Deutsche Bahn AG
Die Deutsche Bahn AG (Deutsche Bahn Holding; kurz DB AG oder nur DB) ist die Nachfolgerin der beiden bis 31. Dezember 1993 existierenden Eisenbahnen des Bundes, der Deutschen Bundesbahn der BRD und der Deutschen Reichsbahn der DDR. Waren diese rechtlich als Sondervermögen des Bundes organisiert, so besteht die weiterhin hundertprozentig bundeseigene Deutsche Bahn AG in einer privaten Rechtsform weiter.
Die Deutsche Bahn AG ist die größte deutsche Dachgesellschaft von Eisenbahninfrastruktur- und Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie mehr oder weniger eisenbahnaffinen Dienstleistungsgesellschaften. Das Kürzel DB der Deutschen Bundesbahn wurde übernommen, jedoch in seiner grafischen Umsetzung als Logo („Keks“) modernisiert. Sitz der Holding der Deutschen Bahn AG ist der Bahntower in Berlin.
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Kernzahlen
Die Deutsche Bahn beschäftigt 228.947 Mitarbeiter, darunter ca. 59.000 ihr mit der Bahnreform zugewiesene oder beurlaubte Beamte. Der Konzernumsatz 2004 beträgt 22,125 Mrd. €. (Alle Daten November 2004; Umsatz projiziert.)
Das unternehmenseigene Schienennetz misst rund 36.000 km und umfasst damit praktisch das gesamte Vollbahnnetz Deutschlands. Es gibt 5665 Bahnhöfe und Zugangsstellen. Täglich finden etwa 37.000 Zugfahrten statt, was jährlich fast einer Milliarde Zugkilometern entspricht. Der Löwenanteil der Züge wird dabei von den ca. 30 konzerneigenen Eisenbahnunternehmen gefahren. Das DB-Netz gilt als das dichteste und am höchsten belastete Eisenbahnnetz der Welt.
Im Personenverkehr wurden 1,681 Mrd. Reisende befördert, bei einer Beförderungsleistung von 69,534 Mrd. Personenkilometern (durchschnittliche Reiseweite also etwa 41 km); im Güterverkehr wurden 282,3 Mio. Tonnen Güter bei einer Transportleistung von 79,684 Mrd. Tonnenkilometern transportiert (durchschnittliche Transportweite ca. 282 km).
Privatisierung
Seit der Deregulierung der 1990er Jahre hat die DB nicht mehr das Monopol für den Schienenverkehr. Andere der etwas mehr als 300 Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sind z. B. Connex und private Bahngesellschaften für den Regionalverkehr (z. B. Nord-Ostsee-Bahn) und private Güterverkehrsbetreiber.
Es ist geplant, dass die DB AG an die Börse zur Kapitalbeschaffung geht und somit die Anteile an der Gesellschaft ganz oder teilweise in die Hände von Privatpersonen gelangen. Umstritten ist, ob das Schienennetz ebenfalls privatisiert werden soll, da man der Ansicht ist, dass das Schienennetz zur Infrastruktur gehört. Mit einer Privatisierung ginge womöglich ein Teil des Netzes verloren, wenn der Betrieb von Bahnverbindungen auf diesen Strecken sich nicht mehr rentiert.
Die aus dem Status der Bundesbahn und Reichsbahn hervorgegangenen beamtenrechtlichen Verpflichtungen und Organisationen (Besoldung, Pensionen, Krankheitsversorgung, Sozialwerke, medizinischer Dienst unter anderem) sowie einige andere Reste der „Behördenbahn“ sind an das Bundeseisenbahnvermögen übergegangen. Die aufsichtsbehördlichen Aufgaben und einige Regulierungsfunktionen für den liberalisierten Eisenbahnmarkt hat das Eisenbahnbundesamt übernommen.
