Dante Gabriel Rossetti
| thumb|300px|Selbstbildnis, 1847, National Portrait Gallery, London |
Bild nicht gefunden Die Hochzeit St. George und der Prinzessin Sabra, 1857, Tate Gallery, London |
Bild nicht gefunden Die schattige Wiese, 1850-72, Art Gallery, Manchester |
Bild nicht gefunden Monna Vanna, 1866, Tate Gallery, London |
Dante Gabriel Rossetti (* 12. Mai 1828 in London, † 9. April 1882 in Birchington-on-Sea, Kent) war als Poet wie als Maler gleichermaßen begabt. Er war, wegen seiner dominierenden und charismatischen Persönlichkeit, die treibende Kraft der Präraffaeliten, welche die Reform der britischen Kunst als Ziel hatte. Er hielt wenig von Konventionen, so verwundert es kaum, dass er in den letzten Lebensjahren ein exzentrischer Sonderling wurde.
Leben
Rossetti wuchs als zweites von vier sehr begabten Kindern in einer außergewöhnlichen Familie in der Charlotte Street, in der Nähe des Regent’s Park, auf. Sein Vater, der aus Italien geflohen war, war Dichter und Wissenschaftler, verdiente sich sein Gehalt aber als Italienischlehrer. Seine Mutter war ebenfalls Lehrerin. Weil sein Vater am King’s College Professor war, erhielt Rossetti eine gute Schulbildung sowie auch Zeichenunterricht. Hier zeigte sich früh seine Vorliebe fürs Malen und Zeichnen. So schrieb er sich 1842 an der Kunstakademie (Cary’s Academy), welche als Sprungbrett in die Royal Academy (RA) galt, ein. Vier Jahre später wurde Rossetti Schüler an der RA. Wie auch schon in der Cary’s Academy gefiel ihm der Unterricht in der RA nicht. Deswegen bat er im März 1848 den von ihm bewunderten Ford Madox Brown sein Lehrer zu werden. Zwar war Rossetti von den literarischen Themen Browns beeindruckt, doch enttäuschte es ihn, dass Brown versuchte, ihn nach den alten akademischen Lehrmethoden zu unterrichten. Daraufhin verließ er Brown zwar als Schüler, blieb ihm aber zeitlebens als Freund verbunden. Bis zu seinem 20. Geburtstag war Rossetti unschlüssig, ob er als Dichter oder als Maler sein Geld verdienen wollte. Kurzerhand schickte er ein paar Gedichte dem anerkannten Poeten und Kritiker Leigh Hunt. Dieser lobte ihn, betonte aber auch, dass es schwieriger sei mit der Literatur als mit der Malerei Geld zu verdienen. Rossetti mangelte es nicht an Ideen, doch hatte er noch keine Arbeit als Maler abgegeben. Er sollte den entscheidenden Impuls durch die Freundschaft zu William Holman Hunt und John Everett Millais bekommen.
Die drei konnten nicht unterschiedlicher in ihrem Wesen sein, aber alle waren sie über den Zustand der britischen Kunst bestürzt und sahen sie dem Verfall nahe. Ihre Ablehnung der herrschenden Konventionen in der Malerei, welche sich ihrer Ansicht nach durch die Nachahmung Raffaels und seiner Nachfolger gebildet hatten, gaben sie Ausdruck in dem sie sich die »Präraffaeliten« nannten. Vier weitere Freunde, darunter Rossettis Bruder, gründeten 1848 die »Präraffaelitsche Bruderschaft«, kurz PRB. Diese Initialen standen dann zuerst auf dem ersten Ölgemälde von Rossetti (»Die Jugendzeit der Jungfrau Maria«). Es bekam viel Lob, es schien der Anfang einer großen Karriere. Doch als die Presse herausbekam was sich hinter der »PRB« verbarg, wurden er und seine Freunde scharf angegriffen. Rossetti war enttäuscht über die herbe Kritik und fiel in eine Depression. Ab 1852 begann sich die PRB aufzulösen. Während der Jahre von 1850 bis 1860 gab er die Ölmalerei fast völlig auf und widmete sich kleinformatigen Aquarellen. Diese verkauften sich, trotz dass er sie nicht ausstellte, gut. Dies hatte er dem Kritiker John Ruskin zu verdanken, den er 1854 kennen lernte.
Bereits 1849 (oder 1850) begegnete er seiner zukünftigen Frau Elizabeth Siddal. Lizzie, entsprach dem Frauenideal der Präraffaeliten, sie war Rossetti ein Leben lang Muse und Quelle der Inspiration. Ab 1858 spielte auch noch eine andere Frau eine Rolle in seinem Leben: Fanny Cornforth. Sie war genau das Gegenteil der zarten, kränkelnden Lizzie. Sie befriedigte Rossettis sexuelle Bedürfnisse bis zu dessen Hochzeit im Jahre 1860. Kurz zuvor, 1858, befreundete er sich mit zwei Oxfordstudenten. Im darauf folgenden Jahr malte er mit ihnen und einigen anderen jungen Künstlern den Sitzungssaal der Oxford University Union mit Szenen der Artussage aus. Ein Jahr nach seiner Hochzeit brachte Lizzie ein totes Kind zu Welt. 1862 starb auch sie – an einer Überdosis Laudanum. Rossettis Trauer war groß und so ließ er sein einziges Gedichtmanuskript mit ihr begraben. Im selben Jahr zog er nach Chelsea. Er erneuerte seine Beziehung zu Fanny Cornforth, die für ihn Model saß, seine Geliebte war und sich um seinen Haushalt kümmerte. Dadurch, dass sich seine Bilder hervorragend verkauften, konnte er sich daneben ein weiteres Modell, Alexa Wilding, leisten. Und noch eine Frau saß ihm Modell, wenn auch ausschließlich für die Gesichtspartie: Jane Morris. Befriedigten die einen Rossetti körperlich, so erfüllte Jane seine Sehnsucht nach einer idealen, geheimnisvollen, Liebe.
