Córdoba (Argentinien)

Córdoba ist eine Stadt in Zentralargentinien, inmitten eines produktiven Landwirtschaftsgebietes der Pampa-Region. Sie ist Hauptstadt der Provinz Córdoba und ist ein wichtiges Industriezentrum, hat in der Innenstadt aber einige Gebäude im Kolonialstil. Die Stadt liegt in einem Talkessel 10 km östlich der ersten Vorhügel zur Sierra Chica. Mit 1,35 Millionen Einwohnern ist sie nach Buenos Aires die zweitgrößte Stadt des Landes.

Basisdaten
Provinz: Córdoba
Departamento: Córdoba Capital
Fläche: 562 km²
Einwohner Stadt: 1.267.377 (2001)
Einwohner Ballungsraum: 1.750.000 (2004)
Bevölkerungsdichte: 2.255 Einwohner je km²
Geografische Lage: 31° 24' s. B.
64° 11' w. L.
Höhe: 390 m ü. NN
Postleitzahl: 5000
Vorwahlen: 0351, 03543
Website: www.cordoba.gov.ar
Politik
Bürgermeister: Luis Juez
(Partido Nuevo)

thumb|236px|Lage von Córdoba

Inhaltsverzeichnis

Geografisches

Lage

Córdoba liegt im Tal des Río Suquía, der früher auch Río Primero (erster Fluss) genannt wurde. Dies liegt daran, das die Spanier das Land im 16. Jahrhundert von Norden her das Land kolonisierten und die Flüsse, die sie dabei überqueren mussten, einfach durchnummerierten. Der Westen der Stadt zieht sich bis in die ersten Ausläufer der Sierras de Córdoba, der Sierras Chicas, hin.

Das "offizielle" Stadtgebiet ist das Departamento Capital, das die Form eines Quadrats mit einer Kantenlänge von 22 km hat. Im Nordwesten und Norden wächst das bebaute Gebiet allerdings teilweise weit über die Grenze dieses Departamentos hinaus.

Der Río Suquía schlängelt sich in Ost-West-Richtung durch die Stadt. Er grenzt das Zentrum, das südlich des Flusses liegt, vom sogenannten Alta Córdoba ("Oberes Córdoba") nördlich des Flusses ab. Im Westen wird das Zentrum vom Arroyo La Cañada, einem heute kanalisierten Bach abgegrenzt, an dessen Ufern eine der meistbefahrenen Avenidas der Stadt verläuft.

Umland

Das Umland gehört zu drei verschiedenen Naturräumen. Südlich der Stadt liegt die Pampa-Grasebene, die etwa auf der Höhe des Río Suquía in die Savannenlandschaft des Gran Chaco übergeht. Der Westen gehört zu den Sierras Pampeanas. Die die Stadt im Norden, Osten und Süden umgebenen Flächen sind fruchtbar und werden vor allem landwirtschaftlich genutzt, während der bergige Westen weitgehend Weide- oder Ödland ist.

Ökologische Probleme

Im Zentrum und einigen Stadtvierteln ist die Luftverschmutzung nach wie vor hoch, auch wenn Modernisierungen im Automobilverkehr und in der Industrie sowie der Verzicht auf krebserregende Stoffe im Stromnetz auf Besserung hoffen lassen. Auch die Wasserschmutzung, vor allem des Río Suquía, ist trotz mehrerer Kläranlagen immer noch ein großes Problem und mindert die Qualität des Trinkwassers in unterhalb von Córdoba gelegenen Ortschaften.

Ein weiteres Problem ist die Zersiedelung des Stadtraums vor allem an der nordwestlichen Peripherie sowie im Valle de Punilla sein, wo weite Räume von Wochenendhauskolonien und Country Clubs zugebaut sind und der Bestand an mehreren Tierarten wie etwa des noch vor kurzem weit verbreiteten Puma stark dezimiert wurde. Eine weiträumige Fläche zwischen Córdoba und Villa Carlos Paz gehört dem Militär und wird nur von spärlicher Viehzucht genutzt. Es gibt Bestrebungen, das Gebiet in ein Naturreservat umzuwandeln, um zu verhindern, dass die Stadt sich in diese wichtige Pufferzone ausdehnt.

