Danzig (Postgeschichte und Briefmarken)
Es geht hier nicht wie in der Seite Danzig um deren politische Geschichte, sondern um den rein Postalischen Aspekt. Durch die Briefmarken, die von der Freien Stadt Danzig zwischen 1920 und 1939 herausgegeben wurden, ist die Danziger Postgeschichte noch heute in einigen Sammelalben präsent.
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Frühe Postgeschichte
Ab 1793 nach der Teilung des Königreich Polen wurde Danzig preußisch und es wurde ein preußisches Postamt eingerichtet. 1807 - 1813 gab es französische Post, befohlen durch Napoleon. Ab Wiener Kongress kam Danzig wieder zu Preußen und es gab wieder preußische Post. Exakte Daten sind nur spärlich bekannt.
Postgeschichte der preußischen Stadt Danzig bis 1920
In Preußen wurden bis 1850 keine Briefmarken verwendet, stattdessen wie zu dieser Zeit üblich Barfrankatur mit Tagesstempel.
1850 wurden in Preußen die ersten Briefmarken eingeführt. Nach der Gründung des Norddeutschen Bundes wurde 1868 ein Norddeutscher Postbezirk eingerichtet, dessen Briefmarken in allen Migliedsstaaten gleichermaßen verwendet wurden. Im Norden Taler und Silbergroschen; im Süden Gulden und Kreuzer. Nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 übernahm die Deutsche Reichspost den Postdienst in Danzig von 1871 bis 1920. Demzufolge wurde kurz nach Reichsgründung eine Oberpostdirektion (OPD) in Danzig eingerichtet.
Am 1. Januar 1909 wurde in Danzig ein Scheckamt eröffnet; es wurde im Laufe des Jahres 1920 in Postscheckamt umbenannt.
Postgeschichte der Freien Stadt Danzig (1920-1939)
Die Post der Freien Stadt Danzig
Die Stadt Danzig und deren Umgebung wurden am 10. Januar 1920 mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages in einen dem Völkerbund unterstellten Staat umgewandelt, vertreten durch seinen Hochkommissar mit Sitz in Danzig.
Vielleicht wollte man seitens der Deutschen Postler seinem Unwillen zu dieser Maßnahme dadurch Ausdruck verleihen, indem man am 10. Januar 1920 keine darauf irgendwie hinweisenden Briefmarken und Ganzsachen an den Schaltern bereithielt. Es ging postalisch gesehen so weiter als wäre nichts passiert - Aber es musste etwas passieren. Dass man gemütlich weitermachte, kann man daran erkennen, dass man am 6. Mai 1920 die Portoerhöhung im Deutschen Reich komplett übernahm. Zunächst hatte nach wie vor die Reichspostdirektion Danzig das Wort und bei der Währung - Briefmarken mussten immer bezahlt werden! - die Reichsbank-Zweigstelle Danzig.
Bis zum 13. Juni 1920 konnten jegliche im Deutschen Reich kursfähigen Postwertzeichen anstandslos verklebt werden. Ab dem 14. Juni 1920, dem Tag der Herausgabe der ersten eigenständigen Danziger Briefmarken durch die Reichspostdirektion Danzig, ab dem 16. Juni 1920 war es die Post- und Telegraphenverwaltung Danzig - Kurz: PTV, bis einschl. 19. Juli 1920 war die Verwendung dieser Marken, die bis 13. Juni 1920 VORLÄUFER genannt werden, als sog. MITLÄUFER erlaubt. Ab dem 20. Juli 1920 galten im Staatsgebiet nur noch die Danziger Briefmarken. Selbstverständlich galten auswärtige Marken aller Mitglieder des Weltpostvereins, dem man am 1. Oktober 1920 beitrat, sofern sie als Zusatzfrankatur auf Antwortkarten verklebt waren. Des weiteren wählte man den 14. Juni 1920 als Herausgabetag für die ersten Danziger Briefmarken, da am gleichen Tag die Eröffnung der Verfassunggebenden Versammlung stattfand.
