Demografischer Übergang

Unter dem Begriff Demografischer bzw. Demographischer Übergang wird in der Demographie der Versuch zur Erklärung von Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung von Staaten bzw. Gesellschaften verstanden.

Inhaltsverzeichnis

Modell des demografischen Übergangs

Das Modell des demografischen Übergangs (auch Theorie des demografischen Übergangs oder aus dem Englischen Demografische Transformation) ist im wissenschaftlichen Sinn keine Theorie, sondern eine modellhafte Beschreibung des Übergangs von hohen zu niedrigen Sterbe- und Geburtenraten und dem daraus resultierenden veränderten natürlichen Bevölkerungswachstum.

Das Modell geht auf erste Ansätze von Thompson (1929) und Notestein (1945) zurück und wurde später von unterschiedlichen Autoren aufgegriffen und verfeinert. Das Modell hat Anwendung gefunden:

thumb|right|400px|4-phasiges Modell des demografischen Übergangs
thumb|right|400px|neueres 5-phasiges Modell des demografischen Übergangs
thumb|right|400px|Variables Modell des demografischen Übergangs

4-Phasen-Modell

Das ursprüngliche Modell wird in vier Phasen unterteilt:

5-Phasen-Modell

In neueren Arbeiten (ca. 1970er Jahre) wird vielfach nicht zwischen vier, sondern fünf Phasen des demografischen Transformationsprozesses unterschieden:

Variables Modell

Der in der Empirie festgestellte demografische Übergang ist nicht in allen europäischen Ländern gleich verlaufen. Begonnen hat er in England und dauerte dort ca. 200 Jahre, während er in Ländern wie den Niederlanden oder Deutschland nur 90 bzw. 70 Jahren dauerte. Entsprechend schneller wurde auch der demografische Übergang abgeschlossen.

Nicht nur die Dauer, sondern auch die Ausprägung der Bevölkerungsschere ist in den europäischen Ländern unterschiedlich. Eine Ausnahme stellt z.B. Frankreich dar: Der Rückgang von Sterbe- und Geburtenrate erfolgte fast gleichzeitig. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern kam es also zu keinem starken Bevölkerungszuwachs durch eine große Scherenöffnung.

Um solche Abweichungen mit einzubeziehen, wurde in den 1980er Jahren das variable Modell des demografischen Übergangs entwickelt. Indem es verschiedene Kurven der Geburtenrate (g1, g2, und g3) sowie der Sterberate (s1,s2 und s3) gibt und diese unterschiedliche Neigungen aufweisen, können unterschiedliche Transformationsprozesse im Modell abgebildet werden. Z.B.:

Damit ist das Modell des demografischen Übergangs flexibel genug, um eine Klassifizierung und Typisierung von Staaten hinsichtlich ihres Standes im Prozess des demografischen Übergangs und in der Art, wie dieser abläuft, zu erlauben.

Kritik

Das oben beschriebene Modell kann a priori nicht weiter kritisiert werden, da es unter dem modellhaften Charakter lediglich eine Beschreibung vorgefundener Entwicklungen darstellt und diese eben bestätigt oder nicht.

Versteht man das oben beschriebene Modell allerdings als eine wissenschaftliche Theorie, muss das sukzessive Durchlaufen der einzelnen Phasen als zwingende Hypothese interpretiert werden und das Modell kann weiterhin zur Prognose der Bevölkerungsentwicklung in Staaten dienen. Dabei hat sich das variable Modell als am besten geeignet gezeigt. An der Theoriekonzeption sind jedoch folgende Kritikpunkte geübt worden:

Literatur

Hummel, Diana: Der Bevölkerungsdiskurs, Demographisches Wissen und politische Macht. Opladen: Leske + Budrich 2000, ISBN 3-8100-2963-7.(insb. Kapitel 8.3)

Dinkel, Reiner: Demographie, Band1: Bevölkerungsdynamik.München: Vahlen 1989, ISBN 3-8006-1310-7

Siehe auch

See also: Demografischer Übergang, 1970er, 1980er, Bevölkerungsentwicklung, Bevölkerungsrückgang, Bevölkerungswachstum, Demographie, Demographische Entwicklung, Deutschland, Dritte Welt