Klima

Die Stadt liegt an der Grenze zwischen der gemäßigten Zone und den Subtropen. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 18 Grad Celsius; die Sommer sind meist heiß und feucht (mittlere Tagesextreme im Januar: 31°/17°), während die Winter trocken-mild und sehr sonnig sind (Tagesextreme im Juli: 19°/4°). Besonders in den Übergangszeiten Frühling und Herbst kommt es häufig zu starken Temperaturschwankungen, die von den Winden aus verschiedenen Richtungen herrühren. Der Zonda-Wind, ein von den Anden her wehender Fallwind, hat Auswirkungen bis Córdoba und kann die Temperatur selbst im Winter bis 40 Grad Celsius ansteigen lassen.

Besonders nachts ist die Temperatur im Talkessel des Zentrums bis zu 5° Grad höher als in den höhergelegenen Außenbezirken. Daran und am Smog liegt es auch, dass die reicheren Stadtviertel vornehmlich auf den Hügeln der Nordweststadt liegen.

Geschichte

Vor dem Eintreffen der Spanier befand sich bereits die indianische Siedlung Quisquisacate im aktuellen Stadtgebiet, deren Einwohner zu den Comechingones zählten und eine relativ hochentwickelte Zivilisation aufwiesen. Die Stadt Córdoba wurde jedoch unabhängig davon 1573 von Jerónimo Luis de Cabrera gegründet und nach der Stadt Córdoba in Spanien Córdoba la Llana de la Nueva Andalucia genannt.Es war bis zur Einrichtung des Vizekönigreiches des Río de la Plata die größte Stadt des heutigen Argentiniens. Die 1613 von den Jesuiten gegründete Universität (Universidad Nacional de Córdoba, UNC) ist die zweitälteste Südamerikas, sowie heute die zweitgrößte Argentiniens (ca. 118.000 eingeschriebene Studenten). thumb|240px|Der Palacio de Justicia

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg es zum Zentrum der Luftfahrt- und Automobilindustrie auf, so dass die Einwohnerzahl schnell anstieg. Seit den 1990er Jahren hat sich das Wachstum wieder etwas verlangsamt, stattdessen wachsen nun vor allem die Vororte der Stadt.

1969 leitete ein Volksaufstand in der Stadt, der sogenannte Cordobazo, das Ende der Regierungszeit des Diktators Juan Carlos Onganía ein. Nach dem Bruch der Tarifverträge durch den regierungstreuen Provinzgouverneur kam es zu Ausschreitungen, an denen mehrere Hunderttausende beteiligt waren. Erst nach drei Tagen konnte die Polizei die Ordnung wieder herstellen. Nach wenigen Wochen trat Onganía zurück, die Diktatur blieb jedoch zunächst bestehen. 1971 kam es zu einem weiteren Volksaufstand, dem Viborazo, der das endgültige Ende dieser Diktatur einleitete und sie dazu zwang, sich demokratisch gegenüber dem Peronismus zu öffnen.

Seit dem 21. Juni 1978 ist Córdoba in Österreich berühmt und in Deutschland berüchtigt: hier wurde anlässlich der Fußballweltmeisterschaft die deutsche Nationalmannschaft von der österreichischen 3:2 besiegt. Dies war für den Ausgang der Weltmeisterschaft bedeutungslos, brachte dem österreichischen Fußball aber einen Schub an Selbstvertrauen. "Córdoba" wird in Österreich geradezu als Synonym für "Erfolg im Fußball" verwendet. In Deutschland gilt die Schmach von Córdoba dagegen als eine der schlimmsten Niederlagen aller Zeiten.

1994 wurde die Struktur der Stadtgemeinde reformiert und dezentralisiert. Es entstanden die sogenannten CPC (Centros de Participación Comunal), relativ autonome Zweigstellen der Stadtregierung in mehreren außerhalb gelegenen Stadtvierteln. Ihr gemeinsames äußerliches Merkmal ist eine äußerst moderne, von kubischen Formen dominierte Architektur.

Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Im Volksmund ist Córdoba wegen der vielen Kirchen der Dominikaner und Franziskaner als "ciudad de las campanas" (Glocken-Stadt) bekannt, aber auch aufgrund der zahlreichen Universitäten und Lehr-Institute, die sich in der Stadt befinden, als "La Docta" (Die Gelehrte).

Viele der sehenswerten Bauten aus der Kolonialzeit befinden sich in der Umgebung der zentralen Plaza San Martín. An dieser Plaza ändern alle Straßen auch ihren Namen.

An der Plaza selbst liegt die 1782 erbaute Kathedrale(Iglesia Catedral), deren Inneres 1914 vom Künstler Emilio Carraffa neu gestaltet wurde. Direkt neben der Kathedrale liegt der Cabildo, der in der Zeit zwischen 1610 und 1784 erbaut wurde. Heute beherbergt er ein Museum mit wechselnden Ausstellungen.

