Cover-Version
Als Cover-Version oder kurz Cover wird ein Musikstück bezeichnet, das von jemand anderem als dem oder den Original-Interpreten gespielt wird. Da erst in der Popmusik das Original an den Autor gekoppelt wird, beschränkt sich die Verwendung des Begriffes größtenteils auf diese Musikart.
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Definitionen
Als Cover-Version bezeichnet man die Neu-Interpretation eines Songs.
Als Original-Version bezeichnet man die Version, in der ein Lied bekannt wurde (vor der Erfindung von Tonträgern durch Bühnenshows) bzw. die Version, die zuerst auf Tonträgern veröffentlicht wurde.
Häufig spricht man auch von einer Original-Version, wenn Komponist und Interpret identisch sind.
Eine besonders wichtige Motivation für Cover-Versionen ist das ökonomische Interesse. An Cover-Versionen verdienen nicht nur Interpreten, Produzent und Label der neuen Version, sondern auch die Autoren und/oder der Verlag des gecoverten Werks.
Arten
Es gibt im wesentlichen zwei verschiedene Arten von Cover-Versionen:
- möglichst genau nachgespielte Musikstücke, die in Richtung Imitation gehen (oft von Coverbands, die sich auf das Nachspielen von Musikstücken einer einzigen Band konzentrieren).
- Interpretationen des Originalstückes, die sich in Form, Genre, zum Teil auch Texten von den Originalen absetzen und so eine eigene schöpferische Leistung vollbringen.
Ein Cover kann unterschiedlich motiviert sein, neben der reinen Sympathie für ein Stück oder die Verwendung als Füllwerk bei fehlendem Eigenmaterial (häufig zu finden in den Anfangszeiten einer Band) werden häufig Epochen, Interpreten oder Stücke in Bezug auf das eigene Selbstverständnis referenziert (vielfach im Britpop). Eine andere Option ist die kommentierende, die meist eine kritische Haltung zum ursprünglichen Stück wiedergibt, z.B. in Sid Vicious' parodistischer Interpretation von My Way oder dem musikalischen Zerfetzen der amerikanischen Nationalhymne Star-Spangled Banner durch Jimi Hendrix, das die tiefe Abneigung und Gespaltenheit der amerikanischen Jugend Ende der 60er des zwanzigsten Jahrhunderts ihrem Land gegenüber illustrierte.
Ein Sonderfall der Cover-Version ist das Tribute, das als Würdigung eines Interpreten durch andere Musiker gedacht ist.
Abgrenzungen
Grundsätzlich abzugrenzen von der Cover-Version ist:
- das Zitat, das nur Elemente eines anderen Stückes aufgreift und darauf im Kontext einer originären, kreativen Leistung verweist (z.B. in Beatle bones and smokin' Stones von Captain Beefheart)
- die Paraphrase, das ein eigenständiges Stück ist, aber sich durch umfangreiche Referenzen an einer Epoche, einem Interpreten oder einem Stück daran abarbeitet.
- das Plagiat: Eine Cover-Version gibt sich immer als diese zu erkennen: Die Angaben, wer die Musik und den Text geschrieben hat, müssen vom Original übernommen werden. Wenn dies unterbleibt, spricht man von einem Plagiat (z.B. My Sweet Lord von George Harrison, im Original He's so fine von The Chiffons).
Urheberrecht
In Deutschland gilt:
Von offiziell veröffentlichten Songs sind Cover-Versionen ohne spezielle Erlaubnis der Rechteinhaber möglich.
Nur bei „entstellenden“ Eingriffen in das Werk bedarf es der Einwilligung der Autoren bzw. des Verlags. Auch für die deutsche Übersetzung eines ausländischen Textes ist eine Erlaubnis notwendig. (Ökonomischer Hintergrund: Noch in den 1960er Jahren war der Texter der deutschen Version an den Einnahmen des Originals in Deutschland - Plattenverkäufe, Rundfunksendungen - beteiligt) Normalerweise sichert sich der Verleger des Originals auch die Rechte an der Übersetzung. Nur wenn die Coverversion sehr große Einnahmen verspricht, kann der deutsche Texter eine Beteiligung an den Verlagsrechten erhalten.
Geschichte
Seit der Erfindung von Tonträgern – Walzen von Edison und Bell / Tainter, Platten von Berliner – Ende des 19. Jahrhunderts sind Cover-Versionen üblich. Damals waren Notenblätter die wichtigste musikalisch „Software“ und wegen der Promotionfunktion von (möglichst vielen) Aufnahmen begrüssten die Verlage zunächst die unentgeltliche Verwertung ihrer Rechte.
Von einer Cover-Version kann man jedoch genau genommen erst dann sprechen, wenn ein "Original" eindeutig zu identifizieren ist. Dies ist der Fall, wenn ein Interpret eine herrausragende Bedeutung bei der Popularisierung eines Songs hat.