1872 erlitt er einen Nervenzusammenbruch und unternahm einen Suizidversuch. Er erholte sich davon, doch zog er sich für die restlichen Jahre seines Lebens zurück. Drogen und Alkohol forderten ihren Tribut, ließen seine Hände zittern, so dass das Malen oft unmöglich war. Auch körperlich veränderte Rossetti sich stark. Er nahm stetig zu und seine dunklen Augenringe gaben ihm etwas Finsteres. Obwohl er ein brillanter Unterhalter war, wurde er mehr und mehr zum Exzentriker. Krank, depressiv und vorzeitig gealtert verließ er nur selten sein Haus. 1881 erlitt er einen Schlaganfall. Im Februar des folgenden Jahres machte er in Birchington-on-Sea Urlaub. Hier starb er am Ostersonntag (9. April) und fand dort seine Ruhe auf einen kleinen Friedhof.
Werk
Rossetti gehörte zu den ungewöhnlichsten Künstlern des 19. Jahrhunderts. Er selbst hielt sich für einen malenden Dichter. Er hob sich deutlich von den anderen Mitstreitern der Präraffelitischen Bewegung durch seine Auffassung und seinen Arbeitsmethoden ab: Er war weder geduldig noch ein Naturtalent. Auch war er nie an der genauen Ausführung von Details interessiert, neigte dazu komplizierte Hintergründe zu vermeiden und hatte eine Abneigung gegen Landschaften. Daneben fehlte ihm auch eine gründliche technische Schulung. So sind seine ersten Werke (»Die Jungendzeit der Jungfrau Maria«, »Die Verkündigung«) zwar anspruchsvoll, zeigen aber auch seine zeichnerischen und perspektivischen Grenzen. Doch lässt die Aussagenkraft die technischen Mängel vergessen.
Im Gegensatz zu den anderen Präreffaeliten benutzte er für seine Werke oft Aquarellfarben. Rossetti entwickelte hierin eine völlig eigene Malweise. Er trug die Farben häufig kräftig und in Strichen und Punkten auf. Dadurch erzielte er ein juwelenartiges Funkeln, welches besonders bei heraldischen Verzierungen vorteilhaft wirkt (siehe »Die Hochzeit St. Georgs und der Prinzessin Sabra«). Er machte keinen Unterschied zwischen Wasser- und Ölfarben. Er wendete die Techniken bei vielen Bildern über Kreuz an. Sein Freund William Bell Scott schrieb Rossetti habe »… mit Aquarellpinseln in Öl gemalt, mit so dünnem Auftrag wie bei einem Aquarell …« Trotz seines Widerwillen gegen die akademische Disziplin war er der vorzüglichste der Praraffaeliten. Oft vertiefte er sich sehr in einzelne Themen, doch erhielt er sich seine Vielseitigkeit. So versuchte er sich 1857 in Oxford an der Wandmalerei. Aber sein Versuch scheiterte kläglich durch seine unvollkommene Technik. Die Zusammenarbeit mit William Morris förderte sein Talent für die Glasmalerei zu Tage, außerdem war er ein ausgezeichneter Buchillustrator. Aber er betätigte sich auf diesen Feld sehr wenig.
In den letzten 20 Jahren seines Schaffens (bis 1878) konzentrierte er sich fast vollständig auf das Malen Gemälde schöner, sinnlicher Frauen. Jane Morris wurde mit lasziv geschürzten Lippen und wallender Haarpracht durch Rossettis Bilder zur Verkörperung der femme fatale. Zwar beruhten die Bilder auf mythologischen oder literarischen Motiven, doch hatten sie kein erzählerisches Moment. Wegen seines Gesundheitszustandes und weil Gehilfen ihm bei seinem Werken zur Hand gingen, ist sein Spätwerk uneinheitlich. Und doch zählen einige seiner Gemälde zu den bemerkenswertesten Bildern von zeitloser Bedeutung des 19. Jahrhunderts.
Werke (Auswahl)
- Die Jungendzeit der Jungfrau Maria, 1849, Tate Gallery, London
- Die Verkündigung, 1850, Tate Gallery, London
- Die schattige Wiese, 1850-72, Art Gallery, Manchester
- Der erste Jahrestag des Todes von Beatrice, 1853, Ashmolean Museum, Oxford
- Die Hochzeit St. Georgs und der Prinzessin Sabra, 1857, Tate Gallery, London
- Das Lied der sieben Türme, 1857, Tate Gallery, London
- Beata Beatrix, 1864-70, Tate Gallery, London
- Monna Vanna, 1866, Tate Gallery, London
- Astarte Syriaca, 1877, Art Gallery, Manchester
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rossetti, Dante Gabriel |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Poet und Maler |
| GEBURTSDATUM | 12. Mai 1828 |
| GEBURTSORT | London |
| STERBEDATUM | 9. April 1882 |
| STERBEORT | Birchington-on-Sea, Kent |
