Damaskus

framed|right|Geographische Lage von Syrien Damaskus [daˈmaskʊs] (arab.: دمشق / Dimašq ; franz.: Damas [daˈma] ; im phönizischen Alphabet ohne Vokale: dmšq) ist die Hauptstadt von Syrien und hat derzeit 1.576.797 Einwohner (Stand: 2005). Damaskus ist eine der ältesten, kontinuierlich bewohnten Städte der Welt sowie ein kulturelles und religiöses Zentrum des Orients. In Syrien selbst wird Damaskus häufig الشام aš-Šām genannt; in der restlichen arabischen Welt wird dieser Name oft für das Land Syrien verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Damaskus liegt etwa 20 km östlich der Grenzen Syriens zum Libanon. Südwestlich von Damaskus, in etwa 60 km Entfernung, liegen die seit dem Sechstagekrieg von 1967 zwischen Syrien und Israel umstrittenen Golanhöhen. Die Grenze zu Jordanien liegt ungefähr 90 km südlich von Damaskus.

Am Fuße des Berges Qasiun auf 690 m über NN erstreckt sich Damaskus im Helbun-Tal. Die Oase Ghuta, die seit jeher Lebensader der Stadt war, wird durch den abflusslosen Barada bewässert, der im westlichen Gebirge des Anti-Libanon entspringt und ganzjährlich fließt. Da östlich, also im Regenschatten des Anti-Libanon gelegen, fällt in Damaskus nur 260 mm Niederschlag pro Jahr. Östlich bis nordöstlich von Damaskus erstreckt sich die Syrische Wüste.

Geschichte

thumb|200px|Ansicht von Damaskus, 1677 thumb|200px|Historische Karte, 1929 Als relativ großflächige Oase in einer regenarmen Landschaft war die Gegend von Damaskus schon früh ein anziehender Siedlungsraum. In Ramad, einem Vorort des heutigen Damaskus, fand man Spuren einer steinzeitlichen, in Salihiye Spuren einer kupferzeitlichen Siedlung aus dem 5. Jahrtausend v. Chr.. Damaskus zählt somit zu den ältesten, kontinuierlich besiedelten Orten der Welt. Eine Legende weiß zu berichten, dass die Damaskus einst von einem Enkel Noahs gegründet wurde.

Nach Eroberungszügen der Ägypter im heutigen Syrien wird Damaskus erstmals in ägyptischen Aufzeichnungen (unter den Pharaonen Thutmosis III. und Amenophis III.) als Tamasqu (tmsq, siehe Ägyptische Hieroglyphen), später Dumašqu erwähnt. Damaskus blieb bis zum Ende des 2. Jahrtausend v. Chr. in ägyptischer Hand, und kam dann unter aramäische Herrschaft. Das Alte Testament (1 Chr,18) erwähnt einen Staat namens Aram-Zoba, zu dem auch Damaskus gehört, und mit dem König David in Konflikt um die Kontrolle von Handelswegen kam. Zeitweilig soll Damaskus sogar zu Davids Reich gehört haben.

Unter einem Fürsten Reson, der sich vom König Hadadeser von Zoba lossagte (1 Kön,11,23) wurde Damaskus erstmals eine eigene politische Einheit. Reson, der sich zum König über Aram erhob, blieb Feind des Königreichs Israel "solange Salomo lebte" (1 Kön,11,25). In der assyrischen Überlieferung erscheint Hadadeser jedoch als erster König von Damaskus, der sich im Bündnis mit dem König von Hamath erfolgreich dem Assyrer Salmanassar III. in der Schlacht von Qarqar (853 v. Chr.) entgegenstellt.