In den 1950er Jahren wurden sehr viele Rock'n'Roll Songs, die von schwarzen Musikern geschrieben und aufgenommen wurden, von weißen Musikern, wie Pat Boone oder Elvis Presley, gecovert. Diese Versionen waren durchwegs ruhiger und weniger "dreckig" gespielt als die Originalinterpretationen. Auch die Texte wurden soweit bereinigt, dass sie den Moralvorstellungen der weißen Mittelschicht der 1950er Jahre entsprachen. Diese Cover-Versionen waren es auch, die dann von den Radiostationen gespielt und bei den mehrheitlich weißen Radiohörern erfolgreich wurden.
Auch zahlreiche deutsche Schlager sind Adaptionen internationaler Titel. Seit mitte der 1960er Jahre waren diese Hierzulande häufig erfolgreicher als die Originale. Beispiele: Manuelas "Schuld war nur der Bossa Nova", "Mama" von Heintje, "Santa Maria" von Roland Kaiser. Vor allem in den 70erJahren wurden neue deutsche Interpreten oft zunächst mit nur einer produzierten Single auf den Markt geworfen um deren Marktwert zu testen. So gibt es kaum internationale Titel die nicht von deutschen heute zumeist unbekannten "Künstlern" mit oft skurilen Ergebnissen eingesungen wurden.
Seit Beginn der Punkmusik haben Bands klassische Rock- und Popsongs auf "Punk-Weise" gecovert, dekonstruiert und neu interpretiert. Beispiel: "Satisfaction" (Rolling Stones) in der Version von Devo.
Die neu arrangierten Stücke klingen also oft lauter (voluminöser), schneller und härter als das Original. Viele Punk-Cover-Versionen beinhalten kleine Ska-/Reggae-Parts. Die US-amerikanische Band Me First and the Gimme Gimmes hat sich darauf beschränkt, Punk Covers zu spielen, wobei jedes ihrer bisher vier Alben Songs aus je einer bestimmten Richtung oder Zeit behandelte. Es gibt Leute, die "Punk Covers" als neues Genre, als selbstständige Musikrichtung ansehen.
In den 90er Jahren entstanden durch Sampling neue Formen der Cover-Version, die besonders vertraute Popmusik der 1970er und 1980er mit hohem Wiedererkennungswert nutzten. Während die Samples in Europa besonders häufig mit Techno-Beats unterlegt wurden, kombinierten amerikanische HipHop-Produzenten prominente Samples mit neuen Rap-Texten. Die Intention verschob sich aber von einer rein künstlerischen stark zu einer rein kommerziellen Angelegenheit. Vielfach wurden die bekannten, eingängigen alten Melodien lieblos mit einer Bassspur und eintönigen Gesang unterlegt, um schnell Geld zu verdienen. Der kommerzielle Hintergedanke von Cover-Versionen spielte zwar schon immer eine Rolle, aber in besonders seit den späten 1990er-Jahren läßt sich vermehrt das bloße "Ausschlachten" der alten Lieder beobachten.
Anfang des 21. Jahrhunderts entstand der so genannte Bastard-Pop, eine aus rechtlichen Gründen zumeist illegal veröffentlichte Zwischenform aus Mix und Cover-Version, auf der zwei Stücke meist sehr verschiedener musikalischer Stilrichtungen ineinander gemixt wurden, um so verblüffende Effekte zu erzielen.
Besondere Beispiele von Coversongs
- Jimi Hendrix: Star-Spangled Banner
- Johnny Cash: Hurt von Trent Reznor
- Sid Vicious: My Way von Frank Sinatra
- Scissor Sisters: Comfortably Numb von Pink Floyd
- Bryan Adams: Summer of 69
- Claudia & Peggy: Fernando von Abba
Weblinks
- Cover Datenbank mit ca. 30.000 Einträgen
- Sehr umfangreiches Archiv mit Hintergrundstorys über Cover-Versionen der Jahre 1994 - 2005
- Website zum Pop-Phänomen "Coverversion" inkl. Definition und Linklist; Hinweise zum Buch "Von der Coverversion zum Hit-Recycling"
- Cover-Versionen Datenbank mit vielen Cover-Versionen und entsprechenden Originalen
- The Ultimate Punk Rock Cover Project - listet Songs von Punk-Bands aus den letzten 30 Jahren
- The Covers Project (engl.) - Datenbank mit Coverversionen-Ketten
- Jan Freitag: Malen nach Zahlen Artikel zum Thema Coverversionen bei www.zeit.de
- Marc Pendzich: Man trifft sich immer zweimal Artikel zum Thema Coverversionen im Tagesspiegel (10.01.05) vom Autoren des Buches "Von der Coverversion zum Hit-Recycling"
Kategorie:Musik