Etwas abseits der Plaza liegt das Kloster Santa Teresa, ein sehenswerter rosafarbener Bau. Die Kirche stammt von 1717, die anderen Teile wurden später hinzugefügt. Heute beherbergt es das Museum Religiöser Kunst Juan de Tejeda. Einer der prächtigsten Bauten der Jahrhundertwende ist der Bau des Banco Provincia de Córdoba, erbaut 1889.

100 m südlich der Plaza San Martín befindet sich die Manzana de los Jesuitas , der Block der Jesuiten mit mehreren Bauten aus Kolonial- und Nachkolonialzeit, unter anderem der ältesten noch erhaltenen Kirche Argentiniens, die Compañía de Jesús von 1671. Er wurde 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.

Das Regierungsviertel um den Kanal La Cañada beherbergt zahlreiche öffentliche Gebäude, von denen einige sehenswert sind. Das größte ist der Palacio de Justicia (Justizpalast), ein prächtiger neuklassizistischer Monumentalbau von 1936. Eine sehenswerte Kirche der Gegend ist die Basilika Santo Domingo, erbaut 1861. Im Inneren werden englische Fahnen aus der Zeit der Invasion 1806 ausgestellt (siehe zu diesem Thema: Geschichte Argentiniens).

Die wohl schönste Plaza Córdobas ist der schon 1785 erbaute, 1957 renovierte Paseo Sobremonte, ein runder, etwas vertiefter Platz mit Springbrunnen in der unmittelbaren Umgebung des Justizpalastes.

thumb|200px|Die Kirche Sagrado Corazón im Stadtviertel Nueva Córdoba

Das Stadtviertel Nueva Córdoba stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist heute wegen seiner Nähe zum Campus der Universidad Nacional de Córdoba das bedeutendste Studentenviertel der Stadt. In diesem Gebiet findet sich die neogotische Kirche Sagrado Corazón, erbaut 1929 von den Kapuzinern. Ein sehenswertes Schloss ist der Palacio Ferreyra nahe der Plaza España, einem modernen, verkehrsreichen runden Platz, der im rationalistischen Design gestaltet wurde.

Im selben Stadtviertel, aber in der Nähe der Cañada liegt auch der Paseo de las Artes, ein alter Sozialwohnungskomplex im neokolonialen Stil, der heute mehrere Galerien, Antiquitätenläden und einen ausgedehnten Kunsthandwerkermarkt beherbergt.

Im Stadtviertel Alberdi etwa 1 km westlich des Zentrums stehen ebenfalls einige sehenswerte Bauten: die Iglesia María Auxiliadora, eine monumentale, weithin sichtbare Kirche im neoromanischen Stil, und die Casa Emiliani, ein interessanter Bau im Stil des Art Nouveau.

In den alten Vierteln San Vicente (östlich des Busbahnhofes) und General Paz (nördlich des Busbahnhofes) gibt es mehrere traditionelle Bauten aus der Zeit der Jahrhundertwende 1900. Die meisten von ihnen sind heute private Residenzen.

Museen

Das bedeutendste Kunstmuseum ist das Museo Provincial de Bellas Artes Emilio E. Carrafa mit wechselnden Ausstellungen. Das ebenfalls sehenswerte Gebäude liegt im Stadtviertel Nueva Córdoba an der Plaza España. Hier ist auch seit 2005 eine Version des Experimentellen Hauses des japanischen Architekten Hiroshi Hara ausgestellt, ein Versuch, günstige Baumaterialien mit moderner Ästhetik zu verbinden.

Weiterhin bedeutend ist das im Zentrum gelegene Museo Municipal de Bellas Artes Dr. Genaro Pérez, und das Museum Obispo Salguero, in dem Kunst und historische Dokumente zu besichtigen sind. Zu erwähnen sind außerdem das Theater- und Musikmuseum Cristóbal de Aguilar im Teatro El Libertador und das Zentrum für zeitgenössische Kunst Chateau Carreras im Parque San Martín im Westen der Stadt.

