Industrie

Die Lebensmittelindustrie bemüht sich, derartige Produkte auf den Markt zu bringen, um einen Teil in der Wertschöpfungs- bzw. Produktionkette zu übernehmen. Durch die Einkaufsmacht großer Unternehmen sowie die stark rationalisierten Herstellungsprozesse lässt sich der Mehrwert solcher Produkte (Bequemlichkeit und Zeitersparnis) hierbei zu attraktiven Preisen anbieten. Dies erscheint vielen Verbrauchern vorteilhaft, da die Produkte rasch im Mikrowellenherd oder im Backofen tischfertig zubereitet werden können. Dabei gelten Convenience-Produkte aber nicht immer als ernährungsgerecht, da sie dazu dienen, nur mal zwischendurch etwas zu essen. Oftmals liegt die schlechte Nährwertbilanz aber weniger an den Inhaltsstoffen des Convenience Food, sondern vielmehr am mangelnden Ernährungsbewußtsein dieser "schnellen Esskultur" (siehe auch Fast Food).

Einteilung

Fertiggerichte lassen sich nach verschiedenen Kriterien kategorisieren.

... nach Zubereitungsstufe

... nach Konservierungsart

Oft werden fertiggerichte nach ihrer Konservierungsart gruppiert:

Außerdem gibt es noch Fertig-Zwischenprodukte, etwa Teig für Kuchen und Pizzen, Würzmischungen für Spezialgerichte, Soßen, Gratiniermassen etc. Man spricht hierbei auch von Teilfertigerichten.

Entwicklung

50er und 60er Jahre

Erste Convenience-Produkte kamen zunehmend in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den USA auf den Markt. Eine grundsätzliche Datierung oder Definition lässt sich aber schwerlich finden, da die Grenzen zu Produkten wie z.B. Nudeln aus der Packung oder Marmelade (die nicht selbst gekocht wird) fließend verlaufen.

70er und 80er Jahre

Convenience-Produkte werden in einem verstärkem Umfang seit den siebziger und achtziger Jahren auch in einem professionellen Kontext eingesetzt – z.B. von Bäckereien, die bestimmte Fertigmischungen von Markenbroten (Joggingbrot, Sovitalbrot, etc.) backen, oder Restaurants, die bei bestimmten Gerichten oder Teilen von Gerichten vorgefertigte Waren von zum Teil durchaus hoher Qualität einkaufen. Neben der gleichbleibenden Qualität dieser Convenience-Produkte spricht vor allem eine erhebliche Verringerung der Personalkosten bei einer hohen Sortimentstiefe für den Einsatz solcher Halbfertigprodukte.

90er Jahre

Die Entwicklung von Fertiggerichten bzw. Convenience-Produkten geht deshalb seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts verstärkt in Richtung des sogenannten Functional Food: Lebensmittel, denen vermeintlich fehlende oder in zu geringem Umfang vorhandene Stoffe wie Vitamine, Mineralien, vorteilhafte Fette, Ballaststoffe oder auch kalorienreduzierte Bestandteile zugesetzt werden.

Vorteile von Fertiggerichten

Nachteile

Qualität

Zwischen der objektiven Qualität von Convenience-Produkten und dem subjektiven Empfinden liegt in der Vorstellung der Verbraucher oftmals ein sehr großer Unterschied. Schon in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zeigten US-amerikanisch Marktstudien, dass z.B. ein Fertigkuchen mit Milch- und Ei-Pulver nur schwer am Markt durchzusetzen ist: Die meisten der Hausfrauen hatten das Empfinden, dass man anstatt Wasser dem Kuchen unbedingt noch "frische" Milch und Eier beigeben müsse – was im allgemeinen zu einem Misslingen des Kuchens geführt hat. Dass die verwendete Milch hierbei nicht wirklich frisch ist, sondern ultrahocherhitzt und homogenisiert haltbar gemacht wurde, und dass die vermeintlich frischen Eier möglicherweise schon über Wochen einem biologischen Abbauprozess unterlagen, spielt für diese subjektive Einschätzung eine nachgeordnete Rolle. Viel wichtiger ist die traditionelle Vorstellung, wie "gute Milch", "gute Eier" und "guter Kuchen" beschaffen sein müssen.

Oftmals ist jedoch die Nährwertbilanz, speziell bei Tiefkühlkost, zum Teil sogar erheblich besser als bei vermeintlich frischen Lebensmitteln. Auch die qualitativen Spezifikationen, d.h. Kontrollen, sind im allgemeinen sehr viel höher als bei "frischen" Lebensmitteln. So verliert z.B. "frischer" Spinat nach einem Tag Lagerung bei Zimmertemperatur über die Hälfte seiner Vitamine. Tiefgefroren verändert sich dagegen auch über Monate vor allem der Vitamin-C-Gehalt kaum. Dies widerspricht aber dem gängigen Vorurteil von Verbrauchern und wird deshalb in der öffentlichen Meinung selten zur Kenntnis genommen.

Ein grundsätzliches Urteil zur Qualität gibt es bei Convenience Food nicht. Dies liegt an der großen Spannweite des Begriffs. Auch die belegten Vollkornbrötchen im Reformhaus sind Convenience Food.

See also: Fertiggericht, 20. Jahrhundert, Anglizismus, Backofen, Ballaststoffe, Braten (Gericht), Ernährung, Esskultur, Fast Food, Fette