Das Lied von der Erde

Das Lied von der Erde ist ein grosser symphonischer Liederzyklus, den Gustav Mahler 1908 nach Nachdichtungen chinesischer Lyrik von Hans Bethge komponierte.

Als Besetzung sind großes Sinfonieorchester (Besetzung: 4 3 5 3 – 4 3 3 1 – Pk, Schl(4), Hf(2), Cel, Mand, Str) und zwei Solisten (Alt/Tenor oder Bariton/Tenor) vorgesehen.

Die Uraufführung fand postum am 20. November 1911 in München unter Bruno Walter statt.

Das Lied von der Erde besteht aus sechs Teilen, die je ein Gedicht aus der chinesischen Gedichtsammlung "Die chinesische Flöte" von Hans Bethge vertonen (in Klammern jeweils der Verfasser des chinesischen Originals):

  1. Das Trinklied vom Jammer der Erde (Li-Tai-Po)
  2. Der Einsame im Herbst (Tchang-Tsi)
  3. Von der Jugend (Li-Tai-Po)
  4. Von der Schönheit (Li-Tai-Po)
  5. Der Trunkene im Frühling (Li-Tai-Po)
  6. Der Abschied (Mong-Kao-Yen und Wang-Wei)

Eine Rezension vom März 2003 schreibt: Das "Lied von der Erde" steht am Wendepunkt zum Spätwerk des Komponisten. Es entstand in einer schweren Zeit, im Sommer 1907 im Tiroler Schluderbach. Kurz zuvor war Mahlers ältere Tochter, kaum vier Jahre alt, gestorben, und er selbst befand sich in beklagenswertem gesundheitlichem Zustand, herzkrank, psychisch mitgenommen. In dieser Verfassung sprachen ihm die Nachdichtungen chinesischer Lyrik, die Hans Bethge unter dem Titel "Die Chinesische Flöte" herausgegeben hatte, aus der Seele. Mahler ließ sich inspirieren ... '

Mahler vermied den Titel "Sinfonie", da er Angst hatte, dass eine 9. Sinfonie wie bei seinen Vorbildern Ludwig van Beethoven und Anton Bruckner seine letzte sein könnte. Das Werk — das rund zwei Jahre vor der 9. Sinfonie entstand — verunsicherte die Kunstwelt erheblich. Enerseits wegen seiner ungewöhnlichen orchestralen Dichtung, andrerseits wegen seiner Stimmung. Mahlers Freund und Dirigent der Uraufführung, Bruno Walter, wundert sich selbst:

"Ist es wirklich derselbe Mensch, der 'in Harmonie mit dem Unendlichen' den Bau der Achten errichtet hatte, den wir nun im 'Trinklied vom Jammer der Erde' wiederfinden? Der einsam im Herbst zur trauten Ruhestätte schleicht, nach Erquickung lechzend? Der mit freundlichem Altersblick auf die Jugend, mit sanfter Rührung auf die Schönheit schaut? Der in der Trunkenheit Vergessen des sinnlosen irdischen Daseins sucht und schließlich in Schwermut Abschied nimmt? [...] Es ist kaum derselbe Mensch und Komponist. Alle Werke bis dahin waren aus dem Gefühl des Lebens entstanden [...] Die Erde ist im Entschwinden, eine andere Luft weht herein, ein anderes Licht leuchtet darüber".

Dennoch dirigierte Walter das "Lied von der Erde" über viele Jahre hinweg wiederholt — und mit wachsender Intensität. Für viele bekannte Sänger war und ist es eine ungeheure Herausforderung und emotional bewegend.

Eine Aufnahme mit dem Staatsopern-Tenor Julius Patzak, Kathleen Ferrier und den Wiener Philharmonikern unter Bruno Walter ist noch nach Jahrzehnten auf Schallplatten begehrt. Auch die Aufnahme mit Fritz Wunderlich, Christa Ludwig und dem Philharmonia Orchestra unter Otto Klemperer fand viele Anhänger und ist seit Jahrzehnten im Handel erhältlich.

Weblinks

Diskographie

See also: Das Lied von der Erde, 1907, 1908, 1911, 20. November, 2003, 9. Sinfonie (Mahler), Anton Bruckner, Bruno Walter, Freund