Eine postalisch relevante Gebietsveränderung des Territoriums der FREIEN STADT DANZIG fand am 24. Dezember 1920 statt: Der Ort PRÖBBERNAU auf der Frischen Nehrung wurde zurückgegliedert ins Deutsche Reich. GRUND: Die Grenzziehung Pröbbernaus gegenüber dem Deutschen Reich war dergestalt, daß die Pröbbernauer Landwirte mit Ausweispapieren Zoll- und Staatsgrenze jeden Morgen und Abend passieren mußten. Welch ein Hindernis! Dieser Umstand wurde der Internationalen Kommission zur endgültigen Festlegung der Staatsgrenzen der FREIEN STADT DANZIG dargelegt: Nach Besichtigung des Zustands wurde beschlossen, daß es am sinnvollsten ist, Pröbbernau an das Deutsche Reich zurückzugeben. Sicher hätte man auch als Termin den 1. Januar 1921 nehmen können, jedoch war die Verbindung mit Weihnachten 1920 sinnvoller, da man jetzt von einem Weihnachtsgeschenk sprechen konnte. Daher wurde als Termin der 24. Dezember 1920 festgesetzt. Postalische Auswirkungen: Die Danziger Briefmarken wurden interessanterweise NICHT für postungültig erklärt, sondern es wurde seitens der Reichspost erlaubt, sie bis 31. März 1921 weiterzuverwenden bzw. aufzubrauchen. Wenige Briefe, Karten mit Danziger Marken und lose Danziger Marken aus diesem Zeitraum sind bekannt. Am 24. Dezember 1920, ja damals war das noch so, war auch das Pröbbernauer Postamt geöffnet und man tauschte die Danziger Marken aus gegen diejenigen des Deutschen Reichs. Also konnten in der Folgezeit bis zum 31. März 1921 nur Marken, die sich noch in Händen des Publikums befanden, zur Verwendung gelangen, wenn man, wie immer bei der Freien Stadt Danzig, von den Philatelisten absieht. Dies erklärt auch die wenigen Belege und Marken, die man auch heute noch finden kann; sogar auf Tauschtagen nach 2000. Zumindest mir fiel eine in die Hände - unerkannt vom Verkäufer. Da dies NICHT in den meistbenutzten Katalogen erwähnt ist, wird auch nur von Spezialsammlern danach Ausschau gehalten.
Nicht minder interessant ist die in das Gebiet der Freien Stadt Danzig gefallene Poststelle KALTHOF: Im JUNI 1893 wurde im Marienburger Stadtteil Kalthof eine Postagentur eingerichtet. Dieser Stadtteil liegt auf Gebiet, das dem Freistaat am 10. Januar 1920 zufiel - Marienburg wurde geteilt: An diesem Tag staatsrechtlich, wie vorher geographisch durch den Weichselnebenfluß NOGAT, der die Staatsgrenze gegen Ostpreußen bildete. 1915 wurde der Postagentur der Faust - Tagesstempel KALTHOF entzogen und ersetzt durch einen mit der Inschrift MARIENBURG (WESTPR.) 3. Dies wurde auch am 10. Januar 1920 so übernommen, jedoch (alliierter Einfluss?) im Herbst 1920 geändert. Zwischen dem 8. und 13. Oktober 1920 wurde der Stempel gegen einen mit der Inschrift KALTHOF (FREISTADT DANZIG) ausgetauscht, der am 5. Januar 1921 einen "Bruder" bekam, der sich durch (FREIE STADT DANZIG) unterscheidet. Beide wurden bis Anfang September 1939 verwendet.
Im Mai 1920 - noch zu Zeiten der noch existierenden RPD DANZIG wurde in LIESSAU (WEICHSEL) eine Postagentur eingerichtet - Stempelverwendung bis Ende November 1921. Die Einführung des neuen Stempels LIESSAU (FREIE STADT DANZIG) war wohl der 13. Januar 1922.
Auch im eigentlichen Stadtgebiet DANZIG tat sich einiges:
Schon 1914 gab es im Postamt 5 eine Auslandsstelle - im I. Weltkrieg diverse Zensurmerkmale. Ab 1921 - der genaue Monat ist noch zu erforschen - hatte man einen Tagesstempel DANZIG 5 AUSLAND.