Wegen des Erbes der Jesuiten sind die Museen für religiöse Kunst der Stadt bedeutend. Es gibt das Ekklesiastische Museum Déan Funes und das Museum der Religionskunst Juan de Tejeda

Weniger bekannt als die Kunstmuseen sind die naturwissenschaftlichen Museen. Das bedeutendste ist das Paläontologische Museum der Universität von Córdoba, dessen Sammlung unter anderem das Fossil der weltweit größten Spinne der Vorgeschichte enthält, weiterhin erwähnenswert sind das Anatomiemuseum Dr. Pedro Ara und das Naturwissenschaftliche Museum Dr. Bartolomé Mitre im Stadtviertel Nueva Córdoba, das geologische, palöontologische und zoologische Fundstücke aus der Region bietet. In Córdoba liegt außerdem das bedeutendste Museum Argentiniens für Meteorologie, das Nationale Museum der Meteorologie Dr. Benjamin Gould.

Wegen der industriellen Vergangenheit und Gegenwart der Stadt gibt es mehrere technische Museen in der Stadt. Im Südwesten der Stadt (Barrio Santa Isabel) liegt das Automobilmuseum im Industriekomplex CIADEA. Das Industriemuseum liegt im Parque General Paz und beherbergt neben diversen Fahrzeugen und Maschinen auch das erste drehbare Haus Amerikas (erbaut 1951).

Einige historische Museen geben Aufschluss über die Vergangenheit der Stadt, der Schwerpunkt liegt dabei in der Kolonialzeit. Es gibt zwei bekannte historische Museen: das Historische Museum Marqués de Sobremonte, und das Museum Obispo Fray José Antonio de San Alberto in der Manzana de los Jesuitas.

Für Numismatiker interessant sind das Bankmuseum Museo Banco de Provincia de Córdoba und das Numismatische Museum der Nationalbank, das Münzsammlungen ausstellt.

Das Museo de la Ciudad im Cabildo hat wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen Themen wie Musik, Geschichte, Kunst und Kultur in Córdoba und Argentinien allgemein.

Weiterhin gibt es im Ausstellungszentrum José Malanca, im Ausstellungszentrum Obispo Mercadillo und im Kulturmuseum General Paz im gleichnamigen Stadtviertel wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen Themen.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Die Sternwarte Córdoba, gelegen nur etwa 1 km südwestlich des Zentrums der Stadt, war eine der bedeutendsten Sternwarten im 19. Jahrhundert. An der Sternwarte Córdoba wurde 1892 der Sternenkatalog Córdoba-Durchmusterung, das südliche Gegenstück zur Bonner Durchmusterung erstellt. An ihr waren jedoch keine astrophysischen Messungen möglich. Nach der Sternwarte wurde das Stadtviertel, in dem sie liegt, genannt: es heißt Barrio Observatorio.

Die modernere Sternwarte Observatorio Astronómico de Bosque Alegre ersetzte ab 1941 die alte Sternwarte Córdoba und war bis etwa 1980 eine der bedeutendsten Sternwarten der Südhalbkugel. Sie liegt etwa 25 km südwestlich von Córdoba in der Nähe der Stadt Alta Gracia. Mit ihrer 18 m breiten Kuppel kann man hier bis zu 600 Millionen Lichtjahre entfernte Objekte beobachten. In Bosque Alegre werden astrophysische Messungen zur Zusammensetzung und Ermittlung der Struktur von Sternen unternommen. Zudem wurde hier das System erfunden, polierte Spiegel zur Beobachtung einzusetzen.

Das Raumfahrtzentrum Teófilo Tabanera ist das Steuerungszentrum der argentinischen Raumfahrt, die sich bisher auf Satelliten beschränkt. Es liegt in Falda del Cañete, etwa 15 km südwestlich von Córdoba. Weithin sichtbar ist seine große Steuerungsantenne. Das Gebäude beherbergt auch ein Museum, in dem Modelle der argentinischen Satelliten ausgestellt sind.

Bevölkerung

Die Einwohner der Stadt sind zum größten Teil Nachkommen von Italienern, Spaniern und Deutschen, es gibt jedoch auch einen hohen Anteil Zuwanderer aus dem Norden und Nordosten des Landes, von denen viele indianischer Abstammung sind. Die Ureinwohner der Provinz, die Comechingones, wurden dagegen schon im frühen 19. Jahrhundert von den Spaniern deportiert und ausgerottet. 1,35 Millionen der Einwohner wohnen im direkten Stadtgebiet. Im Großraum des Gran Córdoba wohnen weitere 350.000 Menschen. Hierzu gehören Teile der Departamentos Colón, Punilla, Santa Maria, Río Primero und Río Segundo.

Gliederung

CPC-Zonen

Die Stadt ist seit 1994 in 10 Zonen eingeteilt, die den sogenannten CPC (Centros de Participación Comunal - Kommunale Beteiligungs-Zentren) unterstehen. An den CPC können die Bürger der Stadt bis auf wenige Ausnahmen alle Formalitäten erfüllen.

