Dekohärenz
Dekohärenz ist die irreversible und unkontrollierbare Dislokalisation von quantenmechanischen Superpositionen durch ihre (gewöhnlich durch Wechselwirkung induzierte) Verschränkung mit der Umgebung (ein Beispiel für Quantennichtlokalität). Im reversiblen Fall kann man nur von virtueller Dekohärenz sprechen. Durch die unvermeidbare Dekohärenz bestimmter (makroskopischer) Superpositionen erscheinen die verbleibenden Zustände dem lokalen Beobachter klassisch (d.h. nicht dem Superpositionsprinzip unterworfen), so dass keine eigenständigen klassischen Begriffe mehr vorausgesetzt werden müssen: die Quantentheorie gilt universell. Bei konsequenter Anwendung führt diese Hypothese zur Everett-Interpretation (s.a. Viele-Welten-Interpretation -- oft verwechselt mit many-minds), während die Kopenhagener Interpretation die quantenmechanische Beschreibung beim Einsetzen von Dekohärenz zu Gunsten klassischer Begriffe abbricht und die orthodoxe Interpretation von Neumanns einen Kollaps der Wellenfunktion im Gegensatz zur Schrödinger-Gleichung annimmt.
Dekohärenz wird häufig fälschlich als Störung durch die Umgebung oder als Phasenmittelung in einem Ensemble missverstanden. Insbesondere bei einer (kontrollierbaren) Verschränkung in bipartiten Systemen bedeutet deren scheinbarer Verlust durch Dekohärenz aber vielmehr gerade eine Ausweitung der Verschränkung auf die (unkontrollierbare) Umgebung.
Dekohärenz ist aber auch von praktischer Bedeutung, da sie für die Konstruktion von Quantencomputern ein großes Problem darstellt.
Weblinks
- http://www.decoherence.de
- http://plato.stanford.edu/entries/qm-decoherence/
- Grundidee der Dekohärenz