Am 1. Januar 1909 wurde in Danzig ein Scheckamt eröffnet; es wurde im Laufe des Jahres 1920 in Postscheckamt umbenannt. Kontoauszüge, die ins Ausland gingen, mußten frankiert versandt werden. Hierfür wurden auf die Briefe kursierende Freimarken verklebt. Frühest bekannter Einsatztag eines Faust - Tagesstempels DANZIG "SCH.A." 19. Juni 1920 - also noch in der Mitläuferzeit. Maschinenstempeleinsatz seit 9. Januar 1918 bekannt! Bis 3. April 1945 sind Stempelabschläge bekannt. Dies ist möglich, da vor der russischen Besetzung der Stadt Danzig dieses Postscheckamt ab 26. Januar 1945 zuerst nach Köslin, dann sogar nach Berlin verlegt wurde.
Danzig war im Deutschen Reich eine wichtige Telegrafenstation. 1894 wurde ein Telegrafenamt eingerichtet; hatte sofort einen Faust - Tagesstempel. Dieser wurde 1920 übernommen; 1927 gesellte sich eine neue Stempeltype dazu.
Auf dem Troyl wurde 1920 das Wander - besser Auswandererlager für Auswandernde eingerichtet. Der Versailler Vertrag vertrieb schon damals Deutsche aus ihrer Heimat. Es muß wohl doch zu einem erhöhten Postaufkommen gekommen sein: Jedenfalls beschaffte man einen Faust - Tagesstempel DANZIG - WANDERLAGER TROYL und eröffnete am 6. August 1920 eine Postagentur, die bis zum Tag ihrer Schließung, dem 31. August 1921 bestand. Abstempelungen lose sind nicht häufig: Wohin ein letzter Gruß ?? EINSCHREIBEZETTEL hatte man gar keine. Diesen äußerst selten anfallenden Postdienst übernahm letztendlich das Hauptpostamt. Marken, die handschriftlich mit TROYL entwertet sind, stammen von LEIDER zerlegten R - Briefen. Erst ab der erstmöglichen nachweisbaren R - Zettelverklebung kam ein Tagesstempel zum Einsatz beim Hauptpostamt. EILBRIEFE sind gänzlich unbekannt - wohin so eilig ??
Und mit Fröhlichen Weihnachten 1920 ging es ins Jahr 1921: SCHLIEßUNGEN - VERLEGUNGEN - und auch WIEDERERÖFFNUNGEN
Am 30. Juni 1921 schloß man RAMBELTSCH - äußerst wenig Post bekannt!!
Am 30. September 1922 schloß man KLEINMONTAU wegen Verlegung nach MIELENZ. Sinnigerweise wurde diese kleine Postagentur noch am 11. Januar 1922 mit einem neuen Faust - Tagesstempel ausgerüstet: KLEINMONTAU (FSD). Es ist hiervon auch sehr wenig Post bekannt.
Planmäßig am 1. Oktober 1922 nahm man dann den Betrieb in der Postagentur MIELENZ auf. Der letzte bekannte Stempeltag ist der 17. Januar 1945.
Ja, es wurde sehr wohl beobachtet, wie stark oder schwach der Postverkehr war:
Am 28. März 1923 schloß man die Postagentur GROß - PLEHNENDORF. Sie benützte permanent den ihr 1909 zugeteilten Stempel; ein "FSD" - Stempel wurde nicht beschafft.
Die seit 1890 bestehende Postagentur TRUTENAU bekam noch im Mai 1922 einen "FSD" - Stempel; man schloß sie am 30. November 1923.