Folgende CPC-Zonen gibt es in Córdoba (Gebiet und Einwohnerzahl in Klammern)

  1. Centro América (Norden, 135.267 Einwohner)
  2. Monseñor Pablo Carrera (Norden, 87.242 Einwohner)
  3. Argüello (Nordwesten, 137.730 Einwohner)
  4. Avenida Colón (Westen, 105.702 Einwohner)
  5. Ruta 20 (Südwesten, 117.265 Einwohner)
  6. Villa El Libertador (Südwesten, 127.668 Einwohner)
  7. Empalme (Südosten, 210.154 Einwohner)
  8. Pueyrredón (Osten, 69.805 Einwohner)
  9. Rancagua (Nordosten, 80.298 Einwohner)
  10. Mercado de la Ciudad (Zentrum, 130.632 Einwohner)

Das CPC Centro América hat inzwischen ein Sub-CPC im abgelegenen Stadtviertel Guiñazú.

Stadtviertel

Córdoba ist weiterhin traditionell in 454 Stadtviertel unterteilt, zusätzlich gab es im Jahr 2001 103 "illegale" Elendsviertel (villas miserias). Nur die wichtigsten werden hier kurz angesprochen.

Südlich vom Zentrum liegt das bedeutende Studentenviertel Nueva Córdoba, in dem versucht wurde, Hochhäuser und Altbauten aus dem 19. Jahrhundert harmonisch miteinander zu integrieren, was in weiten Teilen gelungen ist. Nueva Córdoba ist eines der Zentren des Nachtlebens und der Gastronomie der Stadt. Südlich schließt die Universitätsstadt (Ciudad Universitaria) an, die etwa fünf Quadratkilometer umfasst und parkähnlich gestaltet ist. Dahinter befinden sich die für argentinische Städte typischen Peripherie-Viertel.

Alberdi ist ein traditionelles Stadtviertel westlich des Zentrums, südlich des Río Suquía. Es erlangte besondere Berühmtheit beim "Cordobazo"-Aufstand 1969, als es gemeinsam mit dem südlich davon gelegenen Viertel Bella Vista das Zentrum der Unruhen und Demonstrationen war. Alberdi ist ein Studenten- und Arbeiterviertel mit einigen nachts recht gefährlichen Bereichen.

Alta Córdoba, ebenfalls ein traditionsreiches Viertel mit vielen Altbauten, liegt 5 km nördlich des Zentrums und hat ein eigenes Leben entwickelt. Vor allem ist es als Künstlerviertel bekannt, mit vielen Bars und Kulturzentren. Ähnliches gilt für das östlich des Zentrums gelegene Viertel San Vicente, in dem ein traditionsreicher Karneval gefeiert wird, der heute wegen des Ansturms im Park Parque Sarmiento westlich dieses Viertels stattfindet.

Der Cerro de las Rosas und die angrenzenden Viertel Villa Belgrano und Argüello sind zwar relativ neu, haben sich jedoch zu den Szenevierteln der Schickeria der Stadt entwickelt. Der Cerro de las Rosas liegt auf einem Hügel im Nordwesten der Stadt 8 km vom Zentrum entfernt und hat sehr viele Restaurants und Diskotheken sowie ein eigenes Einkaufszentrum, im Viertel wird sogar eine eigene Boulevardzeitschrift (Las Rosas) herausgegeben. Die Gegend ist von Villen mit weitläufigen Grundstücken geprägt.

Ballungsraum Gran Córdoba

Da das Departamento Córdoba Capital, das offizielle Stadtgebiet, von der Fläche her mit 562 Quadratkilometern großzügig bemessen ist, begann die Stadt anders als die meisten argentinischen Städte erst seit den 1970er Jahren allmählich, sich an ihren Ausfallstraßen über die Stadtgrenzen hinauszuwachsen. Seitdem hat sich das Wachstum der Vororte des sogenannten Gran Córdoba deutlich beschleunigt, während Córdoba selbst nur noch relativ langsam wächst. Dennoch werden die Leerräume im Stadtgebiet schnell von neuer Bebauung bedeckt, insbesondere durch die Umsiedlung von Elendsvierteln in Sozialwohnungsviertel an der Peripherie.