Unternehmensbereiche
Die DB ist in verschiedene voneinander unabhängige Unternehmen („operative Unternehmensbereiche“) für folgende Bereiche aufgegliedert:
- Schienennetz (DB Netz)
- Personenbahnhöfe (DB Station&Service AG)
- Dienstleistungen (DB Services, DB Telematik, DB Systems, DB Energie, DB Fuhrparkservice, DB ProjektBau GmbH)
- Transport und Logistik (Stinnes AG, mit den Tochterunternehmen Schenker und Railion, früher DB Cargo)
- Personenverkehr (DB Regio, DB Fernverkehr (früher DB Reise&Touristik), DB Autozug und DB Stadtverkehr)
Die kleineren Beteiligungen des DB-Konzerns sind weitgefächert und unübersichtlich. Durch die laufenden Umstrukturierungen ist es schwierig, eine vollständige Liste aller DB-Töchter aktuell zu halten. Zum Beispiel wird, um tarifliche Vorteile zu erzielen, mittlerweile bei Ausschreibungsgeboten im Schienenpersonennahverkehr fast immer ein neues Tochterunternehmen gegründet.
Preissystem
Ende 2002 führte die Bahn AG ein neues Preissystem ein, das ihr negative Schlagzeilen und sinkende Fahrgastzahlen einbrachte. Hauptkritikpunkt war die für einen günstigen Fahrpreis erforderliche Vorausbuchung, wie sie aber bei Fluggesellschaften gang und gäbe ist. Diese senkte die Flexibilität in der Auswahl von Reisestrecken und -zeiten; die Preise waren teilweise jedoch trotzdem nicht günstiger als beim PKW-Individualverkehr (bei Beförderung mehr als einer Person), teilweise sogar nicht günstiger als bei Inlandsflügen. Im Sommer 2003 besserte die Bahn nach massiven Protesten und sinkenden Marktanteilen Teile ihres Tarifsystems nach und führte unter anderem die alte BahnCard unter dem Namen BahnCard 50 wieder ein. Daneben wurde das Vorausbuchungsverfahren vereinfacht, das nach wie vor auch ohne BahnCard 50 Ermäßigungen von bis zu 50 % des regulären Fahrpreises ermöglicht.
Vorstandsmitglieder
Vorstandsmitglieder sind derzeit (03/2005):
- Hartmut Mehdorn (Vorsitzender)
- Diethelm Sack (Finanzen & Controlling)
- Dr. Norbert Bensel (Transport & Logistik)
- Margret Suckale (Personal / Arbeitsdirektor)
- Klaus Daubertshäuser (Marketing)
- Dr. Karl-Friedrich Rausch (Personenverkehr)
- Roland Heinisch (Systemverbund Bahn)
- Stefan Garber (Infrastruktur & Dienstleistungen)
Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Dr. Michael Frenzel.
Kleine Chronik
- 17. Dezember 1993 - Der Bundesrat billigt nach dem Bundestag die Bahnreform.
- 1. Januar 1996 - Der Schienen-Nahverkehr wird regionalisiert. Die Länder kaufen Verkehrsleistungen bei der Bahn.
- 1. Juni 1999 - Unter dem Dach einer Holdinggesellschaft entstehen separate Aktiengesellschaften für Personenverkehr, Fracht, Netz und Bahnhöfe.
- 14. Dezember 2002 - Im Fernverkehr wird das "Frühbucher"-Rabattsystem eingeführt. Es bleibt von Anfang an unter den Bahnkunden umstritten.
- 1. August 2003 - Nach massiven Beschwerden wird das komplizierte System vereinfacht und die alte Bahncard mit 50 Prozent Rabattvorteil feiert Urständ.
- 14. Januar 2004 - Beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Bahn AG plädiert Bundeskanzler Gerhard Schröder für eine Privatisierung über die Börse, falls es die Bahn schaffe, 2004 eine "schwarze Null" im Ergebnis zu erwirtschaften.
- 22. September 2004 - Der für das Jahr 2006 angedachte Börsengang wird bis auf weiteres verschoben.
Siehe auch
- Preissystem der Deutschen Bahn AG
- Eisenbahn
- Liste deutscher Eisenbahngesellschaften
- Liste europäischer Eisenbahngesellschaften
- Liste der Lokomotiv- und Triebwagenbaureihen der Deutschen Bahn AG
Weblinks
- Deutsche Bahn AG
- BahnImBild Offizielle Bilddatenbank der DB AG
- BahnGalerie Fotografien von Zügen der Deutschen Bahn AG
- fernbahn.de numerische Übersicht und aktuelle Wagenreihungen aller in Deutschland fahrenden Fernzüge der Deutschen Bahn