Und auch im Danziger Stadtgebiet gab es ein schwächelndes Postamt: Nr. 3: DANZIG 3 war vom 16. September 1923 - 14. Februar 1930, also etwas mehr als sechs Jahre, geschlossen. Zu seiner Wiedereröffnung beschaffte man einen neuen Faust - Tagesstempel
Die Briefmarken der Freien Stadt Danzig
Die ersten Danziger Briefmarken waren Briefmarken des Deutschen Reiches, bei denen der Schriftzug "Deutsches Reich" durch den Aufdruck "Danzig" ersetzt wurde. Der Startschuss fiel am 14. Juni 1920: Soviele Interessenten sah man in Danzig und Zoppot schon lange nicht mehr für die elf erschienenen Marken - Richtig! - Der Blick in den Michel-Katalog lehrt, dass vier Marken später erschienen: Die rote 40er, die braune 1,50er, die 3 RM - Marke und der Spätzünder 4 RM. Den Ersttag verpasst ? - Kein Problem: Nach Schalterschluss gab es da noch Möglichkeiten!!
Dies führt sofort zu der in Philatelistenkreisen bekannten Danziger Stempelproblematik. Schon Altmeister Karl Kniep äußerte sich sinngemäß: Wären alle gestempelten Danziger Marken echt gestempelt - die Post hätte viele Eilboten - Wertpäckchen zu transportieren gehabt!
Die sog. STERNPROVISORIEN
Es zeigte sich schon gegen Ende Juli 1920, dass die 10 Pfg. - Marke langsam zur Neige ging. In der Druckerei Sauer ließ man die erschienene 20 Pfg. - Marke mit Sternen über den Wertziffern und einer großen 10 in ROT überdrucken; ca. 3,9 Millionen Marken sollten längere Zeit reichen. Auch von der 30 Pfg. - Marke gab es ungenutzte Bestände. Ein 25 Pfg. Wert wurde benötigt. Hier gab es einen ähnlichen Aufdruck in GRÜN; Auflage ca. 2,3 Millionen Marken. Jetzt gab es hier eine längere Pause und es ging zunächst weiter mit den sogenannten
Schrägdrucken
Da das Deutsche Reich, besser die Reichspost, die ab 19. Juli 1920 im Freistaatgebiet ungültigen Marken nicht zurücknahm, wurden gefällige Aufdruckformen des Schriftzugs Danzig in Schreibschrift beschafft. Am 20. August 1920 erschienen die ersten Werte: Germania-Marken mit Aufdruck Danzig und überbalkter Inschrift Deutsches Reich: Es sind die Werte zu 5, 15, 20, 25 und 75 Pfennig. Selbstverständlich gab es einige Plattenfehler bei den verwendeten Aufdruckplatten, da man kein allzugutes Material für deren Herstellung nahm.
Auch an diesem Tag wurden sechs Marken mit nennwerterhöhenden Aufdrucken auf die Marken Deutsches Reich Michel - Nr. 84 II,99,102 & 103 ausgegeben in verschiedenen Schriftarten des Nennwerts wie auch DANZIG. Für die mitausgegebene 1 Mark - Marke verwendete man allerdings die bereits am 14. Juni 1920 erschienene Danzig Nr. 5. Vor diesen Aufdrucken brachte man in einem separaten Druckgang einen hell(grün)grauen Netzunterdruck an - und diesen in verschiedenen Stellungen; hauptsächlich Spitzen des Unterdrucks aufwärts oder abwärts. Dabei kam es zu teilweise beabsichtigten Druckabweichungen. Beim folgenden Aufdruck der neuen Nennwerte kam es natürlich auch zu Fehldrucken - meistens wegen schlechtem Druckmaterial, weniger durch Absicht.
Diese Marken wurden hauptsächlich zur Frankatur von Paketkarten benötigt, daher häufig relativ häßliche Entwertungen - eben Bedarf!
Der nächste sehr markante Tag in der Danziger Postgeschichte war der 30. August 1920 - an diesem Tag erschienen die Marken vom sogenannten
KLEINEN INNENDIENST
Hier wurden wiederum sog. SCHRÄGDRUCKE verausgabt, angefertigt auf Marken, die infolge Ungültigkeit zu Posthauptkasse zurückgegeben worden waren. Jedoch zum Teil auf Marken, deren ungeänderte Nennwerte nicht mehr für Einzelfrankaturen verwendet werden konnten - es gab eine äußerst heftige Spekulationswelle, deren Folge Gefälligkeitsentwertungen, Falschstempel und sogar Aufdruckfälschungen - diese auch mit Falschstempeln - waren und sogar heute noch sind.