Das schnellste Wachstum erlebte ein weitläufiges Gebiet nordwestlich der Stadt, das Sierras Chicas genannt wird und sich bis etwa 50 km außerhalb der Stadt erstreckt an der Bergkette Sierra Chica entlang erstreckt. Die meisten Orte dieser Region waren lange touristisch geprägt, haben sich jedoch heute in Wohnvororte gewandelt. Die größten Städte dieser Region sind La Calera, Villa Allende, Río Ceballos und Unquillo. Ihr Charakter ist geprägt von durchgängiger, aber lockerer Bebauung, Country Clubs, Sportgeländen, Badestränden und nächtlichen Vergnügungsstätten sowie etwas Industrie und Landwirtschaft.

Erst seit den 1980er Jahren wuchs Córdoba auch nach Norden und Osten, wo insbesondere ärmlichere Ansiedlungen entstanden, wie z. B. Güiñazú, Juárez Celman, Malvinas Argentinas und Monte Cristo. Diese Orte erlebten in den Krisenjahren 1989-91 und 1998-2003 ein stürmisches Wachstum vor allem wegen der niedrigen Grundpreise.

Weiterhin rechnet man zum Ballungsraum Gran Córdoba noch weitere Städte, die zwar nicht durch durchgängige Bebauung, aber durch Pendler und ein engmaschiges Transportnetz mit Córdoba verbunden sind. Die bedeutendsten sind Villa Carlos Paz, Cosquín und das südliche Valle de Punilla, Alta Gracia, Jesús María und Río Segundo. Insgesamt umfasst der Ballungsraum etwa 10.000 Quadratkilometer.

Parks und Grünanlagen

Wirtschaft

Seit den 1940er Jahren hat sich in Córdoba eine vielfältige Industrie angesiedelt. Die größten Zweige sind der Automobilbau (Renault, Volkswagen, Fiat), der Eisenbahnbau (Materfer) und der Flugzeugbau (Fábrica Militar de Aviones, inzwischen aufgeteilt zwischen Staat und Lockheed Martin). Zudem gibt es Textil-, Schwer-, und etwas Chemie- und Agroindustrie.

Córdoba galt immer schon als das Technologiezentrum Argentiniens. So liegt hier das argentinische Raumfahrtzentrum (Centro Espacial Teófilo Tabanera) im Vorort Falda del Cañete, wo Satelliten gebaut und von einer Bodenstation aus gesteuert werden. Die Softwareindustrie (Motorola, Vates) sowie die Elektronikindustrie sind auf dem Vormarsch und wenden sich zunehmend auch dem Export zu.

In den 1980er und 1990er Jahren bekam wegen der neoliberalen Politik vor allem der Dienstleistungssektor Zulauf, die Bedeutung der Industrie sank etwas ab.

Soziale Situation

Córdoba ist eine im innerargentinischen Vergleich reiche Stadt. Die relativ hohe Wachstumsrate infolge von Zuwanderung und Binnenwanderung hat dennoch an der Peripherie teils ausgedehnte Elendsviertel (so genannte villas miserias) entstehen lassen, in denen 8% (2001) der Stadtbevölkerung leben. Mit sozialen Bauprogrammen und Infrastrukturverbesserungen versucht die Regierung dieses Problem anzugehen. Im Rahmen des 2001 begonnenen 11.000 Wohnungen-Programm soll etwa die Hälfte der Elendsviertel in weiträumig angelegte Sozialwohnungsviertel umgesiedelt werden. Kritisiert wird an diesem Programm, dass die neuen Stadtviertel oft sehr weit vom Zentrum entfernt liegen, und dass die größten Elendsviertel nicht in das Programm aufgenommen wurden (z.B. Villa La Tela mit 15.000 Einwohnern).

Kriminalität

Die Kriminalitätsrate in Córdoba ist im Vergleich zu Buenos Aires und Rosario relativ niedrig. Es kommen etwa acht Morde auf 100.000 Einwohner (2002), während es in Buenos Aires und in Rosario etwa 15 sind. Dennoch sind etwa 40% der Stadtbevölkerung nach eigenen Angaben in den letzten Jahren Opfer von kriminellen Delikten geworden.

Medien

Printmedien

Die bedeutendste Zeitung der Stadt ist La Voz del Interior, eine politisch uneinheitlich positionierte, mit teilweise hochwertigem Journalismus versehene Zeitung, gefolgt von La Mañana de Córdoba, Día a Día, Reporte 15 und Hoy Día Córdoba, die eher das Niedrigpreis-Segment abdecken. Zusätzlich erscheint die Wirtschaftszeitung Comercio y Justicia sowie das kostenlose Infoblatt El Diario del Bolsillo.

