Dekantieren
Der Ausdruck Dekantieren bezeichnet den Prozess der Abtrennung eines ungelösten Stoffes aus einem Flüssigkeitsgemisch. Nach einer mehr oder weniger langen Ruhezeit in einem Gefäß trennen sich Feststoffe durch Absetzen, das Dekantat. Nicht mischbare Flüssigkeiten (z.B. Wasser-Öl) trennen sich auf Grund der unterschiedlichen Dichte, meist schwimmt das Öl auf dem Wasser. Durch vorsichtiges Abgießen einer Schicht kann man die Stoffe trennen, "an einer Kante entfernen/trennen".
Dekantieren findet häufig Anwendung in der qualitativen anorganischen Analyse, es ist eine wenig aufwendige Aufreinigungsmethode mit bemerkenswertem Erfolg.
Wein
Unter Dekantieren versteht man beim Wein das vorsichtige Umfüllen des Weines aus der Flasche in ein Dekantiergefäß (Karaffe). Dieses Gefäß hat in der Regel einen breiten Boden. So hat der Wein in dem Gefäß eine große Oberfläche, die ihn mit der Luft in Berührung bringt, damit sich das Aroma des Weins durch den Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft voll entfalten kann. Das Dekantieren kann aber insbesondere bei älteren Weinen zum Verderben führen und ist daher nicht bei allen Weinen anzuwenden. Junge Weine sollten nicht dekantiert werden, wenn sie ein fruchtiges Aroma haben. Dieses würde dabei zerstört werden. Es lohnt sich jedoch häufig, Rotweine aus dem Barriqueausbau (z.B. einen spanischen Reserva) zu dekantieren. Weißwein wird für gewöhnlich nicht dekantiert. Es ist jedoch umstritten, ob ein Wein überhaupt "atmen" muss.
Da der Kontakt mit der Luft gerade bei älteren Weinen zum "Umkippen" führen kann, zu kompletter Oxidation und Verderb, verwendet man in solchem Fall besser eine schmale Karaffe mit weniger breiter Luftspiegelfläche, oder füllt den Wein vorsichtig um in eine andere saubere Flasche, unter Vermeidung, das Depot mitzugießen: indem man einen kleinen Rest Wein mit Depot in der ersten Flasche beläßt und die erste Flasche in der Endphase leicht dreht, um das Depot innen an das Glas unterhalb des Halses zu binden: "skimmen" im Sprachgebrauch der Verfahrenstechniker.
Der Gebrauch des "Dekantierens" beim Wein zur Aromenentfaltung sollte hingegen korrekter "Belüften" genannt sein, da er nicht das Abtrennen des Weines von Feststoffen, dem Depot, im verfahrenstechnischen Sinn bezweckt.
Der Vorgang des Dekantierens im eigentlichen Sinn dient bei älteren Rotweinen dazu, das Depot, Trubstoffe und eventuell Weinstein von der Flüssigkeit zu trennen. Als Faustregel kann gelten, sich bei über 20 Jahre alten, oftmals teuren Weinen unter Wein-Experten gut darüber zu verständigen, ob und wie lange ein Wein vor dem Genuss Lüftung brauche. Es hängt sehr von den Rebsorten und von der Arbeitsweise der Weingüter ab, ob Luft schadet oder nutzt. Es hängt auch davon ab, inwieweit der Korken über eine sehr lange Lagerungszeit hatte abdichten können. (Um Schäden an extrem teuren alten Weinen zu vermeiden, ist eine fachlich fundierte Neuverkorkung alle 20 oder 25 Jahre anzuempfehlen.)
Eine andere Faustregel hingegen besagt, daß eine Viertelstunde Luft noch keinem Wein geschadet habe.
siehe auch: Sedimentieren
