Demokratietheorie

Unter Demokratietheorie versteht man zusammenfassend das Bestreben, die Demokratie als Prinzip der Herrschaft im Staat praktikabel umzusetzen. Die Notwendigkeit dazu erwächst aus der Tatsache, dass die Demokratie (Volksherrschaft) stets Gefahr läuft, in Richtung eines Extrems auszuarten: Entweder in Richtung einer Diktatur, also die übermäßige Machtkonzentration bei (zu) geringer politischer Partizipation des Volkes, oder in Richtung einer ungeordneten und nicht gesteuerten Meinungsvielfalt, die in politischem Chaos endet. Demokratie befindet sich also in diesem Spannungsfeld, und die Demokratietheorie ist seit Jahrhunderten bestrebt, für dieses Problem sinnvolle Lösungen zu finden. Sie beruft sich dabei unter anderem auf die Werke, Erkenntnisse und Thesen wichtiger Philosophen und Denker der Geistesgeschichte. Dazu zählen etwa

Hinweis zur Begriffsabgrenzung: Das Teilgebiet der Politikwissenschaft, das sich speziell mit den Lehren abendländischer politischer Denker wie z.B. den oben genannten befasst, bezeichnet man mit dem Oberbegriff Politische Theorie.

Die allgemeine Theorie der Demokratie beruht auf der Idee, dass die Macht in die "Hand" des Volkes gehört, also das Volk durch festgeschriebene Verfahren Entscheidungen herbeiführen kann. Nach dieser Theorie wären solchermaßen getroffene Entscheidungen, die Tauglichkeit des Verfahrens vorausgesetzt, die sinnvollsten.

Am ehesten ist dieses Konzept bei der plebiszitären (direkten) Demokratie verwirklicht, bei der das Volk die Entscheidungen selbst per Volksgesetzgebung trifft. Allerdings ist diese Form der Entscheidungsfindung, unserem Verständnis nach, sehr langsam und in Reinform zur Zeit nicht praktikabel.

Neue Medien und Formen der Wissensorganisation versetzen jedoch die Bevölkerung zunehmend in die Lage,an der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung flexibel teilzuhaben; siehe näheres unter Neue Formen der Enzyklopädie, Mindmaps, Encyclopedia Systematica.

Cyberdemokratie oder Tele-Plebiszit schafft konzeptuell die Grundlage für online abgestimmte und organisierte Direktpartizipation der Völker im mentalen Globalisationsprozeß des 'denke global,handle lokal',das durch das zunehmend systematische Internet (Transnet) computergestützt wird. Dieser Prozeß wird weiterhin durch die sich formierende Wissensgesellschaft flankiert,in der das emanzipierte Volk durch Dezentralisation wie z.B. Outsourcing seine ökologische Arbeits- und Freizeitplanung selbst online gestaltet,und extreme Arbeitsteilung reduziert.Hierdurch wird das 'Teile und Herrsche' der repräsentativen Demokratie beschränkt; denn diese ist Ergebnis der Arbeitsteilung. Das Volk kann durch eine selbstständigere Tagesgestaltung an Gesetzgebung, Naturschutz und Familienleben besser teilhaben,und durch mitdenken und einfühlen verantwortungsbewußte Betroffenheit und ökologische Anpassungsprozesse entwickeln.

Diese demokratietheoretischen Überlegungen stehen hinter den gegenwärtigen Deregulierungs- und Privatisierungsstrategien,die von der Politikverdrossenheit,mangelnden Arbeitszufriedenheit und ökologischen Zivilisationskritik zunehmend gefördert wird.

Die Modellierung und Schaffung der technischen Infrastruktur zur teleplebiszitären Demokratie wird einige Dekaden benötigen,falls sich bereits abzeichnende Kriegs- und Umweltkatastrophen keine dramatischen Zugzwänge ingangsetzen.

Da zur Zeit die plebiszitäre Demokratie nicht voll funktionsfähig ist,gibt es in der jetzigen repräsentativen Demokratie die gewählten Vertreter des Volkes, welche den Auftrag haben, im Namen des Volkes die Entscheidungen zu treffen, dabei aber auch im Sinne des Volkes handeln müssen, da sie sonst nicht wieder gewählt werden.

Das Rätesystem schließlich stellt eine Mischform zwischen direkter und repräsentativer Demokratie dar.

Wichtig für die Gewährleistung einer funktionierenden Demokratie sind in erster Linie allgemeine, gleiche, freie und geheime Wahlen, Mehrheitswahlrecht,periodische Wahlen und allgemeines passives Wahlrecht. Ebenfalls sehr wichtig sind Werte wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Chancengleichheit und bei repräsentativen Formen die Machtverteilung,so dass keine Einzelperson zu viel Macht besitzt.


Der Vorteil der Demokratie liegt in der politischen Gleichberechtigung jeder und jedes Einzelnen. Das bedeutet nicht, dass es in demokratischen Systemen keine Benachteiligten gibt. Es kommt vor, dass sich in Gesellschaften ein Zusammenhalt gegen Minderheiten bildet (z.B. Homosexuelle im Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg - dieses Beispiel zeigt jedoch auch die Stärke der Demokratie: mögliche Korrektur).

Dies führt zu Komplikationen, da nicht immer der Vernunft nachgegangen wird, sondern Politik häufig populistisch betrieben wird.

Demokratie sorgt, erkennbar, nicht automatisch für Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung.

Siehe auch

Neokorporatismus, Pluralismus, Pluralistische These, parlamentarische Demokratie, Partizipatorische Demokratie, präsidiale Demokratie, repräsentative Demokratie, Direkte Demokratie, Demokratie, Volkssouveränität, Deliberative Demokratie, Staatstheorie

Literatur

See also: Demokratietheorie, Abendland, Aristoteles, Chancengleichheit, Deliberative Demokratie, Demokratie, Diktatur, Direkte Demokratie, Enzyklopädie, Ernst Fraenkel