Zeitschriften, die in der Stadt herausgegeben werden, sind u. a. das Veranstaltungsblatt Aquí, das Politikmagazin Orillas, die Boulevardzeitschrift Las Rosas und die Musikzeitschrift Todo Cuarteto.

Radio

Es gibt in der Stadt eine Vielzahl von privaten und staatlichen Radiosendern. Der bei weitem bekannteste ist der landesweit auf UKW und MW sendende Cadena 3 (LV3), gefolgt von LV2 und dem anspruchsvolleren Radio Universidad.

Fernsehen

Die nationalen Fernsehsender Telefé und Canal 13 senden in Córdoba ein Regionalprogramm mit eigenen Produktionen (unter den Namen Teleocho und Canal 12). Der universitätseigene Canal 10 sendet neben eigenen Produktionen auch Formate der Sender América TV, Canal 7 und Canal 9 aus Buenos Aires. Zudem gibt es den Kabelsender Suquía, der sich größtenteils aufs Ausstrahlen von Cuarteto-Musik beschränkt.

Tourismus

Die Stadt wird jährlich von mehreren Hunderttausend Touristen besucht. Ziel sind vor allem die kolonialen Bauwerke im Zentrum, sowie die Museen und kulturellen Institutionen. Das westliche Umland der Stadt um Villa Carlos Paz, aber auch in den Vororten Río Ceballos und Alta Gracia gehört zu den bekanntesten Touristengebieten des Landes, nach der Atlantikküste und den Südanden.

Feste und Veranstaltungen

Kultur

Córdoba hat eine große und vielfältige Kulturszene, die sich vor allem wegen der 150.000 Studenten, die hier leben, ständig erneuert. Es gibt etwa 20 offizielle und 50 nichtoffizielle Theater, das größte davon ist das Opernhaus Teatro del Libertador. In der Musik findet man ebenfalls eine große Vielfalt von Klassik (Konservatorium, mehrere bedeutende Orchester und Kammerensembles) bis Techno. Besonders bekannt wurde die Stadt jedoch durch das Cuarteto, einem fröhlich-leichten, dem karibischen Merengue ähnlichen Tanz, der seit den 1960er Jahren nicht nur in Argentinien, sondern in ganz Südamerika Diskotheken füllt und der zusammen mit der Cumbia Villera aus Buenos Aires viel populärer als der melancholische Tango ist.

Am 30. April 2005 wurde auf einem ehemaligen Militärgelände in der Nähe des Parque Sarmiento die Ciudad de las Artes eingeweiht, ein riesiges Kulturzentrum mit mehreren Kunstakademien und Veranstaltungsorten. Das Projekt wird trotz seines Potenzials kritisiert, da viele es für ein überdimensioniertes, propagandaträchtiges Werk des Gouverneurs José Manuel de la Sota halten.

Sport

Fußball

Die populärste Sportart in Córdoba ist Fußball. Er wird außer auf den offiziellen Sportplätzen auf einer unzählbaren Anzahl von Bolzplätzen und auf der Straße gespielt.

Es gibt fünf Profi-Vereine, die jeweils aus anderen Stadtvierteln stammen und demnach eine bestimmte sozio-ökonomische Schicht repräsentieren. Aktuell befindet sich allerdings nur einer von ihnen, Instituto de Córdoba aus dem Künstlerviertel Alta Córdoba, in der ersten Liga Primera División. Belgrano aus dem Arbeiterviertel Alberdi und Talleres aus dem von der Mittelschicht geprägten Barrio Jardín gelten als Erzrivalen in der Stadt. Sie pendeln meist zwischen erster und zweiter Liga, Talleres kann aber als internationalen Erfolg den Gewinn der Copa Conmebol 1999 aufweisen. In der zweiten Liga findet sich ebenfalls der etwas weniger bekannte Verein Racing de Nueva Italia, dessen Fans mit Instituto rivalisieren. In der dritten Liga, dem Torneo Argentino A, befindet sich mit General Paz Juniors die einzige Mannschaft der Stadt aus einem Viertel der Oberschicht.

Das größte Fußballstadion ist das Chateau Carreras im Parque San Martín, das auch Olympiastadion genannt wird, obwohl in ganz Argentinien bisher noch nie olympische Sommerspiele stattgefunden haben. Weiterhin bedeutend sind die Stadien von Instituto in Alta Córdoba und das von Belgrano in Alberdi. Die Boutique, das Stadion von Talleres in Barrio Jardín wird wegen seiner niedrigen Kapazität und Sicherheitsmängeln nur zeitweise genutzt.