Das Bündnis mit Damath löste sich bereits 845 v. Chr., und vier Jahre später wurde Damaskus bei einem erneuten assyrischen Angriff zwar nicht eingenommen, jedoch wurden die Gärten der Oase verwüstet. Damaskus war nun Assyrien tributpflichtig, behielt aber weitestgehend seine Unabhängigkeit. Der Assyrerkönig Tiglat-pileser III. nahm die Stadt nach langer Belagerung jedoch 732 v. Chr. ein und machte sie zur Hauptstadt einer assyrischen Provinz. Von der Zerstörung durch die Assyrer erholte sich Damaskus relativ schnell, vor allem dank seiner Bedeutung als Zwischenstation für den Handel von den phönizischen Küstenstädten der Levante zu den Städten Mesopotamiens sowie von Arabien nach Kleinasien. Im Buch Ezechiel (27,18) wird der Handel Damaskus' mit Tyros erwähnt.

Nachdem es kurzzeitig dem neubabylonischen Reich unter Nebukadnezar II. (604 - 562 v. Chr.) angehörte, fiel Damaskus an das achämenidische Perserreich. Bei Strabon (16,2,20) ist es als bedeutendste und glänzendste Stadt des Perserreichs beschrieben. Parmenion, ein General Alexanders des Großen erobert Damaskus 332 v. Chr. und erbeutet dabei den Staatsschatz Dareios'. Damaskus wird dem Alexanderreich eingegliedert und in Folge dessen makedonische Kolonie, im Norden und Osten der aramäischen Stadt entstand eine griechische Siedlung.

Unter der Herrschaft der Seleukiden wird Damaskus ausgebaut und befestigt, 111 v. Chr. wird sie von Antiochos IX. zur Hauptstadt von Phönikien und Coelesyrien erhoben. Den Nabatäern gelang 85 v. Chr. unter König Aretas III. die Eroberung Damaskus', wo sie sich bis 66 v. Chr. halten konnte, als ganz Syrien von den Römern unter Pompeius erobert und dem Reich eingegliedert wurde. Von Marcus Antonius wurde Damaskus 38 v. Chr. (zusammen mit Coelesyrien und weiteren Reichsteilen) an Kleopatra VII. von Ägypten verschenkt.

Den einst vertriebenen Nabatäern gelang 37 n. Chr. die erneute Eroberung der Stadt. Mit Duldung der Römer konnten sie sich bis 54 halten. Anschließend herrschten wieder die Römer. Die Bedeutung der Stadt stieg im 1. Jahrhundert, weshalb Damaskus kurzzeitig in den Rang einer Metropolis erhoben wurde, den es dann jedoch an Emesa abgeben musste. Kaiser Theodosius I. gründete im 4. Jahrhundert eine Basilika über den vermuteten Reliquien Johannes des Täufers.

Im Jahre 636 wurde Damaskus, nachdem es nur schwachen Widerstand geleistet hatte, von den Arabern erobert. Der Kapitulationsvertrag der Stadt sollte Modellcharakter erhalten, wonach die Bevölkerung die Kopfsteuer (dschizya) zu entrichten hatte, aber ansonsten weitgehend ungestört blieb. Unter Kalif Muawiya I. wurde Damaskus schließlich 656 zur Hauptstadt des umayyadischen Weltreichs erhoben. Kalif Al-Walid I. ließ 705 an der Stelle der Johannes-Basilika die erste monumentale Moschee des Islam errichten. Im Innern des Baus befindet sich der Schrein Johannes des Täufers.

Nach dem Ende der Ummayaden-Dynastie 750 wurde der Sitz des Kalifats von den Abbasiden in bewusstem Gegensatz zu ihrem Vorgängern in das neugegründete Bagdad verlegt. Damaskus blieb der Status einer Provinzhauptstadt, doch sank ihre Bedeutung im Laufe der Jahre stark ab. Dennoch blieb es unter den wechselnden islamischen Machthabern umkämpft (878 Tuluniden, 945 Ichschididen, 970-1076 Fatimiden). Das gesamte Mittelalter hindurch war Damaskus jedoch stets eng mit Ägypten verbunden.