Beinahe folgten zwei Monate der Ruhe auf dem Emissionssektor bis zum 1. November 1920, wäre nicht am 30. August 1920 noch der GROßE INNENDIENST verausgabt worden - auch so ein Resteverbrauch mit noch heftigerer Spekulationswelle und ihren Folgen - auch heute - 2004 !!und Ende September 1920 die ersten Flugpostmarken:
Die am 20. August 1920 erschienenen Markwerte wurden am 01. November 1920 nochmals leicht geändert verausgabt: Die Änderung besteht in einer geänderten Farbe des Unterdrucks. Auch diese Marken fanden hauptsächlich Verwendung als Paketkartenfrankatur. Trotz der Tatsache ihres späteren Erscheinens als die ersten Flugpostmarken, die am 29. September 1920 verausgabt wurden, werden sie von der Nummerierung her gesehen nach dem sogenannten KLEINEN INNENDIENST katalogisiert. Zwischen ihnen und den ersten Flugpostmarken findet man im Katalog noch den sogenannten GROßEN INNENDIENST. Der Abgabemodus am Postschalter ähnelt sehr dem der später gegründeten DDR. Belege dieser Serie zu 60 Rpfg., 1 RM und 2 RM sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.
Auch mit etwas Vorsicht ist die erste Flugpostserie zu betrachten, da man anfangs gar keine Flugpost aufgeben konnte. Und als es dann möglich war, nur nach den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark und Schweden - fürwahr eine königliche Ausgabe.
Abweichend von der zeitlichen Abfolge in der Katalogisierung erschienen noch im November 1920 drei sog. Sternprovisorien:
Am 1. November 1920 ein Wert in BLAUER Farbe des Aufdrucks einer 5 auf eine 30 Rpfg. - Marke der ersten Ausgabe - scheint notwendig gewesen zu sein infolge eines beginnenden Mangels an 5 Rpfg. - Marken.
Am 20. November 1920 zum Abschluss dieses an Marken reich gesegneten Jahrs 1920 noch zwei Aufdruckwerte auf diese 30 Rpfg. - Marke der ersten Ausgabe: 60 Aufdruck in einer rötlichbraunen Farbe mit de facto am Schalter verkauften Doppeldrucken! sowie ein Wert mit einer aufgedruckten blauen 80.
So konnte eigentlich der Jahreswechsel 1920 / 1921 kommen - und er kam friedlich.
5. Januar 1921 - der Ersttag der sägezahnartig duchstochenen sog. Koggenausgabe anlässlich der Proklamatin der Freien Stadt Danzig am 15.XI.1920: Zu diese Ausgabe ist zu sagen, daß sie reich an Probedrucken ist, von denen sogar zumindest ein in meinem Besitz befindliches Stück doch tatsächlich echt gestempelt ist. Des Weiteren sind Einzelmarken häufig mit Durchstichfehlern behaftet - daher ist es gerechtfertigt für einwandfrei durchstochene Stücke einen Preisaufschlag zu fordern. Zu dieser Serie gab es eine Verbesserung: Die Werte zu 25 Rpfg., 40 Rpfg. und 80 Rpfg. erschienen nochmals am 11. März 1921 - jedoch wie üblich gezähnt. Jetzt war eine Trennung dieser doch oft im Postverkehr benötigen Marken so einfach wie immer. Gleichwohl findet man die gezähnte 80 Rpfg. - Marke seltener wie die durchstochene - trotz relativ hoher Auflage. Die Gründe für diesen Effekt sind nicht näher bekannt.