Der berühmteste Fußballspieler aus Córdoba ist der Nationalspieler Pablo Aimar, ein offensiver Mittelfeldspieler.

Andere Sportarten

Im Basketball residiert in Córdoba der Rekordmeister der argentinischen Liga, Atenas. Er gilt als einer der besten Vereine der Welt außerhalb der amerikanischen NBA.

Der Tennisprofi David Nalbandian, der in der Weltrangliste zeitweise in den Top 10 war, kommt aus dem Cordobeser Vorort Unquillo.

Pferdesportarten wie Pferderennen und Polo sind in Córdoba weit weniger beliebt als in Buenos Aires. Nur etwa zehnmal im Jahr wird ein Rennen im Hipódromo, der Pferderennbahn in Barrio Jardín im Süden der Stadt ausgetragen. Die Polo-Mannschaften Córdobas spielen meist ohne Publikum.

Verkehr

Flugverkehr

Der zur Zeit im Umbau befindliche Passagier-Flughafen Pajas Blancas liegt etwa 15 km nördlich des Zentrums und verbindet die Stadt mit mehreren Zielen im Land sowie mit Zielen in Brasilien, Bolivien, Peru, Chile und Uruguay. Geplant ist eine Direktverbindung nach Madrid. Zudem hat Córdoba einen bedeutenden Militärflughafen im Südwesten der Stadt.

Busverkehr

Der Mittelstrecken- und Fernverkehr von Córdoba aus wird zum größten Teil mit Bussen bewältigt. Vom zentral gelegenen Busbahnhof aus gibt es Direktverbindungen in alle bedeutenden Städte Argentiniens sowie ins benachbarte Ausland. Ebenfalls fahren dort einige Kurzstreckenlinien in die Vororte der Stadt ab.

Schienenverkehr

Die Stadt besaß bis in die 1980er Jahre Zugverbindungen in viele wichtige Städte Argentiniens. In den 1990er Jahren kam der Schienenverkehr dagegen nach der Privatisierung des staatlichen Konzerns Ferrocarriles Argentinos völlig zum Erliegen. Ausnahme war der Touristenzug Tren de las Sierras nach Capilla del Monte und ein Zug ins nahe Villa María. Seit April 2005 verkehrt wieder dreimal wöchentlich ein Zug nach Buenos Aires. Die Strecke wird derzeit renoviert, um die Fahrzeit verkürzen zu können.

Vorortzüge besitzt Córdoba aktuell (2005) nicht, was den öffentlichen Personennahverkehr völlig auf die Straße verlagert. Bis in die 1960er Jahre besaß die Stadt allerdings eine Straßenbahn.

Straßennetz

Córdoba liegt am Kreuzungspunkt vieler bedeutender Nationalstraßen, die sternförmig in alle Richtungen ausgehen - unter anderem an der zum Panamericana-Netzwerk gehörenden Ruta Nacional 9, die von Buenos Aires nach La Quiaca an der Grenze zu Bolivien führt, ihre Fortsetzung führt über La Paz in südliche Peru.

Die Vororte der Umgebung sind mit teils fertigen, teils in Bau befindlichen Autobahnen und Schnellstraßen an die Stadt angeschlossen. In Bau befindet sich auch die seit langem geplanten Autobahn nach Rosario, die aktuell bis Oncativo fertiggestellt ist und die Stadt mit dem Autobahnnetz Ostargentiniens und der Hauptstadt Buenos Aires verbinden wird.

Das Straßennetz der Stadt selbst ist trotz einer Ringautobahn, der Avenida Circunvalación, in Spitzenzeiten oft überlastet. Derzeit wird unter anderem ein innerer Südring gebaut, der Ende 2005 fertiggestellt sein soll.

Öffentlicher Personennahverkehr

Der Stadtverkehr ist mangelhaft ausgestattet und leidet unter massiven Strukturproblemen. Er beschränkt sich seit dem Ende der Straßenbahn auf oft veraltete Busse und Trolleybusse, die wegen der niedrigen Frequenzen oft überfüllt sind. Seit 2005 wird die Flotte allerdings erneuert, um ein zentrales Wahlversprechen des Bürgermeisters Luis Juez einzulösen: die Verbesserung des öffentlichen Personnenahverkehrs in der Stadt.

Weblinks


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Koordinate: 31° 24' 13" S, 64° 11' 9" W


Kategorie:Ort in Argentinien

See also: Córdoba (Argentinien), 1573, 1613, 1892, 19. Jahrhundert, 1900, 1940er, 1951