Im Jahr 1104 wurde Damaskus Sitz einer Dynastie der Seldschuken. Unter Nur ad-Din und Salah ad-Din gewann die Stadt erneut an Bedeutung, vor allem im Kampf gegen die Kreuzfahrerstaaten. Die Bevölkerungszahl wuchs wieder, es entstanden zahlreiche neue Bauten, die noch heute des Stadtbild prägen. Von einem Heer des Zweiten Kreuzzugs wurde Damaskus belagert, konnte jedoch gehalten werden.

Die Mamluken, die seit 1250 von Ägypten aus über Damaskus herrschten, konnten die Stadt gegen die Mongolen Hulagu Ilchan (1260) und Timur Lenk (1401) behaupten. Nach dem Zusammenbruch ihrer Herrschaft fiel Syrien und damit auch Damaskus 1516 an die Osmanen. Als Ausgangspunkt vieler Wallfahrten nach Mekka wurde Damaskus von den neuen Herrschern wirtschaftlich begünstigt und weiter ausgebaut.

Unter Muhammad Ali Pascha gelang Ägypten die Invasion Syriens und Kilikiens 1831, allerdings wurden die Eroberungen 1840 nach der Intervention europäischer Mächte revidiert. Währenddessen entwickelte sich Damaskus, vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zu einem Zentrum der ostarabischen Nationalbewegung. Mit der Niederlage der Osmanen im Ersten Weltkrieg endete auch ihre Herrschaft über Syrien. Am 30. September 1918 marschierten arabisch-britische Truppen in Damaskus ein. Faisal I. erklärte sich im März 1920 zum König von Syrien, konnte aber wenig später von den Franzosen vertrieben werden. Auf der Konferenz von San Remo (1920) wurde Syrien und Libanon vom Völkerbund unter französisches Mandat gestellt, mit Damaskus als Hauptstadt. In den Jahren 1925/26 war Damaskus Zentrum antifranzösischer Unruhen in Syrien, die mit militärischer Gewalt niedergeschlagen wurde.

Britische und Französische Truppen befreiten Damaskus 1941 von der Herrschaft des Vichy-Regimes. Bis 1946 verließen die letzten allierten Truppen Damaskus, im selben Jahr wurde es die Hauptstadt des unabhängigen Staates Syrien.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohnerzahl Quelle
1981 1.112.214 Volkszählung 1981 (s. Liste der Städte in Syrien)
1994 1.394.322 Hebräische Wikipedia
1998 1.431.821 General Information About Syria SyriaLive.net
2005 1.576.797 Schätzung (s. Liste der Städte in Syrien)

Sehenswürdigkeiten

[[Bild:Omajjaden Moschee.jpg|thumb|200px|]]

Altstadt

Die Altstadt von Damaskus ist seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe. Dort liegt die Omajjaden-Moschee, die berühmten Suks und das Jahrhunderte alte Christenviertel Bab Tuma hinter dem gleichnamigen Tor ("Thomas-Tor"). Neben vielen anderen Kirchen findet man dort die Ananias-Kirche, das im Haus des biblischen Ananias sein soll.

Sonstiges

Die Einwohner der Stadt werden Damaszener genannt. Der Name der Stadt ist Ursprung der Begriffe Damast (eine Stoffart), Damassé und Zwetschge (über ital. damascino). In Anlehnung an die biblische Geschichte von Paulus, dem vor Damaskus in einer Vision Jesus erschien, entstand die (heute kaum noch gebräuchliche) Redensart "sein Damaskus erleben", was soviel bedeutet wie "eine einschneidende Erfahrung machen".

Nach Damaskus wird auch eine Spezielle Stahlschmiedetechnik benannt, das Damaszenieren, wobei der Damaszener Stahl entsteht, aus dem berühmte Damaskusmesser und Damaskusschwerter hergestellt wurden - dünn, fest und elastisch.

Literatur

Weblinks

20px|Wiktionary Wiktionary: Weiteres zur Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen von Damaskus

Koordinate: 33° 30' N; 36° 18' O

See also: Damaskus, 1. Buch der Chronik, 1. Buch der Könige, 1. Jahrhundert, 1104, 111 v. Chr.