Luftpost
Das für das Deutsche Reich von den Alliierten ausgesprochene Flugverbot galt auch für Danzig, jedoch war es möglich, ausländische Fluglinien ab Berlin zu benutzen. Vom 1. Oktober 1920 bis zum 19. Oktober 1920 wurden die Luftpostsendungen per Bahn nach Berlin und von dort aus per Flugzeug befördert. Ab dem 20. Oktober 1920 war es möglich, Briefe mit dem Flugzeug von Danzig nach Berlin zu transportieren, dort wurden sie in die Flugzeuge der ausländischen Fluggesellschaften umgeladen. Gleichwohl existieren einige Belege aus diesem Zeitraum ab dem 20. Oktober 1920, die in Berlin den Flugpostbestätigungsstempel erhielten und ins Deutsche Reich gerichtet sind: Etwa Durchrutscher ? - Hier herrscht noch Klärungsbedarf! Tatsächlich per Luftpost beförderte Belege von Nichtphilatelisten sind noch etwas seltener als viele BAGGO - Belege.
Witterungsverhältnisse erforderten die Einstellung jeglichen Luftpostverkehrs schon ab dem 30. Oktober 1920.
Ab dem 1. April 1921 durfte die Danziger Postverwaltung das deutsche Flugpostnetz mitbenutzen. Die erste Luftpostlinie ins Deutsche Reich verband Danzig und Berlin. Luftpostsendungen, die am 1. April von Danzig nach Berlin befördert wurden, sind sehr selten anzutreffen, ob es Luftpostsendungen in der Gegenrichtung gegeben hat, ist unklar. Am 2. April konnte die Luftpost jedenfalls nicht befördert werden, die Gründe für diesen Flugausfall sind heute unbekannt. Der letzte Gültigkeitstag dieser ersten Luftpostmarken war der 30. Juni 1922.
Am 3. Mai 1921 erschienen Flugpostdauermarken in Nennwerten, die den Flugpostzuschlägen angepasst waren; die sog. Serie II. Ausgerechnet an deren Erscheinungstag gab es einen Flugausfall - dokumentiert durch den Flugausfallstempel von Berlin. Kurze Zeit später erschien zu den Nennwerten von 40 Rpf - 5 RM noch ein Ergänzungswert im Nennwert von 10 RM.
Von der Verwendung her gesehen, gibt es ab ca. Mitte Mai 1921 viele Satzbriefe, aber auch portorichtige Briefe - und diese auch von Nichtphilatelisten. Im Postamt Danzig 1 kam auch ein neuer ovaler Luftpoststempel zum Einsatz am Ersttag.
Wer kann ein Bild mit Postamt Langgasse reinstellen ??- 20er / 30er Jahre!!
Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:1928_P_45_15.jpg
Hyperinflation und Einführung der Gulden-Währung
Bitte (später) ergänzen
Die polnische Post in Danzig
Polen war zugestanden worden, zur Postversorgung im Danziger Hafen einen eigenen Postdienst einzurichten. Das wurde exzessiv dahin ausgelegt, dass am 5. Januar 1925 im gesamten Stadtgebiet zehn polnische Briefkästen aufgehängt wurden und polnische Postbedienstete in Danzig ihre Briefzustellungen vornahmen. Es entspann sich über die Zulässigkeit dieser Maßnahmen ein längerer Streit zwischen den Danziger und polnischen Behörden. Der daraufhin angerufene Völkerbundsrat traf daraufhin auf das Gutachten des Ständigen Internationalen Gerichtshofs vom 11. Mai 1925 die Entscheidung, dass in einem näher umgrenzten Gebiet, das den Hafen und die gesamte Danziger Innenstadt umfasste, polnische Postkästen aufgehängt bleiben durften. Diese wurden jedoch absichtlich an Gebäuden aufgehängt, die sich im Eigentum von Polen befanden. So konnte kein Danziger bzw. Deutscher etwas dagegen legal unternehmen. Gemacht wurde trotzdem etwas: man bemalte diese Briefkästen mit schwarzer und weißer Farbe - den ehemals kaiserlichen Farben.
Fragt sich natürlich, wie Polen dergleichen Umtriebe sah:
Die polnische Post in Danzig verwendete anfangs nur polnische Briefmarken mit dem Aufdruck PORT GDANSK. Aber schon mit Aufnahme des Luftpostdienstes seitens Polen verwendete man rein polnische Briefmarken - dies wurde trotz Protests erweitert mit höheren Nennwerten wie 1 Zloty und den in Polen gebräuchlichen Portomarken.
