Der Traum der roten Kammer

Bei Der Traum der roten Kammer (红楼梦 Hóng Lóu Mèng) handelt es sich um einen der berühmtesten klassischen Romane aus dem Kaiserreich China.

Der Autor Cao Xueqin (Tsao Hsüe Kin) (1715-1764), der seine Arbeit wiederholt überarbeitete, konnte die von ihm gewünschten über hundert Kapitel nicht vollenden. 1792 erschien eine von Kao O (Gao E) auf 120 Kapitel erweiterte Fassung im Druck.

Es ist die filigran verästelte (über 350 Figuren) Geschichte vom Aufstieg und Verfall einer mandschurischen Aristokratenfamilie, reduziert auf die Krankheitsgeschichte eines asozialen, degenerierten Schwächlings, der durch Depressionen hindurch ein nach Außen hin sorgenfreies dekadentes Leben führt. Die Haupthandlung gruppiert sich um drei Gestalten Jia Baoyu, Blaujuwel und Baozhai.

Da Kao O das Ende etwas „angepasst“ hatte, um der Zensur des Kaisers zu entgehen, verlor die Überarbeitung den sozialkritischen Hintergrund.

Als „endgültige“ Ausgabe gilt die 1982 in Peking erschienene dreibändige, von Feng Qiyong herausgegebene Edition der 80 Kapitel von Cao Zhan und der letzten 40 Kapitel nach Kao O.

Der berühmte Roman gilt als gelungenste Darstellung des Chinas der Qing-Dynastie (1644 - 1912). Die zwei wichtigen chinesischen Philosophie-Strömungen des Daoismus wie des Konfuzianismus lassen sich beide in dem Werk nachweisen.

1932 erschien im Insel Verlag eine deutschsprachige (um 200 Seiten gekürzte) Ausgabe von Franz Kuhn, die 1956 wieder aufgelegt wurde.

Zitat aus dem Nachwort von Franz Kuhn

"Wenn man gebildeten, jugendlichen Chinesen beiderlei Geschlechts gegenüber den Namen Hongloumeng nennt, dann werden ihre Augen leuchten, und sie werden erkennen, daß sie den Roman nicht nur einmal, sondern drei- oder viermal durchgelesen haben und stellenweise auswendig kennen. Die erstaunliche Beliebtheit des Hongloumeng gerade bei der chinesischen Jugend erklärt sich wohl daraus, daß der Roman sich in sehr eindringlicher ernsthafer Weise mit nahezu allen Problemen befaßt, die gerade junge Chinesen beiderlei Geschlechts unmittelbar bewegen. Es ist zu beachten, daß das Alter der Hauptpersonen sich zwischen zwölf und neunzehn Jahren bewegt! Der Roman ist eine Art Lebensbrevier der chinesischen Jugend."

(Aus dem Nachwort von Franz Kuhn)

Der Traum

"Baoyu hatte kaum die Augen geschlossen, da fühlte er sich in ein Traumland entrückt. Es war ihm, als schwebte seine schöne Nichte vor ihm her und führte ihn zu einem Feenpalast mit Mauern aus Jaspis und Säulen und Balustraden aus Rubin, umgeben vom Rauschen grüner Wipfel und Murmeln silberner Bäche. "Hier ist es gut sein," seufzte er beseligt im Traum, "hier möchte ich viel lieber leben als daheim, wo ich beständig unter Aufsicht bin und Tadel und Schelte von Vater und Mutter zu gegenwärtigen habe." Seine Führerin war in zwischen verschwunden. Er lauschte. Von irgendwoher scholl der überirdisch schöne Gesang einer Frauenstimme an sein Ohr. Gleich darauf sah er eine wunderholde Fee hinter einem Hügel zum Vorschein kommen und sacht auf ihn zuschweben. Grüßend hob Baoyu die Hände in Brusthöhe und sprach, sich verneigend, zu ihr: "Schwester Fee, ich habe mich verirrt. Möchtest du so lieb sein, mich zu führen und mir zu sagen, wer du bist?"

Die Fee erwiderte: "Ich bin die Fee des schreckhaften Erwachens. Ich wohne nicht weit von hier, im 'Wahnreich der großen Leere', in der 'Sphäre des verbannten Leids' hinter dem 'Meer des netzenden Kummers', auf den 'Höhen des befreiten Lenzes', in den 'Grotten des unvergänglichen Duftes'. Ich richte über den 'Wind- und Wolkenverkehr' zwischen den Menschen und regle die unbeglichenen Liebesschulden zwischen unglücklichen Mädchen und schmachtenden Jünglingen. Nicht Zufall, sondern Vorbestimmung führt mich heute mit dir zusammen. Ich will dich in mein Reich führen und dich in meinem Palast mit einer Schale selbstgepflücktem Göttertee und einem Becher selbstgebrauten Wunderweins bewirten. Meine Mägde sollen dich mit ihrem Zauberreigen unterhalten und dir die zwölf Geistersänge vom 'Traum der roten Kammer' vorsingen. Willst du mir folgen?"

"Ich will", bejahte Baoyu freudig und folgte der Fee. Es währte nicht lange, da führte sie ihn durch einen hohen Steinbogen, über dessen Wölbung er die Aufschrift las: 'Wahnreich der großen Leere'. Rechts und links an den Pfeilern stand geschrieben:

"Sein wird Schein, und Schein wird Sein,

Eins wird Keins, und Keins wird Eins."

(Aus der deutschen Übersetzung von Franz Kuhn; ISBN 3458334726)

Weblinks

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See also: Der Traum der roten Kammer, 1644, 1715, 1764, 1792, 1912, 1932, 1956, 1982, Cao Xueqin