Dämon

Der Dämon (v. griech.: δαίμονας démonas = das [übernatürliche] Wesen, biblisch (Evangelium nach Matthäus) "der unreine Geist", aber auch sächlich δαιμόνιο demónio = das Genie, der Geist) war ursprünglich eine Götterbezeichnung bzw. Engelsbezeichnung, die im Laufe der Zeit den "Göttern/Engeln" entgegen gestellt und damit negativiert wurde.

Ursprung und Geschichte

Nach christlicher Lehre sind die Dämonen, oder auch unreine Geister genannt, einst Engel gewesen, die Gott dienten. Der erstgeschaffene Engelfürst namens Satan lehnte sich gegen Gott auf, da er seine Freiheit dazu nutzen wollte, selbst Gott zu sein. Gott sollte gestürzt werden, damit Satan sich selbst auf den Thron setzen konnte und über die Schöpfung herrschen konnte. Satan nahm seine Anhänger (niedere Engel) für diesen Plan zur Hilfe. Gott war jedoch stärker und verbannte Satan mit seinen Anhängern auf die grobstoffliche Erde. Seit dieser Zeit würden alle Menschen auf der Welt von diesen Dämonen unsichtbar, aber nicht "unwirkbar" verführt und bedrängt; siehe auch Besessenheit, Exorzismus.

Das Wirken des Satans auf der Erde wird von einigen Christen durch Verhaltensauffälligkeiten von diversen Machthabern als bewiesen ausgelegt. So z.B. wenn Menschen in Ihrem Verhalten als Diktator auftreten wollen, wie z.B. Putschversuche gegen die Regierung, oder sich in einer Gruppe von Menschen als Herrscher über diese aufspielen, so wird in diesem Verhalten das Wirken Satans bzw. seiner Dämonen in dieser Person wiedererkannt. Da Satan schon im Himmel über Gott herrschen wollte und nun in diesem "Menschen" bzw. aus dessen Körperhülle heraus der "Machthaber" bzw. "Diktator" sein will, stellt sich ein gleiches Verhalten bzw. Auftreten dar. (Getreu dem weisen Lehrsatz: wie oben, so unten.)

Soziales

Dämonen waren einst angesiedelt am Rand bzw. außerhalb der Zivilisation, von abschreckendem Äußeren bzw. Mischwesen. Wenn sie auch nicht wie Götter verehrt wurden, konnte der Mensch doch mit ihnen kommunizieren bzw. sich durch Amulette vor ihnen schützen. Im antiken Griechenland wurden Dämonen zuerst in allen sich äußernden Naturphänomenen gesehen (übernatürliches Wesen), z.B. Blätterrauschen im Wind, Zikadenzirpen usw., später nur noch als Wirkkraft in ungeklärten Vorgängen oder Prozessen. z.B. Gärung von Milch oder Alkohol, Verdunstung, Verwesung, Verwitterung, Alterung, etc. Im alten Orient galten Dämonen als Teil der Weltordnung, indem ihnen der Ursprung von Krankheit und auch Tod zugesprochen wurde. Der Zoroastrismus entfaltet eine eigenständige Dämonologie etwa in Form der Dämonin Drug (Lüge), der Leichenhexe Nasu oder der Zornesgestalt Aesma Daeva Asmodeus. Während noch Plato Dämonen als Mittlergestalten zwischen Göttern und Menschen begreift, verstärkt sich mit dem antiken Judentum und Christentum die rein negative Einschätzung der Dämonen.

In der christlich-jüdischen Vorstellung ist ein Dämon ein böser Geist, der Menschen in Besitz nehmen kann. Die christliche Amts-Kirche nahm die Dämonenvorstellung auf, indem sie Dämonen als von den Heiden irrtümlich verehrte Götter begriff und das heidnische Pantheon christlich interpretierte. Andererseits platzierte sie die Dämonen zwischen Engel und gefallene Engel, was Augustinus (civ. VIII–X; De divinatione daemonum) ausführte.

In der Auseinandersetzung mit den Götterwelten neubekehrter Völker sah die Kirche dämonologische Auseinandersetzungen als bleibende Notwendigkeit an. Sie entfaltete u.a. die augustinische Lehre von der Fortpflanzung der Dämonen durch Incubi und Succubi in Anlehnung an Genesis 6, 1–4. Summen wie die Summa theologica des Thomas von Aquin bildeten theoretische Grundlage späterer unduldsamer Hexenverfolgungen hauptsächlich durch die sich allein zuständig haltende Amtskirche. Die Kirchen der Reformation nahmen an der mittelalterlichen Dämonenvorstellung keinen Anstoß; im Verlauf der Aufklärung wurde sie von sich aufgeklärt dünkenden Menschen (oft samt Gott) verabschiedet (Christian Thomasius, Vom Laster der Zauberey). Im Fundamentalismus zeigt sie sich weiter stark verankert.

Auch das überlieferungsgläubige Judentum entwickelt dämonische Vorstellungen aus Talmud und Midrasch. So entfaltet der Sefer Chassidim Bezug auf Hexen, Gespenster und Werwölfe. Dagegen interpretieren Kabbala und Sohar die Welt als Kampfplatz mit dämonischen Mächten.

Der Islam sieht die Dschinnen als dämonische aus dem Feuer geschaffene Wesen an, die neben Engeln, Teufeln und Menschen eine eigene Bedeutung haben. Sie können mit Menschen verkehren; böse Dschinnen gelten als Teufel (sayatin). Salomo machte sie sich lt. Koran 34, 12–14 als erster dienstbar. Häufig erscheinen sie als kriechendes Getier, schwarze Hunde und Windhosen. Dschinnen werden auch positiv gewertet. So zeigte sich Mohammed zunächst besorgt über den Vorwurf, nur von einem Dschinn besessen zu sein.

Siehe auch


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See also: Dämon, Alkohol, Amulett, Antike, Asael, Asmodeus, Asmodis, Aufklärung, Augustinus von Hippo, Baal