Am 1. September 1939 eroberten Truppen der Danziger Heimwehr die polnische Post.
Wer kann ein Bild des Hafenpostamts reinstellen? Natürlich, als es ganz war!
Postgeschichte Sept./Okt. 1939 bis März 1945
Bitte (später) ergänzen
Postgeschichte ab März 1945
Für Eingeweihte gab es nach der Bildung des sog. Danziger Kessels (23./24. Februar 1945) doch noch die Möglichkeit zur Postbeförderung ins Restreich: Die Beförderung "per Luftpost" unter Hinzuklebung einer 5 Rpf-Marke für die Luftpostgebühr. Das war nicht nur Feldpostteilnehmern möglich, sondern auch der Zivilbevölkerung. Am 18. März 1945 startete der letzte Flug nach Berlin vom Flugplatz Danzig-Langfuhr.
Nach den Kämpfen um die Stadt Danzig, das Restgebiet der ehemaligen Freien Stadt Danzig war schon einige Tage früher durch Sowjettruppen besetzt, war ein Postamt fast unbeschädigt. Nicht das Postamt 1 in der Langgasse - es war das Postamt 5 am Bahnhof, das schnellstmöglich provisorisch in Betrieb genommen wurde von polnischen Exilkräften; die Vorhut der polnischen Postverwaltung traf am 30. März 1945 ein. Kaum zu glauben, dass man an Adolf Hitler eine Karte wegschickte. Er dürfte jedoch durch Spionquellen sehr wohl im Bunker in Berlin erfahren haben, dass in Danzig wieder ein Polnisches Postamt aktiv ist, das die sowjetische Militärverwaltung am 5. April 1945 den Polen übergeben hat. Erste Postsendungen trafen am 17. April 1945 ein, sie wurden von zwei Postboten mit Fahrrädern von Praust gebracht. Die gleichen Postboten nahmen am nächsten Tag die ersten Sendungen des Postamts, welches bis heute als Postamt GDANSK 2 besteht, für das Postamt Dirschau 2 (Tczew) auf ihrem Rückweg mit.
Am 18. April 1945 wurde die Passagierfluglinie Warschau - Allenstein - Danzig (WARSZAWA - OLSZTYN - GDANSK) eröffnet. Am 20. April 1945 beförderte sie die ersten Briefsendungen aus Warschau per Luftpost und am selben Tag gingen die ersten Sendungen nach Warschau ab. Die erste Bahnpost gelangte am 1. Mai 1945 aus Bromberg (BYDGOSZCZ) in die Stadt und am selben Tag wurde die Verbindung mit Gdingen (GDYNIA) wiederhergestellt. In einigen Postämtern wurden zurückgelassene deutsche Tagesstempel und Dienstsiegel weiterhin verwendet, solange noch keine polnischen Stempel zur Verfügung standen.
Literatur
- Amtsblatt der Post- und Telegraphenverwaltung der Freien Stadt Danzig (1921-1934) - Kopien erhältlich bei:
- Geschäftsbericht der Post- und Telegraphenverwaltung der Freien Stadt Danzig (1927-1936)
- Carl Köhler: Gesetzliche Grundbestimmungen über das Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesen der Freien Stadt Danzig, Danzig [u.a.]: Stilke, 1928
- Heinz Schaffrath: Die Post der Freien Stadt Danzig und ihre Postwertzeichen, Giessen 1991
- Dieter Schenk: Die Post von Danzig: Geschichte eines deutschen Justizmords, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1. Aufl. 1995
- Franz Skibowski: Die polnische Post im Hafen von Danzig, Danzig, 1928
- Rundschreiben der Arge Danzig
Weblinks
- http://www.ostsee-urlaub-polen.de/gdansk/altstadt-polnische-post.htm - Die polnische Post in Danzig
- http://www.danzig-online.pl/index3.html - Freie Stadt Danzig
